Buch #32: J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

Zum ersten Mal las ich den Herrn der Ringe in den Monaten, bevor der erste Teil ins Kino kam. Ich war begeistert! Dann ging ich hoffnungsfroh mit einer Freundin ins Kino- und kam mit Tränen in den Augen wieder hinaus. Nichts war so, wie ich es mir vorgestellt hatte! Einzig Aragorn und Gandalf kamen meinem Bild nahe. Der Rest des Films war so, wie die Welt für Frodo sein muss, wenn er den Ring überstreift: Schemenhaft, dunkel und verstörend. Wieder einmal hatte sich bestätigt, dass die Verfilmung dem Buch bei Weitem nicht das Wasser reichen kann.

Kommen wir also zum Buch bzw. den Büchern. Meine Ausgabe teilt sich in drei Bände auf, die aus sechs Büchern bestehen, die sich wiederum in mehrere Kapitel unterteilen.

Herr der Ringe

Band 1: Die Gefährten

Gandalf, der Zauberer, überzeugt den inzwischen alten Bilbo Beutlin (der Kleine Hobbit), den Ring in Frodos Obhut zu übergeben. Bilbo geht fort, um seinen Lebensabend bei den Elben zu verbringen. Doch bald kommt Gandalf mit schlechten Neuigkeiten zu Frodo: Im Osten zieht eine dunkle Macht herauf, die sich allmählich auch in Mittelerde bemerkbar macht. Dunkle Gestalten sind auf der Suche nach etwas, sie suchen den Ring. Denn dieser ist ein sehr mächtiger Ring,

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,

Ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden,

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Und in Mordor sitzt Sauron, der Dunkle Herrscher, der wiedererstarkt ist und sich die Welt untertan machen will. Und hierzu braucht er den Ring.

Frodo bricht auf, um den Ring „loszuwerden“, damit dies nicht geschehen kann. Mit ihm gehen sein „Diener“ Sam (er wird immer als Diener bezeichnet, und nennt Frodo „seinen Herrn“, doch in Wahrheit ist er der beste Freund, den Frodo haben kann) und seine Freunde Merry und Pippin. Eine Reise voller Abenteuer beginnt, auf der sie von dunklen Reitern gejagt werden, aber auch neue Freunde und Helfer in der Not finden.

Die erste Etappe endet in Bruchtal, bei Elrond, dem Elben. Hier treffen die vier Freunde auf die Menschen Aragorn und Boromir, den Elben Legolas und den Zwerg Gimli, und auch Gandalf findet sich ein. Frodo wird zum Ringträger erklärt; er soll den Ring vernichten, dort, wo er geschmiedet wurde: Am Schicksalsberg, im Lande Mordor. Nun beginnt für die neun Gefährten eine schwierige Reise; Frodo soll den Weg nicht alleine gehen, und die Gefährten wachsen eng zusammen. Doch nicht alle werden überleben…

Band 2: Die zwei Türme

Die Gefährten werden getrennt. Frodo und Sam gehen alleine weiter. Der Weg wird immer schwieriger, und ihnen schließt sich nun Gollum an, dem Bilbo einst den Ring abnahm. Gollum führt sie weiter, durch Sümpfe, über Berge, immer bedroht von bösen Wesen und unter den Augen Saurons. Gollum wiederum ist  immer hin- und hergerissen zwischen seinen beiden Wesen, zwischen Gollum, dem Wesen, zu dem ihn der Ring gemacht hat und Smeagol, dem Rest seines ursprünglichen Wesens, zwischen der Hilfe für den Ring, seinen „Schatz“, und dem Verrat an Frodo, um den Ring wieder in seinen Besitz zu bekommen.

Die anderen Gefährten ziehen in den Krieg. Sie schlagen Schlachten, gewinnen neue Verbündete und bereiten sich doch nur auf die große Schlacht in Minas Tirith vor, vor den Toren von Saurons Reich. Würde Sauron die Festung erobern, würde er enorm an Einfluss gewinnen. Außerdem glaubt er, der Ring befinde sich dort, an der Hand eines der Gefährten…

Band 3: Die Wiederkehr des Königs

Während Frodo und Sam mit Gollum immer weiter in Saurons Reich vordringen, findet die große Schlacht in Minas Tirith statt. Auch sie geht nicht ohne Verluste vonstatten.

