Textschnipsel zum Montag – 27.2.2017

„Für die Zeitung zu arbeiten hieß, sich auf die Welt einzulassen, und zugleich, sich von ihr zurückzuziehen. Wenn Ferguson seine Sache gut machen wollte, würde er beide Seiten des Paradoxes annehmen und lernen müssen, das Sowohl-als-auch auszuhalten: einerseits ins Getümmel einzutauchen, andererseits als neutraler Beobachter am Rand zu stehen. Das Eintauchen verfehlte nie seine erregende Wirkung […], aber die Zurückhaltung, glaubte er, war ein potenzielles Problem, wenigstens würde er sich in den kommenden Monaten und Jahren daran gewöhnen müssen, denn die unparteiische, objektive Sicht des Journalisten einzunehmen war fast so, als schlösse er sich einem Mönchsorden an und lebte fortan in einem gläsernen Kloster – abgeschnitten von den Angelegenheiten der Menschen, auch wenn sie weiterhin von allen Seiten auf ihn eindrangen. Als Journalist konnte man nie derjenige sein, der den Stein durchs Fenster warf, mit dem die Revolution begann. Man konnte den Wurf beobachten, konnte versuchen zu verstehen, warum der Stein geworfen worden war, konnte anderen erklären, welche Bedeutung der Steinwurf für den Ausbruch der Revolution hatte, aber man konnte nie selbst einen Stein werfen oder auch nur Teil der aufgebrachten Menschenmenge sein, die den Steinewerfer anfeuerte. Seinem Temperament nach neigte Ferguson nicht zum Steinewerfen. Er war, so hoffte er, ein mehr oder weniger vernünftiger Mensch, aber in diesen aufgeheizten Tagen wirkte alles, was gegen das Steinewerfen sprach, zunehmend unvernünftig, und wenn schließlich der erste Stein geworfen wurde, würden Fergusons Sympathien dem Stein gelten und nicht dem Fenster.“ (744f.)

broken-glass

picture: mary1826 via pixabay.com

Paul Auster: 4 3 2 1. Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karsten Singelmann und Nikolaus Stingl. Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 2017. OA: 4 3 2 1. Henry Holt and Company, New York, 2017.1259 Seiten.

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3 Gedanken zu „Textschnipsel zum Montag – 27.2.2017

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