Buch #65: Charlotte Brontë – Jane Eyre

Meine lieben Leser,

ich verbrachte die letzten Wochen damit, der Geschichte eines jungen Mädchens bzw. einer jungen Frau zu folgen. Es handelt sich um die Autobiographie einer gewissen Jane Eyre, in der sie von ihrer Kindheit, Jugend und Zeit als junge Frau erzählt. Sie lebte in England, im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der Waisenkinder nicht viel Hoffnung auf eine gute Zukunft haben konnten, und in der die Konventionen so viel bedeuteten.jane-eyre

Ein Waisenkind, ja, Jane Eyre ist ein Waisenkind. Nach dem Tod ihrer Eltern wurde sie ins Haus ihres Onkels geholt, der ihr sehr zugetan war. Aber nach dessen Tod wandte sich ihr Leben in eine üble Richtung. Sie wurde nur als lästiges Übel betrachtet, ihr Cousin und ihre Cousinen, ebenso wie ihre Tante, machten sie für alles verantwortlich, und der einzige Trost waren ihr die Bücher.

Eines Tages eskaliert die Situation, und Jane wird fortgeschickt, auf ein Internat, auf dem sie letztlich zur Gouvernante ausgebildet werden soll. Voller Hoffnung macht Jane sich auf den Weg, schlimmer als bei der Tante kann es ja wohl nicht werden… aber weh, das Internat ist ein kaltes Haus, geleitet von einem religiös obsessiven Mann, der nichts von warmer Kleidung und genug Nahrung hält.

Aber Jane gewinnt Freunde, und ihr Schicksal wendet sich ein wenig. Als sie alt genug ist, nimmt sie eine Stelle an: Sie wird Gouvernante im Hause von Mister Rochester, einem Adligen, dem das Leben bisher auch nicht die Sonnenseiten gezeigt hat. Sie verlieben sich ineinander… doch diese Liebe steht unter keinem guten Stern. Es wird noch ein weiter Weg sein für Jane, und ob er sie jemals zu ihrem geliebten Mister Rochester führen wird, das sollte der Leser selbst herausfinden, und mit ihr gemeinsam die vielen Hindernisse angehen.

 

Als ich nach meiner Lektüre von Sturmhöhe die Diskussion verfolgte, die sich darum entspann, ob man lieber eben Sturmhöhe oder Jane Eyre mag, war ich schon sehr gespannt auf diese Lektüre. Und ich muss sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde, auch wenn Jane Eyre doch um einiges umfangreicher ist.

Charlotte Brontë erzählt die Geschichte Janes aus deren Sicht, in Form einer Autobiographie. Sie reicht von Janes Kindheit bis zu ungefähr ihrem dreißigsten Lebensjahr, und erzählt ausführlich, was ihr alles widerfahren ist. Erwartet man aufgrund der Zeit, zu der der Roman verfasst wurde und in der er spielt, eine unbedarfte, naive, hilfsbedürftige, junge Frau in Jane Eyre, wird man schnell eines besseren belehrt. Keineswegs entspricht sie diesem Bild – sie geht erhobenen Hauptes durchs Leben und kämpft für ihr Recht. Und hat ihre ganz eigenen Gedanken und eine starke Meinung – Dinge, die von einer jungen Frau ihrer Zeit eher nicht erwartet wurden.

Sie setzt sich auch mit vielen Dingen auseinander, wichtig sind hier z.B. Klasse und soziale Stellung, exemplarisch an Jane, die der Unterschicht angehört, und Mister Rochester, einem Adligen. Wichtig ist auch die Religion, der Jane an mehreren Stellen begegnet und die sie immer wieder versucht, für sich zu vereinnahmen – auch hier kein einfacher Kampf für Jane. Aber am Wichtigsten ist doch die Selbstbestimmtheit, über die sie verfügt. Sie ist ein durchaus realistischer Mensch, nicht schön, nicht reizend und attraktiv, sondern dünn, unscheinbar, mit streng gescheiteltem Haar und anspruchslosen, aber ordentlichen Kleidern. Ihr Reiz beginnt, sobald sie den Mund aufmacht – Jane weiß, was sie kann, und ist oft ehrlich bis an die Schmerzgrenze, jedoch bringt ihr das den Respekt, den sie braucht, und ein Ansehen, das ihr Mut macht.