Für Frodo wird der Weg immer schwerer, der Ring gewinnt an Einfluss über ihn und fordert seinen Tribut. Ohne Sam wäre er längst verloren. Doch da ist auch immer noch Gollum, ganz abgesehen von Saurons riesiger Armee, und dem Ring, der zu seinem mächtigen Herrn will…

Dies ist nur ganz, ganz grob die Handlung. Die Geschichte fängt langsam an, und gewinnt dann so an Fahrt, dass man die Bücher nicht mehr aus der Hand legen kann. Tolkiens Phantasie fesselt, verzaubert, verängstigt, man lacht beglückt im einen Moment und im nächsten wagt man es nicht zu atmen.

Man kann sicherlich über die literarischen Qualitäten streiten, es gibt „größere“ Schriftsteller. Dennoch gehört der Herr der Ringe meines Erachtens nach unbedingt auf die Liste der Bücher, die man gelesen haben sollte. Ich kann und will nicht mehr sagen als: Lesen! Wer nur die Filme kennt, wandelt im Dunklen. Mir ist auch bewusst, dass Fantasy nicht Jedermanns Sache ist. Aber ich weiß auch, dass es ein Verlust ist, die Geschichte nicht zu kennen. Und wer die Filme nicht kennt, wird die größte Freude daran haben, dieses Reich der Phantasie unbenommen vor seinem inneren Auge entstehen zu lassen. So wie ich, bevor ich den ersten Teil der Verfilmung sah.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Krege.

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18 Gedanken zu „Buch #32: J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

  1. Ich habe auch dieselbe Ausgabe. (;

    Ich habe die Bücher nach den Filmen gelesen, dementsprechend blieb mir diese Ernüchterung, die dich befallen haben muss, erspart. Ich gehöre zu denen, die Tolkien gern gelesen haben, kenne aber auch einige, die dessen Stil viel zu ausufernd und detailverliebt finden. Ich fands toll. Neben Harry Potter ist Herr der Ringe so ziemlich die einzige Fantasygeschichte, die mich fesseln konnte. Ansonsten ist Fantasy auch so gar nicht mein Genre. ;D

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    • Ich kann auch nicht sagen, dass ich es zu detailverliebt fand, aber das ist wohl auch persönlicher Geschmack. Auch bei mir ist es neben Harry Potter im Fantasy ganz weit oben, ich lese es zwar gerne, aber bin auch nicht so darin bewandert. Aber ab und an ist es doch schön, in so eine Welt einzutauchen 🙂

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  2. Ich, ansonsten fantasy-fern, hatte den ersten Kontakt mit HdR durch meinen Latein-Nachhilfelehrer anno dazumal. Er empfahl, ich las (die Carroux-Übersetzung) – und zwar gebannt. Und auch noch während des Lateinunterrichts unterm Tisch. Folge: noch mehr Nachhilfe. Ob da Methode dahinter steckte?
    Egal, das Buch ist klasse. Ich bin sehr froh, dass ich nicht zuerst die Filme gesehen habe, visuelle Eindrücke sind nun mal sehr dominant und hätten mir die bildhafte Vorstellung der Figuren sicher ‚versaut‘. Natürlich erfährt man im Buch erheblich mehr Details und Hintergründe (z.B. hätte der Hexenkönig mit einer ’normalen‘ Klinge durch Merry gar nicht verletzt werden können), das ist ja bei dem Textumfang auch kein Wunder.
    Was ich am HdR noch bemerkenswert finde: mit der Trennung der „Gefährten“ trennen sich auch die Handlungsstränge und man weiß beim Erstlesen etliche Kapitel lang überhaupt nicht, was ‚den anderen‘ gerade passiert. Das ist ein ziemlich guter erzählerischer Trick Tolkiens und erhöht die Spannung doch ziemlich.
    M.E. sind auch „Der kleine Hobbit“ und „Das Silmarillion“ ein Muss, wenn man HdR mochte. Ersteres ist nun mal eine Art Prolog zum HdR, allerdings eher für Kinder geschrieben; das „Silmarillion“ ist nun wieder eher sagenartig, äußerst geschehnisreich und voller Dramatik (Verrat zuhauf), daraus hätte JRRT nochmal zig fesselnde Einzelwerke generieren können.

