David Foster Wallace – Unendlicher Spaß/1

Ich habe mir heute mehrere Interviews von David Foster Wallace angesehen (die gibt es auf Youtube, werde wohl auch das ein oder andere noch posten).

Er sagt, unsere Gesellschaft sei gezeichnet davon, dass wir immer mehr Spaß und Unterhaltung suchen. Unterhaltung ist die Droge des modernen Lebens. Nun hat er das Buch vor 15 Jahren geschrieben, und vor drei Jahren hat er sich umgebracht. Er konnte also noch sehen, dass er vollkommen Recht hatte mit seiner Prognose, dass die Gesellschaft sich in genau diese Richtung entwickeln würde. Vielleicht war das auch mit ein Grund für seine Depressionen und seinen Suizid. Ich könnte es irgendwo verstehen.

Ist es nicht so? Menschen suchen Unterhaltung. Sieht man sich das Fernsehprogramm an, merkt man, dass es hauptsächlich aus der Art Unterhaltung besteht, die nichts von den Betrachtern fordert. Man lässt es auf sich einplätschern und braucht nichts dazu zu tun, zu denken, sich damit auseinanderzusetzen. Die Sachen, bei denen man das tun müsste, laufen im Nachtprogramm, wo dann diejenigen zuschauen, die zu deprimiert sind zum Einschlafen und deren Gedanken sich immerzu im Kreis drehen. Dann können sie sich auch Sachen ansehen, bei denen man aktiv mitarbeiten muss.

Ähnlich ist es mit Büchern. Ich bin ganz überwältigt von Unendlicher Spaß. Natürlich verstehe ich nicht alles, ich habe keine Erfahrungen mit Drogen, ich bin kein Chemiker, und Tennis spielen tu ich auch nicht. Trotzdem liebe ich es so, weil es mich so fordert. Das ist, wie man z.B. auf Amazon lesen kann, nicht jedermanns Fall. Viele Leute fanden es zu anstrengend und langweilig. Naja, den Leuten möchte ich sagen: Es mag sein, dass es bessere Schriftsteller gibt (das werde ich ja mit Sicherheit auch noch herausfinden), aber vielleicht setzt ihr euch einfach wieder vor den Fernseher und seht Sendungen, in denen keine Fremdwörter gebraucht werden und in denen Denken überflüssig gemacht wird.

Natürlich ist es ab und an schön, sich berieseln zu lassen. Wer wollte das nicht? Aber es ist doch um Längen schöner, sich etwas zu erarbeiten. Allerdings habe auch ich das Gefühl, dass die Mehrheit der Menschheit das nicht so empfindet. Die „Werte“, die heute als solche verkauft werden, wieviel sind sie denn wert? Was ist eine Karriere, die darauf basiert, möglichst gut im Studium auswendig gelernt zu haben und diese Jahre mit Scheuklappen herumgelaufen zu sein, denn wert? Was ist es wert, dass man sich tolle Elektrogeräte leisten kann? Oder die Luft und die Meere zu verpesten, weil man mal eben für fünf Tage um die Welt jettet? Sind das Werte? Ist es etwas wert, wenn ich den 200sten Vampirroman gelesen habe?

Vielleicht sollten wir uns ein paar Gedanken darüber machen, was auch noch etwas wert sein könnte. Zum Beispiel, sich Gedanken zu machen. Danke, Mr. Wallace, für die Anregungen.

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