Nederlandstalig! Leon de Winter – Geronimo

flagge„Kill or capture“ ist der Auftrag des ST6, des Seals Team Six, in Bezug auf UBL, wie Usama Bin Laden von ihnen genannt wird. Gemeint ist hier aber kill, capture steht außer Frage.

Was soll auch mit diesem Menschen geschehen, der für soviel Unheil gesorgt hat? Soll er an Ground Zero vor Gericht gestellt werden? Soll er in einem Käfig ausgestellt werden, als lebendiger Teufel? Was soll man mit ihm tun? Das fragt sich auch ST6, die sich dennoch wundern: Warum sollte man alles Wissen, das sich in UBLs Gehirn befindet, einfach aufgeben? Warum nicht capture?

Was ST6 nicht weiß, ist, dass UBL belastendes Material gegen Barack Obama hat. Das nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken darf. Und aus diesem Unwissen heraus schmieden die Seals einen anderen Plan: capture.

Bild: diogenes.chBei diesem Pläneschmieden ist auch Tom Johnson anwesend, der lange bei der Special Operations Group der CIA tätig war, bevor er schwer verwundet wurde. Große Teile des Romans werden aus seiner Perspektive erzählt, denn Tom ist ein Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Hier nimmt er an diesem Gespräch teil. Vor seiner Verwundung in Afghanistan lernte er Apata kennen, ein junges afghanisches Mädchen, das zu einem Tochterersatz für ihn wurde, da er seine Tochter verloren hat. Und auf der Suche nach ihr begegnet er Jabbar.

Er führt Apata in die Welt der Musik ein, genauer in die Welt Bachs. Es entwickelt sich eine Beziehung zwischen ihnen, deren Grundlage die Liebe zur Musik ist. Diese Liebe wird jedoch Apatas Untergang: Es ist verboten, vor allem für ein Mädchen, solche Musik zu hören. Die Taliban üben die volle Macht ihrer Gesetze an ihr aus.

Als Bettlerin, die sie nun ist, berührt sie andere Leben. Unter anderem das von Jabbar und seiner Mutter, die sich ihrer annehmen. Und das von UBL. Dieser hockt nämlich nicht ausschließlich in seinem Bunker von einem Haus, sondern begibt sich auf nächtliche Streiffahrten, verkleidet, unerkannt. Er wird zum Menschen, der seine Frauen liebt, der Eis für sie kauft, und der, als er bemerkt, dass Apata ihn erkannt hat, doch eine menschliche Seite zeigt…

„Geronimo“ ist das Codewort der Navy Seals, das besagen sollte, dass sie Bin Laden gefunden haben. Jeder kennt das Bild, auf dem Obama und Clinton zu sehen sind, als die Operation durchgeführt wurde, das, auf dem Hillary die Hand vor dem Mund hält, schockiert. Bin Laden ist tot, das verkündete Obama später in seiner Rede. De Winter fügt nun den Verschwörungstheorien, die sich um diesen Tag ranken, eine weitere hinzu: Was, wenn UBL nicht tot ist? Was, wenn er gefangen wurde?

Von diesem Ausgangspunkt aus entwickelt er eine Geschichte, die sich wie ein Thriller liest; man kann den Roman kaum aus der Hand legen. Die Geschichte wird kapitelweise zu den Personen erzählt, immer ein Stückchen mehr, und nach und nach ergeben sich die verschiedenen Verbindungen. Die handelnden Personen sind alle in eine große Verschwörung verwickelt, und diese Verwicklungen verlangen einen hohen Preis.

Die Erzählperspektive ist mir nicht immer klar gewesen, erzählt Tom nun die Geschichte, und wenn ja, woher hat er die Möglichkeit, als allwissender Erzähler aufzutreten? Oder erzählt er nur Teile, und die anderen Teile erzählt – wer? Davon abgesehen hat De Winter wieder tief in die Trickkiste gegriffen: Ein was-wäre-wenn-Szenario, das spannender nicht sein könnte. Dieses Buch gleicht einer rasanten Achterbahnfahrt, die Höhen der rasanten Erzählung wechseln sich mit zutiefst menschlichen Schicksalen ab, um dann wieder zum nächsten Höhepunkt hinaufzuklettern.

Man legt den Roman überwältigt aus der Hand, überwältigt von diesem Szenario, das so gekonnt erzählt ist, dass es einem durchaus möglich erscheint. Überwältigt aber auch von den Schicksalen der Menschen, die in diese Geschichte hineingezogen werden. Und davon, wie sehr dieser irre Krieg und die Terroranschläge überall in Leben eingreifen, sie zerstören, Hass schüren. Und manchmal auch Hoffnung bringen. Hoffnung auf ungewöhnliche Freundschaften, ein besseres Leben, auf Verständnis des anderen.

