Margaret Atwood – Oryx und Crake

Erster Teil der MadAddam-Trilogie

„Alles, was es braucht“, sagte Crake, „ist die Beseitigung einer einzigen Generation. Einer Generation von allem. Käfer, Bäume, Mikroben, Wissenschaftler, Leute mit Französischkenntnissen, was auch immer. Wenn man das zeitliche Bindeglied zwischen einer Generation und der nächsten unterbricht, heißt es für immer: Spiel aus.“ (S.229/230)

Wie es scheint, ist genau das passiert in Margaret Atwoods erstem Teil einer dystopischen Trilogie, die keinen Leser unberührt lassen kann. Wir befinden uns in einer nahen Zukunft, die aus der Sichtweise von Schneemensch beschrieben wird. Schneemensch hatte früher einen anderen Namen, aber der ist jetzt unwichtig geworden. Jetzt: das ist die Zeit nach der großen Katastrophe. Nach dem Ausbruch des Virus, das für die Vernichtung der Menschheit gesorgt hat. Schneemensch hat überlebt, aber er ist alleine.

Margaret-Atwood-Oryx-und-CrakeNun ja, nicht ganz alleine. Die Craker sind noch bei ihm. Dies sind genetisch veränderte Menschen, sie sind allerdings eher wie Kinder. Völlig unbedarft, da ihre Aggressionen beseitigt wurden, sie keinen Sexualtrieb besitzen, nichts von Konkurrenzdenken wissen und keine Vorstellung von Bösartigkeit haben. Schneemensch passt auf sie auf, denn diese Welt, wenngleich eine Welt ohne Menschen, ist dennoch eine gefährliche Welt.

Zum Beispiel gibt es Organschweine, Schweine, die genetisch so verändert wurden, dass sie Organe hervorbringen. Nun, Schweine sind aber noch nie dumme Tiere gewesen, und dies wurde nicht verändert. So haben sie sich einen Lebensraum erobert und verteidigen diesen auch. Überhaupt scheint es keine „normalen“ Tiere mehr zu geben, dafür aber leuchtende Hasen oder süße Wakunks (Waschbär – Skunk, Stinktier), aber auch Hunölfe, mit denen nicht zu spaßen ist.

Am Anfang der Geschichte verbraucht Snowman seine letzten Vorräte. Daher begibt er sich auf die sehr gefahrvolle Reise zum RejoovenEsense-Komplex, wo er Lebensmittel, Sonnencreme und eine Pistole zu finden hofft. Gefahren drohen nicht nur von wilden Tieren, auch das tägliche Unwetter und die erbarmungslos brennende Sonne, vor der keine Ozonschicht mehr ist,  sorgen für Probleme.  Während dieser Handlungsstrang sich weiterentwickelt, wirft Snowman immer wieder Rückblenden ein auf die Zeit „davor“.

So erfährt man, dass Snowman als Jimmy geboren wurde und in einer durchaus privilegierten Lage aufwuchs. Sein Vater war Wissenschaftler und lebte in einem der Komplexe, der die privilegierten Teile der Menschheit beherbergte. Der andere Teil lebte im „Plebsland“, Außenbezirke, die zwar den größten Teil der Menschheit beherbergten, aber sehr geringe Sicherheit versprachen. Alles und jeder war im Plebsland Freiwild.

Diese Welt entstand nach einer Reihe von Klimakatastrophen, aber Jimmy wächst damit auf, er hat nie eine andere Welt kennengelernt, verschlingt jedoch leidenschaftlich alles darüber, wie die „Welt mal war“. Dann wird sein Leben allerdings schwierig: seine Mutter verschwindet. Sie ist eine Aktivistin und protestiert gegen die von Menschenhand gemachten Katastrophen, die all der „Fortschritt“ mit sich gebracht hat. Man kann sich ein neues Gesicht oder einen Satz neuer Organe besorgen, aber einen Apfel vom Baum pflücken und essen, das ist Vergangenheit.