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  3. Ich hatte mir die gleiche Ausgabe mal von einer Freundin ausgeliehen. Aber nach rund 100 Seiten abgebrochen. War wirklich nicht meins, ich fand es ‚anstrengend‘ und wie jemand schon gesagt hat ’sehr detailverliebt‘. Würde es aber trotzdem gerne irgendwann nochmal versuchen. Ist sicher ein tolles Buch, aber eben auch eine Herausforderung (zumindest für mich ^^)

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    • Das kommt darauf an, ob Du Dich in die Welt versetzen kannst und möchtest. Aber ich denke, Du solltest es vielleicht nochmal versuchen. Die ersten Seiten sind in der Tat etwas schwierig, weil hier die Grundlage geschaffen wird und weniger passiert, als dass erklärt würde. Aber dann gehts los 🙂 Versuch es einfach noch mal!

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  4. Ich habe damals zuerst die Filme gesehen – eher widerwillig, muss ich gestehen, es war eher so ein Happening mit Freunden, bei dem man einfach mitgemacht hat, auch wenn man mit Fantasygeschichten gar nichts am Hut hat. Und siehe da: Ich wurde eines Besseren belehrt, mich haben die Filme (ich habe sie alle drei zusammen gesehen) sehr beeindruckt – wohl auch, weil ich die literarische Vorlage nicht kannte. Grandiose Bilder, das muss man den Machern lassen.

    Das Buch habe ich jedenfalls anschließend auch gelesen, aber ich war im Nachhinein keinesfalls enttäuscht von der filmischen Umsetzung. Natürlich ist das Buch viel detailverliebter, es gibt viele Hintergrundinfos, die die Filme nicht liefern. Aber das finde ich vollkommen normal und verständlich. Die Filme dauern ja insgesamt schon zehn Stunden, noch mehr kann man den Zuschauern einfach nicht zumuten. Ich finde, für eine Literaturverfilmung war es schon recht ordentlich. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich wie gesagt die Filme zuerst kannte und sie mich überhaupt erst zum Buch geführt haben – und auch das ist ja ein Verdienst.

    Ansonsten bin ich dem Genre ferngeblieben. Nur Harry Potter ich habe noch gelesen – der mich übrigens genauso begeistern konnte, ansonsten sind mir diese Welten völlig fremd.

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    • Vielleicht war es die zeitliche Nähe zwischen Buch und Film… hätte ich das Buch nicht mehr so präsent gehabt, hätte mir die Verfilmung vielleicht besser gefallen. Mir hat die Verfilmung was z.B. die Landschaft angeht, sehr gut gefallen, und mir ist auch klar, dass nicht viel mehr hineingepasst hätte, allein zeitlich. Trotzdem finde ich hier das Buch um Längen besser 🙂
      Harry Potter habe ich damals Jahre verweigert, erst nach einer Prüfungsphase und zur Zeit des Erscheinens des fünften Bandes habe ich ihn in Angriff genommen – und ja, er hat mich begeistert. Auch hier die Bücher mehr als die Filme, wobei diese mir auch ganz gut gefallen haben.
      Ich denke, es ist schwierig, gute Literaturverfilmungen zu machen. Aber es gibt sie, z.B. finde ich, dass die BBC hier immer wieder einen guten Job macht. Und meine liebste Buchverfilmung basiert zwar nicht auf einem Roman, sondern auf einer Reportage, aber „Into the Wild“ konnte mich damals restlos begeistern (was nicht zuletzt an dem grandiosen Soundtrack lag). Vielleicht schreibe ich mal etwas darüber, aber vorher müsste ich das Buch nochmal lesen. Mal sehen… 🙂

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      • Oh ja, stimmt, Into the Wild ist tatsächlich ein großartiger Film, aber Sean Penn ist auch einfach ein fantastischer Künstler. Wenn er was macht – sei es als Darsteller oder als Regisseur -, dann kann man davon ausgehen, dass es etwas Gescheites ist. Tolle Landschaftsaufnahmen und – ja – ein großartiger Soundtrack.