Ich kann mir vorstellen, dass das Buch bei Erscheinen ein kleiner Skandal war, das Porträt einer so selbstbewussten jungen Frau konnte nicht nach jedermanns Geschmack sein. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Jane Eyre nun schon für viele Generationen von Frauen ein Vorbild war, dafür, was möglich ist, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt und selbstbewusst ist.

In diesem Sinne stimme ich den meisten der Diskutanten darin zu, dass ich Jane Eyre der Sturmhöhe vorziehe, und rate denjenigen, die wie ich nicht vorher das Vergnügen hatten, unbedingt der Lektüre zu.

Charlotte Brontë: Jane Eyre. Aus dem Englischen neu übersetzt von Gottfried Röckelein. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1998. OA: Jane Eyre. An Autobiography. London 1847.654 Seiten.

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Bild: en.wikipedia.org

Charlotte Brontë wurde am 21. April 1816 in Thornton, Yorkshire, geboren. Sie begann schon im Kindesalter zu schreiben, ebenso wie ihre Geschwister Patrick, Emily Jane und Anne. Charlotte veröffentlichte hauptsächlich unter männlichen Pseudonymen, so erschien Jane Eyre unter dem Namen Currer Bell. Sie war selbst Lehrerin und Gouvernante, wollte eine Schule leiten, was mangels Schülern nicht umgesetzt wurde.1847 gelang ihr der literarische Durchbruch mit Jane Eyre. Nachdem sie zugab, den Roman verfasst zu haben, wurde sie in die literarischen Kreise in London eingeführt. 1854 heiratete sie Arthur Bell Nichols. Am Karsamstag, dem 31. März 1855, starb sie, vermutlich an Schwindsucht, in Haworth, Yorkshire. Ihr Fragment gebliebener Roman Emma erschien postum

Buch #61: Emily Brontë – Sturmhöhe

„1801. Ich bin gerade von einem Besuch bei meinem Gutsherrn zurückgekehrt – diesem einsamen Nachbarn, der mir zu schaffen machen wird.“ (7)

So beginnt Sturmhöhe, wahrscheinlich besser bekannt unter dem Originaltitel Wuthering Heights. Der Besucher ist Mr. Lockwood, der das Gut Thrushcross Grange von Heathcliff gepachtet hat, dem er gerade seinen Anstandsbesuch gemacht hat. Er ist entsetzt über das schroffe Wesen seines Verpächters und über die lieblose und angstvolle Atmosphäre in dessen Haus, Wuthering Heights.

Dennoch kann er es sich nicht verweigern, einen erneuten Besuch zu machen, der allerdings noch weniger Erfolg hat und ihm eine schwere Erkältung einbringt, die ihn wochenlang das Bett hüten lässt. Seine Haushälterin, Miss Ellen Dean, leistet ihm Gesellschaft, und von ihr erfährt er die Geschichte der Bewohner von Wuthering Heights.

Heathcliff ist ein Findelkind mit – wahrscheinlich – indischem Aussehen, niemand kennt seinen Namen oder seine Herkunft. Eines Tages bringt Mr. Earnshaw, Besitzer von Wuthering Heights, ihn von einer Reise mit und zieht ihn zusammen mit seinen Kindern, Hindley und Catherine, auf. Mr. Earnshaw hat eine Schwäche für Heathcliff, ebenso wie Catherine, was Hindley von Anfang an gegen ihn aufbringt. Nach Earnshaws Tod lässt Hindley Heathcliff seine Abneigung spüren, er entzieht ihm Erziehung und Bildung, was zum Resultat hat, dass Heathcliff ein wildes Kind wird. Trotzdem hängt Catherine mit einer zärtlichen Liebe an ihm, ist ihm immer Wegbegleiter und Kamerad bei seinen Streichen.