Leon de Winter: Geronimo. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Diogenes Verlag, Zürich 2016. OA: Geronimo. De Bezige Bij, Amsterdam 2015.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mehr zu Leon de Winter und weitere Romane gibt es hier.

Nederlandstalig! Niña Weijers – Die Konsequenzen

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„Schreibt man über diesen Roman, klingt es nach Schwerarbeit. Liest man ihn, ist es ganz leicht. Also lesen Sie.“

Diese Worte von Cees Nooteboom sind absolut gerechtfertigt. Es ist nicht leicht, darüber zu schreiben. Dieser Roman über Minnie Panis, Ende zwanzig, Künstlerin, hat so viele Facetten und Wendungen, dass ein Bericht über ihn immer unzureichend wäre.

Minnie Panis ist Künstlerin, „weil man sie als solche bezeichnet“. Sie ist Ende zwanzig und hat schon mehrere erfolgreiche Projekte hinter sich. Diese drehen sich zumeist darum, wie ihr Leben mit der Kunst verschmilzt. Ihre Kunstwerke schocken die Leute, und jeder kann etwas von sich darin sehen. Denn sie sind so persönlich, wie sie nur sein können; Minnie Panis stellt sich selbst in ihren Mittelpunkt und geht an ihre äußersten Grenzen dafür.

Bild: suhrkamp.de

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Und diese erreicht sie auch. Oft ist sie kurz davor, in ihrer Kunst zu verschwinden. Manchmal ist sie selber die Kunst. Ständig reflektiert sie darüber und lässt den Leser daran teilhaben. So wird auch er in ihre Kunst hineingezogen, kann sich ihr nicht entziehen, will das gar nicht.

Nun steht sie vor einem neuen Projekt. Sie will sich heimlich überwachen lassen, weiß aber nicht, ob und wann das wirklich geschieht, und achtet demnach immer darauf. Die Frage entsteht, wer wen überwacht. Und so zieht sich der Bogen zu einem der aktuellsten Themen unserer Zeit: die heimliche und ständige Überwachung, die Aufzeichnung unser aller Leben, die da ist und auch nicht, die man nicht unmittelbar spürt oder sieht.

In diese Geschichte hineingeflochten ist Minnies Lebenslauf. Sie kam viel zu früh auf die Welt und wurde sofort mit der ständigen Überwachung konfrontiert. Da sie ein zartes und auch merkwürdiges Kind war, änderte sich daran nie etwas – immer war sie „überwacht“.

Nun steht sie also vor diesem großen Projekt, und sie bekommt einen Brief – gerade, als etwas Einschneidendes in ihrem Leben passiert, das dieses für immer verändern soll…

Dieser kurze Überblick wird dem Roman in keiner Weise gerecht. Er handelt grob von der Story, aber er beschreibt nicht, wie intensiv sich Minnie mit ihrem Leben und seiner Zurschaustellung auseinandersetzt. Oder ihre Gedanken darüber, ob Leben und Kunst verschmelzen können, oder ob das Leben nicht im Grunde ein einziger Performanceact ist. Oder die vielen Denkanstöße, die sie gibt.

Ganz zu schweigen davon, dass der Roman in eine Welt einführt, die zumindest dieser Leserin unbekannt ist: Die Kunstwelt, mit ihren skurrilen Charakteren und Ritualen, mit ihrer Suche nach etwas, man möchte es etwas „Echtes“ nennen, und ob dies dann Kunst sein kann. Dann führt er auch in eine andere Richtung, mit der ich nicht so viel anfangen kann, aber an die viele Menschen glauben, und der Leser kann für sich selbst entscheiden, ob er das annehmen möchte oder nicht.

Wie man meiner Leseliste entnehmen kann, bin ich nicht der größte Fan neuer Literatur, ich stehe ihr eher skeptisch gegenüber. Doch dieser Roman hat mich tief beeindruckt hinterlassen, und deswegen möchte ich gerne die Worte Cees Nootebooms aufgreifen: Also lesen Sie.

Lesen Sie diesen Roman und lassen Sie sich von dieser jungen Protagonistin und ihrer Geschichte überzeugen. Ich bin sicher, ich bin nicht die Einzige, die sehr glücklich ist, sie kennengelernt zu haben. Genießen Sie die Intensität, mit der Niña Weijers zu schreiben weiß, wie sie Ereignisse und vor allem Begegnungen zu beschreiben weiß, so dass man sich zum Beispiel dabei erwischt, Marina Abramović in die Augen zu schauen und an einem Kunstprojekt teilzunehmen.

Niña Weijers: Die Konsquenzen. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Suhrkamp Verlag Berlin 2016. OA: De consequenties. Uitgeverij Atlas Contact, Amsterdam 2014. 359 Seiten.

Ich danke dem Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar. Ein Video mit der Autorin Lesungstermine findet man auf der Verlagsseite.

