Ken Follett – Winter der Welt

Zweiter Teil der Jahrhundertsaga

Zum ersten Teil, Sturz der Titanen, geht es hier.

Winter der Welt schließt nicht sofort, sondern einige Jahre später an Sturz der Titanen an. Die handelnden Familien bleiben die gleichen, auch wenn die Perspektiven sich ändern, da die nächste Generation herangewachsen ist.

Winter-der-WeltEs beginnt langsam, in Deutschland, mit der beginnenden Machtergreifung der Nazis. Ethel ist mit ihrem Sohn Lloyd bei Maud, Walter und ihren beiden Kindern Carla und Erik zu Besuch. Maud arbeitet als Journalistin, und alle werden Zeugen davon, wie die Nazis die Freie Presse verhindern und dann eine Sitzung der SPD brutal auflösen.

Derweil ist Gus Dewars Sohn in Amerika, das noch nicht viel davon mitbekommt, was in Europa geschieht, zum ersten Mal verliebt, wird aber von seinem Vater auch in eine politische Karriere geleitet.

Daisy, die Tochter von Gus Dewars erster großer Liebe und Lew Peschkow, sucht währenddesssen einen standesgemäßen Mann, da ihr Vater aber der windigen Sorte angehört, gestaltet sich dies schwierig. So reist sie denn nach England, und auf einer College-Party lernt sie Lloyd kennen, den sie zwar sympathisch findet, der aber nicht ihren Ansprüchen genügt. Bei seinem Halbbruder Boy, dem Sohn von Earl Fitzherbert, sieht das allerdings schon ganz anders aus.

Derweil arbeitet Wolodja, der Sohn von Grigori, inzwischen als russischer Spion in Berlin. Er sieht mit an, wie sich die Lage dort langsam zuspitzt, während die Nazis immer mehr Macht an sich raffen. Doch auch, als er nach Russland zurückkehrt, ist dort bei Weitem nicht alles so, wie er es für sein Vaterland erhofft.

Auch der zweite Teil der Jahrhundertsaga ist zu komplex, um mehr als einen Abriss über den Inhalt zu geben. Es handelt sich um eine Zeit, in der unglaublich viel geschehen ist, und Follett nimmt uns zu meisten Stationen mit. Dies beginnt mit dem Spanischen Bürgerkrieg, in dem Lloyd kämpft, geht weiter mit der Machtergreifung der Nazis, den Faschisten in anderen Ländern, vor allem in England und den USA, dann wird Pearl Harbor beschrieben, der daraufhin entbrennende Krieg zwischen den USA und Japan, der Bau der Atombombe und vieles, vieles mehr, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Man könnte nun meinen, dass all das zuviel Stoff für einen einzigen Roman ist, aber hier muss ich entschieden sagen: ist es nicht. Denn durch den Kniff der verschiedenen handelnden Personen aus verschiedenen Ländern bleibt immer klar, um wen es gerade geht, und zu jedem Ereignis entsteht dadurch eine nachvollziehbare Geschichte, die klar getrennt und verständlich ist.

Auch wenn jemand sich mit den Ereignissen dieser Zeit gut auskennt, kann er hier immer noch Neues erfahren. Follett gibt Zusammenhänge, indem er die Personen interagieren lässt, und selbst wenn sie nicht selbst agieren, zeigt er diese Zusammenhänge an ihrem Beispiel auf. So ist es zum Beispiel eigentlich ein schöner Familienausflug, anhand dessen Pearl Harbor beschrieben wird.

Erstaunlicherweise hat mich die Phase im Spanischen Bürgerkrieg mehr beeindruckt als die Schilderungen der Nazis, was aber vielleicht daran liegt, dass ich mehr über Nazi-Deutschland und seine Greuel weiß als über den Spanischen Bürgerkrieg (obwohl Hemingway schon eindrucksvoll war). Ich muss auch sagen, dass Follett nicht Partei ergreift, viele Menschen haben Fehler gemacht, und Follett beschönigt nichts.

Insgesamt ist auch der zweite Teil seiner Saga eine beeindruckende, hervorragend recherchierte und außerordentlich spannend geschriebene Geschichtsstunde. Der Roman funktioniert absolut als eigenständiges Werk, ich würde allerdings dennoch empfehlen, Sturz der Titanen zuerst zu lesen, da es viel mehr Spaß macht, die Schicksale der Menschen weiter zu verfolgen und zu sehen, wie die nächste Generation in  den Umständen lebt, die ihre Eltern ihnen geschaffen haben. Und ich muss sagen, es gibt mehr als eine Überraschung, denn die Umstände dieser Jahre  ändern Menschen…

Ken Follett: Winter der Welt. Aus dem Englischen von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher. Lübbe 2012. 1023 Seiten.

Der dritte Teil, Kinder der Freiheit, ist für September 2014 angekündigt.

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3 Gedanken zu „Ken Follett – Winter der Welt

  1. Pingback: [1001 Bücher] Ken Follett – Winter der Welt - #Literatur | netzlesen.de

  2. Mir gefällt, wie du es schaffst, diesen dicken Roman mit relativ wenigen Worten ganz eindrucksvoll zu beschreiben. Sofort erinnere ich mich wieder an all die starken Figuren. Habe „Winter der Welt“ vor einiger Zeit als Hörbuch gehört und die Geschichte seither nicht vergessen. In wenigen Tagen erscheint die Fortsetzung und dann sind wir mitten im Kalten Krieg…

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    • Vielen Dank! Ich fand es ziemlich schwierig, nur wenige Worte zu benutzen, aber ansonsten wäre es bei dieser komplexen Geschichte wohl ausgeufert. Mit dem Hörbuch warst Du dann wohl lange genug beschäftigt, bei dem Wälzer! Und ich bin auch schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, und froh, dass ich gerade die ersten Bände erst gelesen habe, so bin ich noch in der Geschichte drin…

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