Ellen Dean, die als Kinderfrau für alle fungiert, macht sich Sorgen um Catherines Entwicklung, auch ist ihr nicht wohl wegen Heathcliffs Verwahrlosung, doch sie kann keinen Einfluss nehmen. Eines Tages spielen Catherine und Heathcliff ihren Nachbarn, den Lintons, einen Streich, infolgedessen Catherine sich erkältet und mehrere Wochen bei den Lintons verbringt. Sie kommt zu Wuthering Heights als eine kleine Dame zurück, mit ordentlichen Manieren und ordentlichen Kleidern, ein wenig verliebt in den Sohn der Lintons, Edgar.

Heathcliff kann Catherines Verwandlung nicht verstehen, er verzweifelt fast und versucht alles, sie für sich zurückzugewinnen. Aber Edgar Linton macht ihr den Hof, und als sie eines Tages mit Ellen darüber spricht, dass Heathcliff nicht standesgemäß für sie sei, da er keine Manieren, keine Bildung und ihr nichts zu bieten habe, hört Heathcliff das und verschwindet für mehrere Jahre. Catherine heiratet Linton, und alles scheint sich in Wohlgefallen aufzulösen, bis Heathcliff zurückkommt und eine wilde Geschichte von Zurückweisung, Verletzung und vor allem Rache sich entspinnt…

Nach dem Reinfall mit Sinn und Sinnlichkeit von Jane Austen, die oft in einem Atemzug mit Emily Brontë genannt wird, habe ich diesen Roman lange Zeit vor mir hergeschoben. Nun fiel er mir wieder in die Hände und ich muss sagen, ich habe den Versuch nicht bereut. Sturmhöhe ist eine starke Geschichte über, wie ich es empfunden habe, Ungerechtigkeit. Allen handelnden Personen widerfährt ein großes Unrecht, und wie in einer tödlichen Spirale ruft widerfahrenes Unrecht Rache und somit erneutes Unrecht hervor.

Das Bizarre ist, dass der Ausgangspunkt eine menschenfreundliche Tat war, als Mr. Earnshaw Heathcliff mit- und bei sich aufnahm. Aber sofort schlägt die menschliche Natur zu, im Neid Hindleys, der alles daran setzt, Heathcliff zu zerstören. Dann sind da noch die Standesgrenzen und die guten Gepflogenheiten, die nicht überwunden werden können, und Hindley stößt Heathcliff immer tiefer in den Dreck. Aber Heathcliff kehrt zurück wie ein Phoenix aus der Asche, und er nimmt seine Rache.

Sturmhöhe wurde nach seinem Erscheinen nicht sehr positiv vom Publikum aufgenommen. Die Kritikpunkte waren, dass man sich mit keiner Figur identifieren könne, die Handlung sei zu verschachtelt, die Sprache zu gestelzt. Die Gegenposition hob gerade die Beschreibung des Bösen und die Komposition mit seiner authentischen Sprache hervor.¹ Bis heute ist es wohl so, dass der Roman polarisiert.

Und auch ich fühlte mich hin- und hergerissen. Der Klappentext meiner Aussage spricht von dem „unvergleichlichen Frauenroman einer leidenschaftlichen Liebe und unversöhnlichen Rache“. Das hat mich zuerst aufgebracht, aber im Verlauf der Lektüre musste ich zugeben, dass etwas dran ist. Sturmhöhe zu lesen war ein wenig wie ein Bericht der Klatschpresse, was wohl nicht zuletzt an der Erzählerperspektive liegt, aber so, wie die Erzählung bei mir ankam, hatte ich manchmal das Gefühl, eines dieser Frauenblättchen zu lesen. Die Komposition hat mich jedoch beeindruckt, und die Naturbeschreibungen wie die Beschreibungen der niederen Orte der menschlichen Seele haben mich vom Roman überzeugt.