Niña Weijers wurde 1987 in Nijmegen geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften in Amsterdam und Dublin. Sie

Bild: suhrkamp.de

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gewann 2010 den Schreibwettbewerb Write Now! Ihr Debütroman De consequenties gewann mehrere Literaturpreise, 2015 stand er auf der Shortlist für den Libris-Literaturpreis. Niña Weijers schreibt Kolumnen und rezensiert Bücher für De Groene Amsterdammer, bei De Gids arbeitet sie als Redakteurin.

 

Nederlandstalig! Tessa de Loo – Die Zwillinge

22052016155[1]Lotte bekommt von ihren Kindern einen Aufenthalt in Spa geschenkt, um ihre Arthrose zu lindern. Dort trifft sie unverhofft auf Anna – ihre Zwillingsschwester, die sie fast ein Leben lang nicht mehr gesehen hat. Anna ist glücklich, sie zu sehen, Lotte jedoch sträubt sich, die Vergangenheit heraufzubeschwören. Doch Anna bleibt konsequent, und unerbittlich entrollen sich zwei Lebensläufe, die vom gleichen Ursprung aus zwei vollkommen verschiedene Richtungen nehmen, einer in Deutschland, einer in den Niederlanden, einer unter den Nazis, einer im Widerstand, einer mit vielen Wunden, einer mit vielen Wunden.

Nachdem Annas und Lottes Vater verstorben ist, die Mutter war schon länger tot, werden die beiden Mädchen getrennt bei Verwandten untergebracht. Anna kommt in ein kleines katholisches Dorf zum Bruder ihres Vaters, Onkel Heinrich, der einen kleinen Bauernhof hat und froh ist, die Hilfe zu bekommen. Lotte, die wie ihr Vater unter Tuberkolose leidet, wird zu holländischen Verwandten gebracht, die sie pflegen können. Die Mädchen warten auf ein Wiedersehen, doch ihre Leben schieben sich vor ihre immer verschwommener werdenden Erinnerungen.

Anna, ein kluges und aufgewecktes Kind, bekommt keine Schulbildung, sie soll von früh bis spät auf dem Hof schuften. Unter der neuen Frau Onkel Heinrichs wird es richtig schlimm, so schlimm, dass irgendwann der Dorfpfarrer einschreitet und sie mitnimmt. Von hier an entspinnt sich ein Lebenslauf, der sie durch ganz Deutschland und nach Österreich führt, immer unter dem Eindruck vom Krieg und den Nazis, wovon sie im Grunde nichts versteht und immer versucht zu helfen.

Lotte hingegen wächst bei Sozialisten auf, und nach dem Überwinden ihrer Krankheit hat sie ein recht normales Leben, zwar mit einem sehr exzentrischen Vater, aber auch einer liebevollen Familie. Ihr Vater, Musikliebhaber, lässt alle möglichen Menschen, die seine Leidenschaft teilen, in ihrem Haus ein- und ausgehen, und so wächst Lotte unter Menschen auf, die etwas gemeinsam haben, das nichts mit Rasse oder Vorurteilen zu tun hat. Bis auch in den Niederlanden der Krieg ankommt und Leute anfangen zu verschwinden, und man sich für eine Seite entscheiden muss.

Vor der Kulisse Spas erzählen sich die Schwestern ihre Lebensläufe, Anna versucht, Lotte verstehen zu lassen, wie es für sie war, aber Lotte gibt sich blind. Für sie ist alleine die Tatsache, dass Anna Deutsche ist, genug, sie zu verurteilen. Aber nach und nach zeigt sich, dass Anna teuer dafür bezahlt hat und vielleicht nicht alles so einfach ist, wie es nach außen hin scheint…

Dies nur ein kurzer Einblick in einen Roman, der zwei komplexe Lebensläufe erzählt, anhand dessen zwei Länder im Krieg dargestellt werden. Das eine sieht sich ausschließlich als Opfer, das andere will die Täterrolle nicht komplett übernehmen, und in langen Gesprächen wird offenbar, dass das Urteil nicht ganz so leicht auszusprechen ist, wie man das gerne hätte.

Tessa de Loo hat mit Die Zwillinge einen wundervollen und wichtigen Roman über Schuld und Vergebung geschrieben, über Aufarbeitung, über Macht und Machtlosigkeit, und wie sehr man Kind der Umstände ist. Was man mit dieser Erkenntnis anstellt, bleibt einem selbst überlassen, aber das Nachdenken ist angestoßen.

Wer nicht nachdenken möchte, bekommt auf jeden Fall einen interessanten und spannenden Roman, in der die Zeit des Zweiten Weltkriegs anschaulich und in interessante Lebensgeschichten verpackt dargestellt wird. Tessa de Loo schildert zwei glaubhafte Lebensläufe, die, obwohl sie sich kaum berühren, doch immer wieder ineinander verschränkt werden. Durch die mehr oder weniger abwechselnde Erzählweise bleibt die Spannung erhalten, man möchte mehr erfahren, und zwar von beiden Geschichten.

