Warum was lesen?

Ich hatte gestern ein interessantes Gespräch mit einem Freund. Er sagte, er lese zwar meinen Blog, aber er könne nichts dazu sagen, da er ja die Bücher nicht kenne. Aber zum Beispiel, nachdem er meine Rezension über Das Gleichgewicht der Welt gelesen habe, habe er das Buch nicht mehr lesen wollen. Dafür gebe es einen Grund: er lese, um sich zu entspannen, um gute Geschichten kennenzulernen, und um unterhalten zu werden. Aber eher auch, um etwas Schönes zu erfahren, und sich nicht mit solchen fürchterlichen Dingen auseinanderzusetzen. Die Welt ist schlecht genug, warum dann noch tiefer darin eintauchen? Da hat er natürlich nicht unrecht, und es gibt ja auch genügend Abwechslung in bestimmten Kategorien, die man interessant findet.

Nun meine Frage: wie sieht das denn bei Euch so aus? Warum lest Ihr und was? Ich kann von meiner Warte nur sagen, dass ich auch sehr gerne mal eine etwas leichtere Story lese, die ich so runterratter und die mich auf nette Art unterhält. So zum Beispiel passiert mit Harry Potter, habe ich geliebt. Aber gefordert hat es mich nicht. Und das ist bei mir der Punkt: natürlich sind nicht alle Geschichten toll und spannend oder leicht konsumierbar, aber bildet das nicht auch einen gewissen Reiz? Wenn man sich mit Dingen auseinandersetzt, auch den Unschönen? Ich muss sagen, ich habe beim Mistry arg mitgelitten, es hat mich zwischenzeitlich richtig fertig gemacht. Aber ich möchte es auch nicht missen. Oder wenn ich mich wieder einmal tragen lassen soll von Foster Wallaces Gedankenflügen, ist das manchmal großartig, und manchmal kostet es einfach nur Nerven. Aber der Prozess des Sich-Auseinander-Setzens und des Entdeckens ist das alles – in meinen Augen – wert.

Könnte man es nicht mit fernsehen vergleichen? Ich gucke mir gerne mal ne RomCom an und lasse mich unterhalten, aber Dokumentationen und dergleichen sind doch auch wichtig, oder wie seht ihr das? Ich weiß, jeder hat seinen eigenen Geschmack, und ich bin ja immer froh, wenn Leute lesen, seien es auch eine Chicklit oder Vampirstory oder ein Krimi nach dem anderen. Nachher weiß man immer mehr, das ist super. Aber wenn man sein Spektrum etwas erweitert, erfährt man eben auch Sachen, von denen man vorher nicht mal geträumt hätte.

Das ist für mich, was Literatur ausmacht. Deswegen mache ich diesen Blog hier, weil ich möglichst viele Facetten kennenlernen möchte. Aber das ist natürlich meine Sache, ihr lest ja bestimmt aus anderen Gründen. Also, schreibt mir doch etwas über diese Gründe, ich bin gespannt!

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4 Gedanken zu „Warum was lesen?

  1. Ich lese hauptsächlich Sachbücher. Bei denen ist die Motivationslage herrlich einfach: Es gibt Themen, über die ich gerade genug weiß um Fragen zu haben, die ich beantwortet haben möchte. 😉

    Bei der Belletristik sieht das anders aus. Hier bevorzuge ich kein bestimmtes Genre wirklich, auch wenn es natürlich von Zeit zu Zeit soetwas wie ‚Phasen‘ gibt. Aktuell wäre das zB. die Horror-Literatur. Ich lese sie, weil sie so herrlich unrealistisch ist, dass sie einen Kurzurlaub von der Welt der harten Fakten ermöglicht.

    Und dann versuche ich mich gelegentlich selbst zu überraschen (mit einem ‚Blindflug‘ durch die Bibliothek etwa). Denn nur so lernt man neue Perspektiven, Genres und (nicht zuletzt) Möglichkeiten der eigenen Phantasien kennen. 😉

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    • „Phasen“ hab ich auch, und es ist immer so unbefriedigend, wenn man dann was Gutes gelesen hat und nichts Ähnliches findet, bzw. so beglückend, wenn doch 🙂
      Und Blindflüge sind sowieso super, ich muss mir immer sehr viel Zeit in der Bib nehmen, weil ich mir dies und das und das und dies noch angucken muss, herrlich 🙂

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  2. Ich kann mir ein Leben ohne Bücher gar nicht vorstellen, beim besten Willen nicht. Und mir sind ehrlich gesagt Leute ziemlich suspekt, die sagen, sie können mit Büchern überhaupt gar nichts anfangen. In mir bewegt sich so viel wenn ich lese (natürlich nicht bei allen Büchern, Krimis z.B. kann ich einfach so runterlesen und da bleibt selten was hängen, aber manchmal brauche ich das auch einfach zur Entspannung) und diese Erfahrung möchte ich auf gar keinen Fall missen. „Das Gleichgewicht der Welt“ war für mich ein ziemlich harter Brocken, ich hatte sehr oft einen riesigen Kloß im Hals und ich musste es öfters mal weglegen und ein paar Monate Pause machen. Aber dennoch bin ich froh, dass ich mich durchgebissen habe, die Handlung hat mich auch nicht losgelassen, auch wenn es mir oft zu viel war. Das ist sicher kein Buch, das gute Laune hinterlässt, aber andererseits hat es die Welt für mich auch wieder in die richtige Perspektive gerückt, eigentlich kann ich wirklich froh sein, dass es mir so gut geht.

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    • Da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen. Nichtleser sind so schwierige Menschen. Und klar, ab und an braucht man auch etwas „leichte“ Lektüre, grade nach so etwas wie „Das Gleichgewicht der Welt“. Aber das macht Literatur zum größten Teil für mich aus – für jede Stimmungslage gibt es etwas, und meistens bringt es einen auf die ein oder andere Art weiter. Zum Beispiel beim Perspektiven-zurechtrücken 🙂

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