Mich hat jedoch hauptsächlich die Sprache mitgerissen, jede Figur hat ihre eigene Sprechweise, was auch in der Übersetzung sehr deutlich hervorkommt. Der Unterschied zwischen schönem Oxford-English und dem der Arbeiter dürfte aber wohl im Original noch gravierender sein. Nichts desto trotz wundert es mich nicht, dass der Roman so lange überlebt hat, bietet er doch alles, was Unterhaltung ausmacht: Liebe, Drama, Bösewichte, Klatsch und Tratsch. Eine Soap-Opera des 19. Jahrhunderts, würde ich fast sagen, und möchte hiermit nicht herabsetzend klingen, denn die Geschichte ist nun einmal sehr unterhaltend und mitreißend geschrieben.

Literaturwissenschaftler können wohl auch einen Wust an Motiven behandeln, weswegen es in der Anglistik immer noch auf den to-read-Listen steht. Und im Gegensatz zu Sense und Sensibility wird man hier bestens unterhalten. Also, alle mal heranwagen.

¹Information aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmh%C3%B6he

Emily Brontë: Sturmhöhe. Aus dem Englischen von Grete Rambach. Insel Verlag, 1994. OA: Wuthering Heights. Erstdruck: Tomas Cautley Newby Publisher, London 1847. 363 Seiten.

Bild: wikipedia.deEmily Brontë wurde am 30. Juli 1818 in Thornton in Yorkshire geboren. Wuthering Heights (Sturmhöhe) ist ihr einziger Roman, den sie unter dem Namen Ellis Bell veröffentlichte. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Gedichte. Sie ist die jüngere Schwester von Charlotte Brontë und die ältere Schwester von Anne. Die drei Schwestern veröffentlichten alle unter männlichen Pseudonymen. Emily starb am 19. Dezember 1848 in Haworth, Yorkshire, vermutlich an Tuberkulose oder einer Lungenentzündung.

 

Buch #40: Arthur Conan Doyle – Die Abenteuer des Sherlock Holmes

Wenn man heutzutage nach einfacher Zerstreuung sucht, drückt man den Knopf eines Gerätes – der Fernseher, der PC, der Laptop, das Tablet oder auch das Handy geben einem unzählige Möglichkeiten. Nun bin ich zwar kein großer Fan all dieser Dinge, aber immer zu haben für eine gute TV-Serie. Diese findet man am Häufigsten in den USA, aber wer meiner Meinung nach immer wieder eine neue Meßlatte hervorbringt, ist die BBC. Und so konnte ich nicht glücklicher sein, als vor einiger Zeit meine Lieblingsserie entstanden ist: Sherlock. Ein brillanter Benedict Cumberbatch verkörpert auf geniale Weise einen Sherlock Holmes in der heutigen Zeit, unterstützt von einem auf seine Weise nicht minder guten Martin Freeman als Dr. Watson.

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Zu der Zeit, als Arthur Conan Doyle seine erste Sherlock-Holmes-Geschichte veröffentlichte, A Study in Scarlet 1887, war an diese Möglichkeiten natürlich nicht zu denken. Aber dennoch kann ich mir vorstellen, dass seine Geschichten einen ähnlichen Effekt auf die Leute hatten. Er erschuf eine Serie, in deren Mittelpunkt ein brillanter Detektiv steht, und mit jeder neuen Geschichte gab es eine Fortsetzung. Also nahm, so wie man heute den Fernseher anstellt, das Buch zur Hand und „guckte“ Folge für Folge.

Nun kennt man Arthur Conan Doyle heute hauptsächlich eben für diese Geschichten; was aber nicht so viele Menschen wissen, ist, dass er hauptberuflich Arzt war. Eben diese Tatsache versetzte ihn in die Lage, eine vollkommen neue Art von Held zu erschaffen. Dieser Held lebt von seiner Beobachtungsgabe. Er bemerkt die kleinsten, vermeintlich unerheblichsten Dinge, und seine brillante Kombinationsgabe lässt ihn seine Fälle fast lösen, indem er in seinem Sessel sitzt und nachdenkt.