Ich kann mir vorstellen, dass dies bei Erscheinen des Buches nicht jedem Leser gepasst haben mag, denn die Vorurteile der beiden Völker sind (oder vielleicht bald waren?) so, wie sie die beiden Figuren verkörpern. Tatsächlich hat der Roman in den Niederlanden viel Aufsehen erregt, und die Reaktionen waren durchaus zwiegespalten.

Dennoch: Nach der Lektüre hat sich vielleicht die eine oder andere Ansicht geändert. Und deshalb möchte ich diesen Roman jedem empfehlen, und sei es auch nur, weil es eine tolle Geschichte ist. Alles weitere möge jeder für sich selbst entdecken.Bild: ad.nl

Tessa de Loo: Die Zwillinge. Deutsch von Waltraud Hüsmert. btb, München. 1997. OA: De Tweeling. Uitgeverij De Arbeiderspers, Amsterdam. 1993. 478 Seiten.

Tessa de Loo wurde als Johanna Tineke Duyvené de Wit am 15. Oktober 1946 in Bussum, Niederlande, geboren. Sie war Lehrerin, bis sie 1983 die Erzählungen Die Mädchen von der Süßwarenfabrik veröffentlichte. Die Zwillinge bekam 1994 den Von-der-Gablentz-Preis und den Publieksprijs. Er wurde 2002 unter der Regie von Ben Sombogaart verfilmt, mit Thekla Reuten, Ellen Vogel, Nadja Uhl und Gudrun Okras in den Hauptrollen. Tessa de Loo lebt heute in Portugal.

Nederlandstalig! Anna Enquist – Das Meisterstück

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Der Maler, der Schreiber, die Beobachterin und die, die den größten Verlust erfuhr – das „Meisterstück“ (Foto:mg)

Anna Enquist ist ausgebildete Konzertpianistin. Dies ist ihrem Romandebüt aus dem Jahre 1994, Das Meisterstück, deutlich anzumerken. Sie hat diesen Roman wie ein komplexes Musikstück geschrieben, in dem eine Leitmelodie herrscht, um die sich andere Melodien ranken. Sie werden eingeflochten, aufgegriffen, variiert, um dann wieder in die über allem stehende Melodie eingefügt zu werden.

Diese Melodie ist Alma, Mutter von Oscar und Johan. Sie steht über allen anderen Melodien, spielt in sie hinein, beeinflusst sie, schreibt sie um. Sie hat ihre Söhne allein groß gezogen, nachdem ihr Mann Charles, Maler und Musiker, sie verlassen hat, um in Amerika Karriere zu machen; und sie ist nach wie vor ein Dreh- und Angelpunkt im Leben der nun erwachsenen Männer.

Ihr Sohn Johan hat seinem Vater nachgeeifert und ist ebenfalls Maler geworden. Nun steht seine große Stunde an, die Ausstellung, die sein Meisterstück zur Krönung hat. Alle sollen sie kommen, Alma, seine Mutter, sein Bruder Oscar, der Journalist ist, seine Ex-Frau Ellen, die einen unbeschreiblichen Verlust erfahren hat, und ihre Freundin Lisa, die Psychoanalytikerin. Nach seiner Ausstellungseröffnung soll es ein großes Festessen geben, für das alle beteiligten Personen auf ihre Art planen.

Enquist greift nun einen Handlungsstrang nach dem anderen auf, verwebt sie miteinander und leitet sie ineinander über. So macht Lisa sich Gedanken über die bevorstehende Feier und führt alle Melodien kurz ein, ansatzweise, angedeutet, bis sie an die Reihe kommen, sich zu entfalten. Und so erfährt man die Lebensgeschichten der verschiedenen Personen. Johans und Ellens Ehe aus ihren beiden Perspektiven, den unglaublichen Verlust aus beiden Perspektiven, der Umgang damit aus beiden Perspektiven. Hin und her geht die Melodie, geht die Handlung.