        Die Harry-Potter-Filme haben mir auch recht gut gefallen, der eine mehr, der andere weniger, aber insgesamt auf jeden Fall ein lohnendes Erlebnis. Ansonsten fällt mir noch die Verfilmung von Foers Everything Is Illuminated ein: für sich genommen ein schönes Stück Filmkunst, auch wenn es sich von der literarischen Vorlage (zwangsweise) weit entfernt.

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  5. Es ging mir mit den Herr der Ringe Verfilmungen ähnlich wie dir. Aber im Gegensatz zur Hobbit-Verfilmung (bzw. dem ersten Teil) finde ich sie richtig gut. Der arme Hobbit wurde mit sinnlosen Harry-Potter-meets-Monty-Python-Szenen aufgeblasen, seufz…

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    • Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen, aber ich habe den Eindruck, um aus diesem schmalen Büchlein mehrere Filme zu machen, muss man schon eine Menge dazu erfinden oder ausschmücken… also das Gegenteil vom Herrn der Ringe. Ich denke, ich werde noch etwas damit warten, damit ich das Buch nicht mehr so präsent habe…

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  6. Hallo.
    Ich bin begeistert. Heute habe ich dein Blog erst entdeckt und finde ihn klasse! Gleich mal zu den Favoriten hinzugefügt.
    Die „Herr der Ringe“ Verfilmung, finde ich super. Das Buch ist jedoch Weltklasse.
    Den Hobbit als Film fand ich solala. Zu anders. 3D war anstrengend. Einzig und allein, dass das Buch in 3 Teile verfilmt wird, finde ich super. Dann kann man sich viel Zeit lassen. Mir wurden zu viele Dinge hinzugedichtet.

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    • Vielen Dank, das freut mich 🙂 Ich habe den Hobbit noch nicht gesehen, aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie man aus knapp über 300 Buchseiten drei Filme machen will… da muss man ja schon viel hinzudichten. Aber mal sehen, irgendwann werde ich ihn mir angucken, vielleicht alle 3 Teile hintereinander in ferner Zukunft 🙂

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  7. Da ich vor kurzem dieses Buch seit langem Mal wieder durch gelesen habe (Beitrag in meinem Blog kommt demnächst), kann ich deinem Beitrag zu großen Teilen zustimmen. Ich würde aber auch nicht sofort mit den Filmen brechen, da sie zu gewissen Teilen dem Werk treu sind und vielen Menschen (zum Beispiel mir :D) erst den Zugang zu dem Buch gezeigt haben. Über die Jahre betrachtet und gereift und vor allem nach der neulichen Lektüre würde ich aber sagen, dass Jackson zu sehr den Schauwerten vertraut hat, als sich dem Werk von einer gesunden Basis zu nähern – auf der großen Leinwand sicher top, aber irgendwann nur noch öde.

    Für mich persönlich gibt es im Fantasy- Bereich aber noch eine Buchreihe, die um Längen besser als der Herr der Ringe ist, die aber weniger Leute kennen, weil der Autor abschreckt. Die Rede ist vom Dunkler Turm- Zyklus von Stephen King und eindeutig von Der Herr der Ringe inspiriert.

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    • Ich breche ja auch nicht vollkommen mit den Filmen, es war nur die fehlende Distanz zum Buch, die die Filme zuerst schrecklich machten. Später habe ich sie noch einmal gesehen, und dann gefielen sie mir schon besser. Es ist halt schwer, wenn man eine komplette Welt in seinem Kopf erschaffen hat, und jemand presst seine Version in Bilder, die sich aber vollkommen von der eigenen unterscheidet.
      Von Stephen King habe ich bisher noch überhaupt nichts gelesen, aber irgendwann wird auch seine Zeit kommen, und dann werde ich Deinen Vorschlag bestimmt berücksichtigen 🙂

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      • Das mit dem Brechen war auch etwas harsch formuliert (sorry dafür) und irgendwie verstehe ich dich auch, wenn man zuerst die Bücher liest und dann das auf Zelluloid gebannte nicht der eigenen Fantasie entspricht. Ich glaube, sollte es jemals dazu kommen, bei einer Verfilmung der Dunklen Turm- Reihe würde es mir ähnlich ergehen wie dir bei der Erstbesichtigung der Gefährten 😉

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