Er ist kein strahlender Held, und wahrscheinlich ist es furchtbar anstrengend, mit ihm zurechtzukommen. Seiner Brillanz auf der einen Seite steht sein Unvermögen im einfühlsamen Umgang mit seinen Klienten und nicht zuletzt seinem Freund, Dr. Watson, gegenüber. Auch wenn dies in der Fernsehserie viel deutlicher gemacht ist, kann man es auch in den Geschichten finden. Er ist ein Einzelgänger, und es liegt in der Natur der Sache, dass er sich oft genug keine Freunde macht, wenn er einmal in einem Fall gefangen ist.

Dennoch kann Sherlock Holmes seine wichtigen Fälle nicht alleine bestehen. Er braucht seinen Gegenpart – Dr. Watson -, der ihm zuhört, dem er seine Gedankengänge logisch erklären muss und der ihm Fragen stellt – all dies gehört zum Prozess des Lösungfindens. Dr. Watson erzählt Sherlocks Fälle aus seiner Sicht, er schreibt seine Erlebnisse nieder und lässt die Leser so teilhaben am Geheimnis und der stufenweisen Auflösung. Man ist genauso im Dunkeln wie Watson und bekommt ein Indiz nach dem anderen geliefert. Beste Unterhaltung des Abends am Kaminfeuer, wenn man sich zurücklehnt und als Hobbydetektiv versucht.

Und so bin ich in letzter Zeit zusammen mit Dr. Watson hinter Sherlock Holmes hergelaufen, habe mit ihm diskutiert, habe Fragen gestellt und gerätselt – und mich dabei bestens unterhalten. Die Abenteuer des Sherlock Holmes beinhalten zwölf Geschichten, die alle äußerst merkwürdige Fälle behandeln. Allen, die seine Geschichten noch nicht kennen, möchte ich empfehlen, den Fernseher ausgeschaltet zu lassen und das Buch in die Hand zu nehmen, sich zurückzulehnen und mitzurätseln.

Es ist immer spannend, manchmal lustig, und einmal wird sogar Sherlock Holmes ausgetrickst – von einer Frau! Wer Sherlock kennengelernt hat, weiß, was das für ihn bedeuten muss. Aber er kann auch nachsichtig und feinfühlig sein, was zwar selten vorkommt, und einen dann doch überrascht. So sind diese Geschichten – auch wenn man schon ein paar hinter sich hat, kommt man ihnen nicht so leicht auf die Schliche. Und so hat man mit jeder Neuen seine eigene neue Herausforderung.

Arthur Conan Doyle wäre vielleicht nicht so glücklich über das Bild, das wir heute von ihm haben. Sein Sherlock Holmes wurde so populär, dass er ihn schließlich umbrachte, um die Möglichkeit zu haben, auch andere Dinge zu schreiben und dafür beachtet zu werden. Heute ist er Teil der Popkultur, es gibt immer wieder neue Kinofilme und eben die unvergleichliche Fernsehserie.

Dieses Mal spreche ich eine doppelte Empfehlung aus: lasst Euch von den Fällen mitreißen, nehmt das Buch zur Hand und genießt das Rätseln! Und dann schaut Euch diese Serie an, wenn möglich, im Original. Daran könnt Ihr sehen, wie zeitlos dieser Held ist, und dass er uns wohl noch eine ganze Zeit lang begleiten wird.

P.S.: Auch wenn Dr. Watson Sherlock Holmes für tot erklärt, ist dieser Mensch so gerissen, dass man sich da nicht sicher sein kann… alle, die die Serie gesehen haben, wissen: im September gibt es neue Folgen!

P.P.S.: Die Geschichten funktionieren nicht nur am Kamin, ich denke, sie sind auch am Strand eine hervorragende Ergänzung.