Unterbrochen wird sie von Almas Geschichte, die sich aufgrund einer dummen Bemerkung Johans Hoffnung macht, ihr Mann könne zum Fest zurückkehren. Die alte Dame ist aufgeregt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, versucht, sich in ihrer Unbeholfenheit attraktiv für den Mann zu machen, der sie vor so vielen Jahren verschmähte. Ihren anderen Sohn, Oscar, wühlt diese Nachricht ebenfalls sehr auf, aber auf eine negative Weise. Er hat die Vaterrolle übernommen, wollte seine Mutter wieder glücklich machen, hat für Johan gesorgt. Doch all seine Bemühungen wurden nie gesehen, sein Talent nicht beachtet, der Jüngere ihm immer vorgezogen. Und so rächt er sich zunächst auf die ihm eigene Weise, indem er einen Schmähartikel über Johan verfasst, nicht ahnend, welche Ereignisse er damit in Bewegung setzt…

Ellens Melodie ist eine traurige, auch wenn ein paar fröhliche Anklänge zu vernehmen sind. Ihr Leben ist überschattet von Verlust und Trauer, ihre Geschichte eindrücklich und berührend dargestellt. An ihrer Seite ist ihre Freundin Lisa, die Psychoanalytikerin, die den Beobachterposten einnimmt, sich vorsichtig in die Melodien einwebt und aus der nahen Distanz erzählt.

Alle Melodien führen am Ende zu einem großen Finale, der Ausstellung, auf der so viele Hoffnungen ruhen. Aber wird dieses Finale in Dur oder in Moll enden?

Anna Enquist ist mit ihrem Erstlingsroman ein ganz großes Buch gelungen, fast ein Meisterstück. Es gelingt ihr, fünf grundverschiedene Handlungsstränge kunstvoll miteinander zu verweben, sie ineinander greifen zu lassen, das Tempo anzuziehen, wieder zurückzunehmen, den Leser immer wissen zu lassen, dass Paukenschläge folgen werden. Nur wann, nur wann? Ein wundervoll komponierter Roman, der mit einer unglaublich bildhaften Sprache aufwartet (schießlich ist Anna Enquist auch Lyrikerin), und den Leser mitzureißen vermag, der atemlos den verschiedenen Handlungssträngen folgt, um am Ende im Ausstellungssaal zu stehen, keuchend, erwartungsvoll, ahnend, was sich da anbahnt.

Wenn Sie einen großartigen niederländischen Roman lesen möchten, lesen Sie diesen. Und hoffen, dass das Debüt dieser Schriftstellerin nur der Anfang war, und ihr weiteres Werk weitere Höhen erklimmt.

Anna Enquist: Das Meisterstück. Deutsch von Hanni Ehlers. Deutscher Taschenbuchverlag, München. 1997. OA: Het meesterstuk. Uitgeverij de Arbeiderspers. 1994. 316 Seiten.

Foto: Bianca Sistermans

Anna Enquist, eigentlich Christa Widlund-Broer, wurde am 19. Juli 1945 in Amsterdam geboren. Sie studierte Klavierspiel und klinische Psychologie in Den Haag und Leiden. Seit 1991 veröffentlicht sie Gedichte, Essays und Romane.  Der Roman „Das Meisterstück“ ist ihr Debüt, er stand wochenlang auf den niederländischen Bestsellerlisten, 1995 erhielt er den Preis für den besten Erstlingsroman.

Nederlandstalig! Leon de Winter – Das Recht auf Rückkehr

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Leon de Winters Roman Das Recht auf Rückkehr beginnt im April 2024 in Tel Aviv. Bram Mannheim arbeitet als Rettungssanitäter und hat mit seinem Freund Ikki Peisman eine Agentur, die verschwundene Kinder aufspürt. Ihr aktueller Fall führt sie nach Jaffa auf der Suche nach einem Mädchen, das seit drei Jahren als vermisst gilt. Sie bekommen die Nachricht, dass das Kind zu kinderlosen Palästinensern gekommen war und nun tot ist.

Dann setzt in Rückblenden Brams früheres Leben ein, angefangen im April 2004. Er war ein angesehener Historiker, hatte Frau und Kind. Nach einem versuchten Überfall auf ihn nimmt er ein Angebot an, in Princeton zu lehren. Er kauft mit seiner Familie ein altes Haus, das riesig und zu großen Teilen verfallen ist. Sein vierjähriger Sohn Benny sieht in dem Haus Schlangen, was Bram beunruhigt. Und eines Tages ist Benny spurlos verschwunden. Bram wird verrückt und begibt sich auf eine Suche quer durch die USA, in der Hoffnung, aufgrund eines abstrusen Zahlensystems seinen Sohn zu finden.

Er lebt wie ein Bettler und strandet in Los Angeles. Eines Morgens rettet er einem kleinen Mädchen das Leben. Dessen Großvater will sich erkenntlich zeigen und holt schließlich Brams Vater nach L.A., einen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Physiker, zu dessen Zahlenwelt Bram nie Zugang hatte. Brams Vater holt ihn zurück zu sich nach Tel Aviv, und langsam findet Bram in ein „normales“ Leben zurück.  Er macht „Studien“ zum Verschwinden seines Sohnes, bis er auf einen Pädophilen stößt…

Zurück im Jahr 2024 ereignet sich während einer Schicht als Rettungssanitäter ein Anschlag. Und auf einmal ist alles anders als zuvor: der Attentäter war durch die DNA-Schleuse gelangt, die das jüdische Y-Chromosom zurückverfolgen kann. Ein junger Jude hat einen Anschlag auf Israel verübt. Und plötzlich stellen sich die Fragen: ist Benny damals doch nicht einem Kinderschänder zum Opfer gefallen? Was hat es mit seinem Vater und dessen ehemaligen Arbeitskollegen auf sich? Könnte es sein, dass alles ganz anders ist, als Bram die ganze Zeit vermutet hat? Oder sitzt er falschen Hoffnungen auf, spielt das Schicksal ein grausames Spiel mit ihm?

