Textschnipsel zum Montag – 21.11.2016

 

„Ich war in jener Zeit hungrig nach Erkenntnis und Anerkennung. Und ich war richtungslos. Auch mein Glaube an eine bessere Welt war zusammengebrochen. Das sozialistische Dogma, wonach der Mensch von Natur aus gut ist und es lediglich einer Kombination aus Menschenliebe und real existierendem Sozialismus bedarf, um die Welt zu retten, diese Glaubenssätze der Linken hatte ich nie geteilt. Aber die romantische Vorstellung der Moderne, wonach es einen Fortschritt gibt und dieser Fortschritt Verbesserung bringen wird, die Vorstellung, mit der meine ganze Generation erzogen worden war – ein Gefühl eher als ein Gedanke -, die wollte einfach nicht weichen. Die Idee, wir könnten tatsächlich alles besser machen, wenn wir nur hart genug arbeiteten und tief genug nachdächten… Dass die Geschichte eine Richtung hab, dass die Welt irgendwo hinführe… Dass der Mensch, wenn schon nicht gut, so doch zumindest zum Guten neige… Dass wir Krankheiten ausmerzen, Armut und Hunger und Durst ausschalten, Unterdrückung und Terror für immer zu einer Erinnerung machen könnten… Tod und Elend… Dass alles irgendwann besser würde…“ (S. 349f.)

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Foto: pixabay.com

Marcel Möring: Im Wald. Aus dem Niederländischen von Helga von Beuningen. Luchterhand Literaturverlag München, 2014. OA: Louteringsberg. De Bezige Bij, Amsterdam, 2011.

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3 Gedanken zu „Textschnipsel zum Montag – 21.11.2016

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