Sie ist also weg, und diese Tatsache macht Jimmy zum Außenseiter. Er ist schüchtern und keins von den hyperehrgeizigen Kindern, die neben ihm im Komplex aufwachsen. Doch eines Tages zieht ein neuer Junge in den Komplex: Glenn. Sie freunden sich an, sollen tatsächlich für den Rest ihres Lebens Freunde bleiben. Sie machen, was Jugendliche ihrer Zeit so tun: Pornos gucken, oder Nackt-Nachrichten, oder Hinrichtungen, oder Pädophilie-Videos. All dies ist nämlich normal in der Welt geworden, alles ist verfügbar, jederzeit, und daher auch nicht mehr so richtig aufregend, so scheinen es die Jungen zumindest zu empfinden.

Eines Tages sehen die beiden einen Kinderporno, in dem ein junges Mädchen zu sehen ist. Jimmy nennt sie Oryx. Beide Jungs bewahren sich ein Bild von ihr auf, Jimmy vergleicht sein Leben lang jede Frau mit ihr. Er weiß allerdings nicht, dass auch Glenn dies so sieht.

Ein sehr beliebtes Spiel vor allem von Glenn ist das Computerspiel „Extinctaton“, in dem es um ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten geht. Glenn ist geradezu besessen von diesem Spiel, bald gehört er zu den Großmeistern. Hier nennt er sich Rednecked Crake, weswegen er für Jimmy immer nur noch Crake sein wird. Im Spiel gibt es eine zweite Ebene, die von einer Gruppe namens MadAddam betrieben wird. Hier erfährt man die Nachrichten, die sonst nirgendwo zu erhalten sind, „zur Sicherheit“, natürlich.

Es stellt sich heraus, dass die Sache mit den genetischen Spielereien nicht immer so gut läuft, dass es doch Viren gibt, die ganze Menschengruppen vernichten, dass es Proteste gibt, die nicht erfolgreich niedergeschlagen werden, dass aber Protestanten sehr oft „Unfälle“ haben. Es scheint, dass MadAddam dies zeigen und bekämpfen will.

Irgendwann gehen die beiden Jungs auf College, Jimmy in eine viertklassige Absteige, an der er „Problematiken“ studiert, was in etwa einem Linguistikstudium gleichkommt. Dies hat im Laufe der Jahre nicht an Prestige gewonnen, und so dient dieses Studium im Grunde nur noch dazu, „Werbemenschen“ hervorzubringen. Crake hingegen geht auf eine Elite-Uni und wird Bioingenieur. Nach seinem Studium arbeitet er als sehr angesehener Wissenschaftler in einem geheimen Labor, einer Einheit namens Paradice. Hier erschafft er die Craker.

Jimmy hangelt sich mehr oder weniger durch sein Studium, und auch sein erster Job ist kein großes Vergnügen. Da meldet sich Crake bei ihm und bietet ihm einen Job bei sich an: Er soll die Vermarktung für die BlyssPluss-Pille übernehmen, die das Leben angeblich verlängert. Das Produkt läuft äußerst erfolgreich… Und dann taucht Oryx  auf, sie arbeitet ebenso für die Abteilung…

Oryx und Crake hat mich sehr beeindruckt. Auch wenn es einigermaßen viel ist, das man verdauen und umsetzen muss, hat die Welt, die Margaret Atwood geschaffen (oder doch nur weitergeführt?!) hat, immer klar vor meinem inneren Auge gestanden. Sie hat mich mit sehr viel Stoff zum Nachdenken versorgt, auch wenn ich eher auf ihrer Seite bin und denke, dass der Fortschritt sich selbst überholt und irgendwann keiner mehr den Überblick behält.

Crake denkt, dass die Tiere und Pflanzen nur eine reelle Chance haben ohne den Menschen, und er ergreift drastische Maßnahmen. Hierbei kann ich seine Gedankengänge nachvollziehen. Was mir aber völlig fern liegt, sind seine Beweggründe für die Kreation von neuen Menschen bzw. genetischen Reduktion von den vorhandenen. Diese Menschen kommen mir wie Puppen vor, und ich würde sie nicht als Menschen bezeichnen. Denn alle Eigenschaften, die Crake herausprogrammiert hat, sind in meinen Augen die, die das Menschsein ausmachen, positiv wie negativ. Wenn man Wissensdurst, Neugierde, aber auch den Selbsterhaltungs- und Sexualtrieb wegprogrammiert, ja, und auch die Aggressionen oder den Religionswahn oder was es sonst noch alles gibt, was bleibt dann übrig vom Menschen? (Wobei er vielleicht beim Religionswahn nicht ganz unrecht hat.)