Arthur Conan Doyle: The Adventures of Sherlock Holmes. Published in Penguin Popular Classics 1994

Buch #28: Jane Austen – Sinn und Sinnlichkeit

Sinn und Sinnlichkeit ist Jane Austens erster Roman, nachdem sie in ihrer Jugendzeit hauptsächlich Kurzprosa und Theaterstücke geschrieben hatte. Es wurde unter dem Pseudonym by a lady veröffentlicht, was schon mitten in ihre Zeit eintauchen lässt. Ende des 18. Jahrhunderts waren Frauen kaum gebildet und hatten kaum Möglichkeiten, auf eigenen Beinen zu stehen. Jane Austen ist hier eine Ausnahme, sie wuchs in einem gebildeten Haushalt auf und hatte für eine Frau ein großes Allgemeinwissen.

Das Buch hat sie zuerst unter dem Titel Elinor and Marianne geschrieben, und diese beiden Schwestern sind denn auch die Hauptpersonen. Elinor und Marianne haben noch eine kleinere Schwester, Margaret, und einen großen Bruder, John, der schon verheiratet ist. Als ihr Vater stirbt, nimmt er John das Versprechen ab, für seine Schwestern zu sorgen, was aber von seiner habgierigen Frau unterbunden wird.

Mehr oder weniger mittellos bekommen sie das Angebot eines Verwandten, auf seinem Anwesen zu leben, und dort ziehen sie dann hin. Sie werden freundlich aufgenommen und finden bald neue Freunde. Elinor ist allerdings traurig, da sie Edward zurücklassen musste, in den sie verliebt ist. Bei einem kleinen Unfall lernt Marianne Willoughby kennen, einen charmanten Nichtsnutz, dem sie mit Haut und Haaren verfällt. Als dieser von seiner Gönnerin weggerufen wird, bricht eine kleine Welt für sie zusammen, aber sie hofft auf ein gutes Ende.

Doch dazu kommt es nicht, denn Willoughby heiratet eine andere Frau, die viel Geld hat. Marianne bricht vollkommen zusammen, kann den Verlust kaum verkraften, und das einzige, was ihr über diese Zeit hinweghilft, ist die Fürsorge und Liebe ihrer Schwester Elinor.

Diese verbirgt ihren eigenen Liebeskummer genauso konsequent wie Marianne ihn auslebt. Die beiden Schwestern könnten gegensätzlicher nicht sein, und doch sind sie sich sehr ähnlich in ihren Wertschätzungen und ihrer Loyalität.

Wie es ausgeht, verrate ich an dieser Stelle nicht, aber jeder, der schon einmal ein Buch von Jane Austen oder eine dieser tollen BBC-Verfilmungen gesehen hat, wird wohl ahnen können, worauf es hinausläuft…

Und das war mein großes Problem mit diesem Roman. Ich bin wohl die unromantischste Person, die es gibt. Und – ich weiß, es wird einen Sturm der Entrüstung geben – ich habe mich zu Tode gelangweilt. Kriegt sie ihn oder kriegt sie ihn nicht?! Das ist so gar nicht mein Metier, und die Geschichte hätte es auch als Kurzgeschichte getan.

Natürlich kann ich nicht umhin, auf die Gesellschaftskritik einzugehen, die mir dann auch das einzig Lesenswerte an diesem Roman zu sein scheint. Frauen, kaum gebildet, aber möglichst hübsch anzusehen, warten im Grunde darauf, dass irgendein Herr um ihre Hand anhält. Geld spielt natürlich eine Rolle, und wenn die Frau mittellos ist, hat sie äußerst schlechte Chancen. So wird sie schon in eine Rolle hineingeboren, aus der manchmal nur Glück eine andere machen kann.

Die einzigen Frauen, die ihr Leben so leben, wie sie es gerne wollen, sind die Witwen, die von ihrem Mann Geld geerbt haben. Diese haben eine gewisse Freiheit. Und ansonsten bleibt größtenteils nur das Hoffen. Hoffen auf eine gute Partie. Und somit bin ich froh, in der heutigen Welt zu leben. Und ich bin froh, das Buch beendet zu haben, obwohl es mir schon vor den nächsten Romanen von ihr graust.