Buch # 49: Rose Tremain – Die Farbe der Träume

Rose Tremain wurde am 2. August 1943 als Rose Thomson in London geboren. Sie studierte an der Sorbonne Anglistik und schloss ihr Studium 1967 an der University of East Anglia ab. Von 1988 bis 1995 war sie dort Dozentin für Creative Writing. Neben ihren Romanen veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Hörspiele und Drehbücher für Fernsehfilme. Sie hat zahlreiche Preise erhalten, unter anderem den Orange Prize for Fiction. Sie lebt mit dem Biographen Richard Holmes in Norfolk.

die_farbe_der_traeume-9783458357025_xlDie Farbe der Träume ist ein historischer Roman, der 2003 erschienen ist. Er handelt vom englischen Ehepaar Joseph und Harriet, die im 19. Jahrhundert mit Josephs Mutter nach Neuseeland auswandern, um dort ihr Glück zu finden. In Neuseeland gibt es günstiges Land, und sie wären nicht die Ersten, die dort durch harte Arbeit zu Wohlstand, und, wie sie hoffen, zu ihrem Glück kommen.

Joseph war in England Viehauktionator, ein Beruf, den er von seinem Vater übernahm, für den ihm jedoch jegliches Talent fehlte. Er war nicht glücklich, doch eines Tages traf er Rebecca, und diese eröffnete ihm eine völlig neue Welt. Doch nun, als er in Neuseeland ankommt, wird er von seinen Schuldgefühlen Rebecca und ihrer Familie gegenüber geplagt. Er will zu Geld kommen, um eine Schuld zu begleichen.

Harriet war lange Jahre als Gouvernante tätig, fast hätte sie ihren Traum von Freiheit, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit aufgegeben. Dann traf sie Joseph, und sie heiratete ihn, in der Hoffnung, Liebe und ein neues Leben zu finden.

Als Josephs Vater stirbt, brechen sie nun nach Neuseeland auf, im Schlepptau seine Mutter Lilian, die unter dem Verlust ihres Mannes und der Verpflanzung in eine neue, unbekannte Welt sehr leidet.

Joseph erwirbt Land und baut eine Hütte für die drei darauf, wobei er Ratschläge der Einheimischen in den Wind schlägt und sie auf einer Anhöhe errichtet. Als die Hütte fertig ist, holt er die Frauen, wobei Lilian einen Plan nach dem anderen schmiedet, um wieder in die Stadt zurückzugehen. Harriet hingegen geht voller Elan ihre neuen Aufgaben an: sie legt einen großen Gemüsegarten an, und kümmert sich um die Kuh.

Bald zeigt sich, dass der Platz auf der Anhöhe ein schlechter Platz war, den Elementen jederzeit ausgesetzt, und als einmal überraschend Schnee fällt, verlieren sie die Kuh, was für die Darbenden ein herber Verlust ist.

Doch eines Tages scheint sich das Blatt zu wenden: Joseph findet einen Schimmer Gold. Von nun an ist er besessen – wenn er nur Gold finden würde, wären alle seine Probleme wie fortgeblasen. Er könnte seiner Mutter endlich zeigen, dass er ein Mann ist, der für sie sorgen kann, er könnte Harriet ein richtiges Haus bauen und er könnte seine Schuld begleichen. Und so begibt er sich in den Westen des Landes, an die Goldschürferorte, und hofft auf sein Glück.

Harriet bleibt derweil beim Haus und versorgt Lilian, die jedoch eines Tages stirbt. Um dies Joseph mitzuteilen, reist sie ihm hinterher. Doch sie findet einen ausgezehrten, besessenen Mann vor, der an nichts anders mehr denken kann als an Gold. Doch das Wunder geschieht – Harriet findet Gold. Aber das Land ist unberechenbar, und ob es sein Gold einfach so hergibt, und ob ein Mann mit so einer Schuld es verdient, sein Glück zu finden, sind ganz andere Fragen…

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich sehr gerne historische Romane lese. Aber dieses Genre ist inzwischen ein riesiger Markt, und somit gibt es eine ganze Menge interessanter, spannender und gut zu lesender historischer Romane. Dieser gehört meiner Meinung nach nicht unbedingt dazu. Die Hauptfigur ist mit einem heulenden Waschlappen besetzt worden, dessen einziger Verdienst darin besteht, Harriet nach Neuseeland gebracht zu haben. Harriet ist eine recht gut gelungene Figur, die ihre Chancen dort ergreift, wo sie sich ihr bieten, die harte Arbeit nicht ablehnt, und Versprechen nicht bricht, selbst wenn es bedeutet, sich in Lebensgefahr zu begeben.

Wovon der Roman aber im Grunde lebt, das sind die Nebenfiguren. Hier ist die Maori-Frau Pare, die, als sie jung ist, als Kindermädchen arbeitet und dort in Konflikt mit ihrer Geisterwelt gerät. Dieser Konflikt hält ihr Leben lang an und belastet nicht nur sie, sondern auch den Jungen, den sie damals gehütet hat. Oder der Chinese Pao Yi, der Gemüse an die Goldgräber verkauft und ebenfalls eine Schuld gegenüber seiner Familie hat, der jedoch auch Harriet ein großes Geschenk macht. Diese Figuren sind fein gezeichnet und geben der Glückssuche-Geschichte einen eigenen Anstrich, der es für mich dann noch ein wenig herausgerissen hat.

Doch auch sprachlich ist alles sehr steif, die Figuren werden insgesamt wenig empathisch gezeichnet und bleiben sehr blass, was ich von historischen Romanen wirklich anders erwarte. Hier erwarte ich, in eine andere Zeit und eine andere Welt einzutauchen und dort eine Zeitlang zu leben, doch Die Farbe der Träume war für mehr wie das Betrachten einiger Photographien. Insgesamt kann ich sagen, dass der Roman sich gut lesen lässt, aber es nicht unbedingt ein Verlust ist, wenn man dies nicht tut.

Rose Tremain: Die Farbe der Träume. Aus dem Englischen von Christel Dormagen. Insel Verlag Berlin 2010. 456 Seiten.

Wer das Buch käuflich erwerben möchte, sollte sich selbst und seiner Buchhandlung um die Ecke einen Gefallen tun und seine Kondition ein wenig trainieren, indem er sich dorthin bewegt.