Es handelt sich um einen Roman, der viele Fragen aufwirft und bei Weitem nicht alle beantwortet, gerade deshalb aber ungemein intensiv ist. Für Dystopieliebhaber ohnehin ein Muss, würde ich den Roman aber auch jedem empfehlen, der nicht nur Kuschelliteratur liest, zum Einen aufgrund seiner Thematik, zum Anderen wegen der wie immer großartigen Sprache Atwoods und der unglaublich klaren Vision, die sie uns von einer möglichen Zukunft vermittelt.

Margaret Atwood: Oryx und Crake. Deutsch von Barbara Lüdemann. Berlin Taschenbuch Verlag, 2003. 381 Seiten.

Eine weitere Besprechung gibt es hier.

Zum zweiten Teil, Das Jahr der Flut.

Werbeanzeigen

Buch #22: David Mitchell – Der Wolkenatlas

Ich sagte es bereits und werde es immer wieder sagen: Ich liebe Dystopien! Und dieses Buch, von dem zumindest ich vorher noch nie etwas gehört habe, entpuppt sich als wahrer Schatz. (Ich glaube, viele von Euch haben es schon gelesen, aber Eure Rezensionen werde ich erst jetzt lesen, da ich unvoreingenommen an das Buch heran gehen wollte.)

Schon allein der Formenreichtum dieses Buches ist bemerkenswert. Es beginnt mit dem Tagebuch eines amerikanischen Notars, der im 19. Jahrhundert den Pazifik bereist. Von dort wird es übergeleitet – wobei übergeleitet schon zuviel gesagt ist, es wird unterbrochen und eine neue Geschichte beginnt – zu den Briefen eines jungen Komponisten an seinen Freund, einen Wissenschaftler.

Dieser Wissenschaftler versucht in der nächsten Geschichte, einer jungen Journalistin seine Dokumente zu übermitteln, die belegen, dass ein Atomkraftwerk nicht sicher ist; und er wird dies mit seinem Leben bezahlen. Ein Verleger wird diesen Fall als Manuskript bei sich haben, wenn er vor Verbrechern flieht und zwangsweise in ein Altersheim eingewiesen wird, aus dem er fliehen will.

Seine Geschichte wird als Verfilmung für die glücklichste Stunde im Leben einer koreanischen Klonin gelten, die modifiziert wurde und nun darum kämpft, „menschlich“ sein zu dürfen. Und zu guter Letzt wird eben diese Klonin als Göttin verehrt, wenn ein junger Ziegenhirt seine Erlebnisse mündlich wiedergibt, zur Zeit des „Falls der Menschheit“.

Tagebuch, Briefroman, Thriller, Komödie, Science-Fiction, Dystopie. Alles in einem Roman und auf grandiose Weise miteinander verknüpft, obwohl schätzungsweise 1000 Jahre Menschheitsgeschichte behandelt werden. Nicht nur haben die Personen alle ein verbindendes Merkmal, ihre Geschichten tauchen zu anderen Zeiten auch immer wieder auf.

Und auch diese Geschichten haben alle ein verknüpfendes Element. Denn sie handeln von Macht. Macht über andere, und der ewigen Gier nach mehr Macht. Die „Weißen“ haben die Macht über die anderen Völker. Ein junger Mann hat Macht über seinen Mäzen, der aber auch Macht über ihn ausübt. Der Energiekonzern hat die Macht, alle, die sich ihm in den Weg stellen, auszuradieren. Die Macht, andere (alte) Menschen gegen ihren Willen in Heimen festzuhalten und zu schikanieren.

Die Macht, Lebewesen zu erschaffen, sie zu versklaven und beliebig zu töten, wenn sie ihren Dienst erfüllt haben. Und schließlich die Macht, sich allein durch numerische Überlegenheit über andere Völker zu erheben und diese zu versklaven. Der Kreis schließt sich.