Leon de Winter hat sich auf den 550 Seiten seines Romans eine Menge vorgenommen. Mehrere Zeitebenen, mehrere Länder, der Konflikt zwischen Israel und Palästina und nicht zuletzt der Konflikt mit dem Islam. Das sind eine ganze Menge Handlungsstränge, die er meistens souverän in der Hand hält und miteinander verwebt. Aber dies gelingt nicht immer ganz, und vor allem zum Ende hin hätten es meiner Meinung nach entweder mehr Seiten oder weniger Wendungen sein dürfen.

Nichts desto trotz ist wieder mal ein Pageturner entstanden, der sich nicht aus der Hand legen lässt. Es ist ein im Grunde deprimierendes Buch, das von Konflikten, Anschlägen, Fanatismus und zerstörten Leben erzählt. Und doch legt man den Roman zuversichtlich aus der Hand, denn de Winter streut das Körnchen Hoffnung aus, dass nicht alles verloren sein muss, dass Kommunikation möglich ist, dass auch „zerstörte“ Menschen ein Glück und ein Leben finden können.

Und so ackert man sich – manchmal atemlos, manchmal etwas übersättigt – durch diesen Parforceritt eines Zukunftsromans, um am Ende mit neuen Perspektiven und Denkansätzen wieder ausgespuckt zu werden. Auch wenn die Zeit – der Roman stammt aus dem Jahre 2008 – schon beängstigend vieles widerlegt hat, gerade was den Islam und ISIS angeht, kann man sich die Entwicklung des Nahostkonflikts so vielleicht vorstellen. Es bleibt zu hoffen, dass Leon de Winter Unrecht hat mit seinen Visionen, und, Ihnen auch diesen Roman ans Herz zu legen. Keine leichte Kost, doch immer leicht zu lesen. Ein de Winter eben.

Mehr von Leon de Winter gibt es hier.

Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Diogenes Verlag AG Zürich, 2009. OA: Het recht op terugkeer. De Bezige Bij, Amsterdam. 2008. 550 Seiten.

Nederlandstalig! Herman Koch – Angerichtet

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Ich-Erzähler Paul Lehmann berichtet in Angerichtet von einem Essen, das er in einem Nobelrestaurant mit seiner Frau Claire, seinem Bruder Serge und dessen Frau Babette einnimmt. Die einzelnen Gänge geben dem Roman dabei die Struktur. Es beginnt damit, dass Paul klar macht, wie wenig Lust er auf dieses Essen hat, und wie wenig er seinen Bruder, den Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt, leiden kann.

Schon zu Beginn fällt der wichtigste Satz: „Wir müssen uns über unsere Kinder unterhalten.“ Es liegt etwas in der Luft, doch dies geht immer wieder verloren in Pauls Abschweifungen, in denen er von seinem Bruder und seiner Frau erzählt, die neben ihren beiden leiblichen Kindern ein Kind aus Burkina Faso adoptiert haben. Was er, um es ganz aktuell auszudrücken, allzu gutmenschlich findet. Sie haben ein Haus in Frankreich, aber Paul meint, die Franzosen würden sie am liebsten um die Ecke bringen.

koch - angerichtetPaul war Lehrer, doch er hat sich mit seinen Ansichten, der Zweite Weltkrieg habe auch reinigend gewirkt, herausgeschossen. Er hat irgendeine Krankheit, doch er sagt nicht, welche, nur, dass er Stimmungsdämpfer nimmt. Seine Frau erkrankte, als sein Sohn Michel vier war, aber er sagt nicht, an was. Es wird nur deutlich, dass er mit der alleinigen Sorge um das Kind überfordert war, aber Hilfe hat er im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlagen.