Aber all die Macht hat einen Preis. In der Zukunft ist jemand damit skrupellos umgegangen und hat die erste Atombombe der Neuzeit gezündet. Städte können nur noch unter Dächern existieren, Menschenkörper verwesen an der Luft und sind geschädigt. Das Leben nimmt eine andere Richtung: es ist kurz und vom Konsum bestimmt, Bildung ist nur noch für Auserwählte zu erhalten. Bis schließlich alles zusammenbricht und nur noch einzelne Stämme auf Inseln überleben. Die Uhr wurde zurückgedreht, es handelt sich wieder um eine Agrargesellschaft, die ihr Leben mit Tauschen bestreitet, und von wilden Stämmen bedroht wird.

Andere Überlebende, die noch Reste von Technologien haben, erscheinen fast als Götter mit ihrem Wissen, und doch können auch diese nichts ausrichten. Die Menschheit ist am Ende.

Nun stellt sich aber die Frage, ob sie das wirklich ist. Es gibt Überlebende, und auch wenn die Schriftkultur nicht mehr existiert, hat doch die mündliche Überlieferung überlebt. Es gibt Menschen, die ihr Wissen an andere weitergeben, die Begriffe von „richtig“ und „falsch“ haben, die warnen und versuchen, ein lebenswertes Leben zu führen. Und dies sollte doch eigentlich ein Indiz dafür sein, dass zwar die Welt der Technologie am Ende ist, des „immer höher, schneller, weiter“, aber dass der Kern der Menschheit doch überlebt. Und wer weiß, alles fängt wahrscheinlich von vorne an. Mit Forschungsreisen, mit Menschen, die sich über andere erheben, die die Macht wieder für sich entdecken und nicht damit umgehen können.

Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt und ist wohl eines jener Werke, die mich so schnell nicht loslassen werden. Es ist eine Reflexion über die Menschheit und was sie bedauerlicherweise zu großen Teilen ausmacht: Macht und wohin zu viel Macht führen kann. Es ist eine Warnung, das Ruder noch rumzureißen, sich nicht dem Konsum hinzugeben sondern sein Gehirn zu pflegen, sein Wissen zu erweitern und sich nicht einlullen zu lassen, stets aufmerksam zu bleiben und dagegen anzukämpfen, einigen wenigen die Entscheidungen zu überlassen. Und es ist auch eine Geschichte über Menschen, die genau das tun, über Mut und den Kampf, das Richtige zu tun.

All dies in einer bemerkenswerten Form. Die Geschichten bauen aufeinander auf und kulminieren in einem mündlichen Bericht, dann geht die Kurve wieder runter mit den Ausgängen der unterbrochenen Geschichten und endet im 19. Jahrhundert. Wobei ich hier eher eine Kurve wählen würde, die nach unten geht, die am tiefsten Punkt endet und dann wieder aufsteigt, zur jüngeren Vergangenheit und der Möglichkeit, noch etwas zu ändern.

Eine Perle ist dieses Buch, ein Roman, der zum Denken anregt und doch nie schwierig wird; die Geschichten sind humorvoll erzählt und es ist ein reines Vergnügen, sie zu lesen. Vielen Dank für die Tipps, dieses Buch zu wählen.

Buch #6: David Foster Wallace – Unendlicher Spaß

I did it! Mehrere Leute haben mir, bevor ich anfing zu lesen, gesagt,  dass ich hierfür zwei Monate brauchen würde. Natürlich habe ich ihnen nicht geglaubt. Gut, ich habe auch nicht immer Lust zu lesen, und ich muss auch was für meinen Unterhalt tun – aber zwei Monate – ich doch nicht. Nun, ich bin eines Besseren belehrt, aber schließlich habe auch ich es geschafft.

Als ich letztens morgens im Bus saß, den Wälzer auspackte und ziemlich weit hinten aufschlug, fragte eine junge Dame mich, ob sie mich etwas fragen dürfe (nebenbei bemerkt: wie ich das hasse, frag halt einfach!). Nun, sie fragte mich also, wie ich denn dieses Buch nur lesen könne. Ich war etwas perplex, und habe wohl auch so geschaut. Sie präzisierte: Wie könne ich denn ein Buch lesen, das so depressiv sei. Ich war weiter zu perplex, etwas Sinnvolles herauszubringen und murmelte etwas von wegen, dass ich es mögen würde und es spannend sei. Dann las ich weiter. Sie aber meinte, quasi abschließend und ihre These untermauernd: Der Autor hat sich auch umgebracht!

Tja, manchmal kontere ich nicht gut genug. Aber hier liegt das Problem etwas tiefer. Es ist einfach nicht möglich, mit einer kurzen Antwort darzustellen, was dieses Buch lesenswert macht.  (Jetzt würde ich ihr aber wohl sagen, wenn sie nichts Depressives oder Deprimierendes lesen mag, sei ihr freigestellt, Rosamunde Pilcher zu frequentieren.)

Also, warum Unendlicher Spaß? Ich habe in einer Bewertung mal gelesen, dass dieses Buch einen verändere. Das kann ich nun nicht von mir behaupten. Aber es macht etwas mit einem. Ich habe gelacht, geweint, mich vor Ekel geschüttelt, die Zigaretten ganz weit weggelegt, bin aufgesprungen, um mir die Zähne zu putzen, nur, um sie danach nochmal zu putzen, ich habe es angewidert weggelegt, aber im Großen und Ganzen bin ich vor allen Dingen eines: überwältigt. Überwältigt von diesem Bombast.

Man mag darüber streiten, ob man etwas über Tennismatches lesen möchte. Oder darüber, wie Drogensüchtige versuchen, clean zu werden. Oder über Filme, die nie gedreht wurden. Oder, oder, oder. Ich bin jetzt zum Beispiel nicht der größte Tennisfan. Aber die Matches werden so beschrieben, dass man den Eindruck hat, man sitze direkt am Court und sehe zu.

David Foster Wallace fordert seine Leser. Er schmeißt mit Fremdwörtern um sich, mit endlosen Beschreibungen, mit Chemikalien und Zusammensetzungen von Drogen, und all dies ist manchmal recht anstrengend. Aber all dies entwickelt auch einen mächtigen Sog. Er beschreibt die Welt, wie sie ist. Bevölkert von Idioten, die sich im Medienkonsum suhlen und das eigenständige Denken aufgegeben haben. Ein paar Idioten möchten die Weltherrschaft. Oder zumindest ihr Land zurück. Und ein paar versuchen einfach, ihre Gedanken und ihren Schmerz zu betäuben in dieser Welt.

Die Charaktere sind eigentlich alle kaputt. Keine hübschen Menschen (bis auf die, die so schön ist, dass man sie kaum ansehen kann), alle haben gravierende „Mängel“, und alle versuchen auf ihre Weise, diese Mängel so auszugleichen, dass ein einigermaßen lebenswertes Leben dabei herauskommt. Leider scheinen aber alle dabei zu scheitern. Wie im wirklichen Leben, und das ist vielleicht das, was die junge Dame angekreidet hat – das Leben ist kein Ponyhof, und meistens sind alle Bemühungen umsonst, es ist deprimierend, und eigentlich fragt man sich, was das alles soll. Und warum man sich noch in den Kopf eines Menschen begeben soll, der sich über seiner Verzweiflung umgebracht hat.

Warum ich das Buch trotzdem dringend empfehlen und allen ans Herz legen möchte: Das Leben ist kein Ponyhof, und es gibt noch andere, die Probleme damit haben. Man steht nicht allein mit seiner Verzweiflung und seinen fruchtlosen Bemühungen. Das ändert nichts, es macht nichts besser, aber ein klein wenig tröstet es.

Ansonsten kann man sich noch an der Sprachmächtigkeit erfreuen, an dieser schier unglaublichen Welt, die David Foster Wallace erschaffen hat und den Handlungssträngen, die wie ein Räderwerk ineinander greifen. Auch wenn am Ende nichts aufgelöst ist und tausend Fragen bleiben. Wie im richtigen Leben.