Er ist ein jedoch ein Löwenvater. Wann immer es um seinen Sohn ging, hat er alles für ihn getan, und ihn bis aufs Blut verteidigt. Nun aber hat sein Sohn etwas verbrochen, gemeinsam mit Serges und Babettes leiblichen Sohn. Die Frage steht im Raum, wie man als Eltern damit umgehen soll, was das Kind schützt, was zuviel, was zu wenig ist…

Ich muss es sofort von vornherein unumwunden zugeben: Ich habe den Roman nur zu Ende gelesen, weil er ein Geschenk war und ich ihn mir aufgrund der euphorischen Kritiken gewünscht hatte. Für mich war es eine Qual, von vorne bis hinten. Paul ist ein unzuverlässiger Erzähler, der erst mit und mit preisgibt, was eigentlich los ist. Aber anstatt es als Spannungsbogen zu empfinden, ist er mir die ersten hundert Seiten nur auf die Nerven gegangen. Er nörgelt über das Restaurant, über das Essen, über die Bedienung, über seinen Bruder am Meisten, der seiner Meinung nach ein ungehobelter Bauer ist, was er bis ins Detail exemplifiziert.

Dann kommt langsam seine wahre Seite durch, und mit jedem Detail seines Lebens und schließlich auch mit den Details der Taten der Kinder wuchs mein Ekel und meine Abneigung. Mir ist bewusst, dass Herman Koch diese Erzählperspektive bewusst so gewählt hat, um sein Lesepublikum zu provozieren und zu schockieren. Bei mir hat er jedoch das Gegenteil erreicht. Ich wollte irgendwann nicht mehr wissen, wie es weitergeht oder wie es ausgeht.

Den Großteil seines Publikums hat das aber wohl schon interessiert. Es stellen sich Grundsatzfragen, vor allem für Eltern (zu denen ich nicht gehöre, weswegen die Fragen für mich natürlich rein hypothetischer Natur blieben). Wie groß kann Kindesliebe sein, wie weit geht man als Eltern? Das sind große und wichtige Fragen, aber durch die „Krankheit“ des Erzählers werden sie in diesem Fall, in diesem Setting meiner Meinung nach verfälscht.

Also, um einen Schlussstrich zu ziehen: Mir hat dieser Roman überhaupt nicht zugesagt, ich habe mich wirklich gequält. Aber ich kann sehen, wie andere Leser ihn anders aufgenommen haben und die Argumentation verstehen, auch wenn ich sie nicht unterstützen kann. Mit seinen gut 300 Seiten ist er aber schnell gelesen (falls man nicht so wie ich dem Ekel verfällt), so dass sich jeder ein eigenes Bild machen kann, der Lust dazu hat.

Weitaus positivere Meinungen gibt es zum Beispiel im Bücherwurmloch:

https://buecherwurmloch.wordpress.com/2012/01/09/herman-koch-angerichtet/

oder bei der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/herman-koch-angerichtet-henkersmahlzeit-fuer-einen-lehrer-11014431.html

Herman Koch: Angerichtet. Aus dem Niederländischen von Heike Baryga. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010. OA: Het Diner, Ambo/Anthos Uitgevers, Amsterdam, 2009. 311 Seiten.

Bild: Wikipedia.de

Herman Koch wurde am 5. September 1953 in Arnhem geboren. Er studierte Slawistik mit Schwerpunkt Russisch. Sein fünfter Roman Het Diner (Angerichtet) stand für sieben Monate an der Spitze der niederländischen Bestsellerliste, Koch erhielt für ihn den renommierten Literaturpreis „NS Publieksprijs“. Koch ist mit einer Spanierin verheiratet, mit der er einen Sohn hat. Sie leben überwiegend in Spanien.

Nederlandstalig! Margriet de Moor – Sturmflut

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„Heute wurde also alles hinweggefegt.“ (183)

„Sie fängt seinen Blick auf, erkennt, daß er Angst hat, und hört es dann auch. Das Geräusch ist anfangs abstrakt. Eine Art Rauschen, anschwellend. Einen Moment muß sie an eine Heuschreckenplage denken, dann an eine tausendköpfige Armee, die von der anderen Seite der Insel sehr schnell angestampft kommt. Zeit, zu erschrecken, bekommt sie nicht. Die gesamte Aussicht verschwindet. Eine grauenhaft hohe Walze pechschwarzen Wasser steigt aus dem Nichts auf und rollt heran.“ (160)

Armandas Patenkind feiert seinen Geburtstag, aber aus einer Laune heraus bittet sie ihre Schwester Lidy, an ihrer Stelle zur Feier nach Zeeland zu fahren. Es ist der 31. Januar 1953, der Tag vor der Sturmflut. Diese Sturmflut kam durch Bedingungen und Konstellationen zustande, die nur sehr selten so zusammentreffen, und löschte weite Teile Südhollands aus. Sie kostete allein in den Niederlanden 1.835 Menschen das Leben, auch England und Belgien waren betroffen.

Lidy begibt sich also auf die Reise, und auch wenn das Wetter ungemütlich ist, kommt es ihr nicht ungewöhnlich vor. Sie feiern den Geburtstag, und mitten in der Nacht wird sie aus dem Bett geholt: Ein Auto wird gebraucht. Sie fährt mit Simon Cau, einem Bauern, der auch für die Deiche auf der Insel zuständig ist, zu verschiedenen Punkten, und erfasst nicht so recht, wie ernst die Lage ist. Er hingegen sieht, dass die Deiche alle alt und marode, großenteils schon vor der Flut ausgehöhlt sind und begreift, dass sie die Nacht nicht überstehen werden.

Sie versuchen, die Menschen zu warnen, aber die meisten denken sich, sie sitzen den Sturm aus. Und so fahren sie zurück zu Caus Hof, den sie allerdings nicht mehr erreichen, denn das Wasser kommt. Sie können sich ins Nachbarhaus retten, in dessen Dachfirst sich im Laufe der Nacht eine kleine Schar an Gestrandeten zusammenfindet. Bis am nächsten Tag das Haus weggespült wird.

Die Geschichte ist aus der Perspektive der beiden Schwestern erzählt, mehr oder weniger abwechselnd. Armandas Geschichte geht aber nach Lidys Tod weiter (ich spoilere hier nicht, das steht von Anfang fest), zeigt, wie sich ihr Leben nach der Katastrophe weiterentwickelt. Sie und Lidys Mann unternehmen in der nächsten Zeit alles, um Lidy zu finden, um wenigstens ihre Überreste begraben zu können. Sie kümmert sich auch um Lidys zweijährige Tochter, der sie zur Mutter wird.

Und ganz allmählich schlüpft Armanda in Lidys Rolle, als ob sie ihre Schwester damit am Leben erhalten könnte. Dieses Leben ist aber immer zweigeteilt, zersetzt von Schuldgefühlen. Denn hatte sie Lidy nicht gebeten, nach Zeeland zu fahren?

Margriet de Moor erzählt in Sturmflut eine der größten Flutkatastrophen, die die Niederlande je heimgesucht haben, anhand des Schicksals von zwei Schwestern, die unmittelbar hineingesogen werden. Die eine macht die Flut mit, die andere muss mit dem Überleben zurechtkommen. Ich denke, dass es vielen Menschen so gegangen ist damals, und dass das Schicksal der Schwestern exemplarisch ist für viele andere. Es gibt Einschübe, von handelnden Personen an diesem Abend, wie einem Meteorologen, und Erklärungen von Wissenschaftlern, warum Wasser und Sturm sich gerade so tödlich trafen, ebenso wie „Einschätzungen“, was alles anders hätte sein können, wäre nur einer der Faktoren anders gewesen.

All dies erzählt Margriet de Moor in einer sehr nüchternen Sprache, es ist schon fast ein dokumentarischer Stil, den sie benutzt. Dennoch meint man, selbst den kalten Wassermassen ausgeliefert zu sein, den Sturm brüllen zu hören, die Menschen und Tiere schreien zu hören. In einer nicht so nüchternen Sprache wäre dies wohl nicht zu ertragen gewesen.

Aber die Katastrophe ist nicht die einzige Handlung, dem, was nachher kommt, wird mehr Platz eingeräumt. Eine einzige Sturmnacht kann Leben für immer verändern. Menschen müssen mit ihrer Hilflosigkeit und ihren Schuldgefühlen weiterleben, so schwer das fallen mag. Am Ende stellt sich die Frage, welches Leben „mehr“ war.

Sturmflut ist ein Roman, der mich sehr beeindruckt hat. Nicht nur, weil ich das Meer über alles liebe und, solange ich denken kann, immer wieder an die niederländische oder belgische Küste in Urlaub gefahren bin, diese Landschaftsbeschreibungen also reale Bilder bei mir hervorrufen. Auch schafft Margriet de Moor es, eine Stimmung heraufzubeschwören, die dem Leser den Atem nimmt, die ihn hoffen und verzweifeln lässt. Und doch weiß man, wenn die Natur es will, hat der Mensch nichts auszurichten.

Auf Wikipedia gibt es einen ausführlichen Artikel über die Sturmflut, wie sie zustande kam, was passierte, und welche Maßnahmen ergriffen wurden. Wer sich dafür interessiert, möge hier klicken.

Margriet de Moor wurde am 21. November 1941 als Margaretha Maria Antonetta Neefjes in Noordwijk geboren. Sie studierte am Koninklijk Conservatorium in Den Haag Klavier und Gesang, im Zweitstudium Kunstgeschichte und Archäologie. Mit ihrem Mann eröffnete sie einen Salon für Künstler, in dem sie Videoporträts herstellte. Ihr erster Roman Erst grau dann weiß dann blau erhielt den AKO Literatuurprijs. Sie spricht fließend Deutsch und lebt heute in Bussum.

Margriet de Moor: Sturmflut. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Carl Hanser Verlag München Wien 2006. OA: De verdronkene. Uitgeverij Contact, Amsterdam 2005. 350 Seiten.