Warum ich lese – 40 Liebeserklärungen an die Literatur

Letztes Jahr stellte Sandro vom Blog Novelero sich die Frage, warum er eigentlich liest. Dies inspirierte viele Menschen dazu, das Gleiche zu tun, was in einer großen Anzahl von Beiträgen gipfelte. Auch ich schrieb meine Geschichte dazu.

40 dieser Beiträge hat der Homunculus Verlag nun zu einem wundervollen Buch gestaltet – und mein Beitrag ist auch dabei! Ich freue mich sehr, Teil dieses Projekts zu sein, und hoffe, der Eine oder die Andere interessiert sich für die Geschichten, die „Lesenswege“, und fühlt sich vielleicht inspiriert, über seinen oder ihren Weg zum Lesen nachzudenken. Es sind sehr persönliche Geschichten, unterhaltend, traurig, fröhlich, anregend. Und nach der Lektüre kann es nur einen Weg geben: Den zum Bücherregal!

Erhältlich ist das Buch hier:

Warum ich lese.
40 Liebeserklärungen an die Literatur

Ich wünsche viel Freude mit diesem tollen Buch und hoffe, es möge viele Leser finden!

 

Warum ich lese

Ein Gespenst geht um in der Bloggerwelt, und das ist die von Sandro vom Blog novelero gestellte Frage, warum man liest. Nachdem ich diverse Antworten gelesen habe, möchte auch ich gerne meinen Beitrag hinzufügen.

Ich war seit jeher umgeben von Büchern, mir wurde als Kind vorgelesen, und ich war selten stolzer als zu dem Zeitpunkt, ab dem ich die Bücher endlich für mich allein entdecken konnte. Die Bücherei der nächsten Kleinstadt wurde über Jahre einer der wichtigsten Bezugspunkte in meinem Leben, die Kinder- und Jugendbibliothek habe ich leergelesen, um dann irgendwann auch den Rest der Bücher zu erobern.

Bild: cityofreaders.org

Habe ich erwähnt, dass ich Einzelkind bin? Hier kommt nämlich der berühmte Satz, Bücher seien wie Freunde, ins Spiel. Es gibt „niemanden“, mit dem ich mehr Zeit verbracht hätte. Jahrelang habe ich auf dem Bauch unter der Stehlampe gelegen und ein Buch nach dem anderen verschlungen. Meine Eltern hätten es wohl finanziell nicht überlebt, wäre die Bücherei nicht gewesen. Und was habe ich an Schätzen geborgen!

Diese Faszination hat sich gehalten. Das Aufschlagen des Buches, das hektische Überfliegen der ersten Sätze, um dann langsam in eine ruhigere Atmung und ein ruhigeres Lesetempo zu verfallen: Ja, hier bin ich richtig, ich möchte wissen, was der Autor mir erzählen will, ich möchte an seinen Erfahrungen teilhaben, seine Gedankenwelt kennenlernen, meine Gedanken an seinen reiben. Ich möchte herausgefordert werden, möchte innerlich und manchmal tatsächlich laut schreien, sowohl aus Zustimmung als auch aus Ablehnung. Ich möchte lachen, weinen, aber vor allem eines: Ich möchte andere Gedankengänge kennenlernen. Ich brauche dieses stete Selbsthinterfragen, diese stete Auseinandersetzung, dieses Entscheidungen-treffen, ja, nein, und vor allem: warum ja oder nein?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Leser empathischer sind. Dass Menschen, die sich mit den Figuren und Gedanken in Büchern auseinandersetzen, nicht einfach so Vorurteile bilden können, denn sie wissen, dass es so nicht funktioniert. Dass man sich auseinandersetzen muss.

Hier mein Tweet zu Sandros Aufruf:

Das ist das Erste, was mir dazu einfiel. Und ich glaube, dass, würden mehr Menschen sich ständig auseinandersetzen, viele Vorurteile in sich zusammenfallen würden, und die Welt ein klein wenig besser wäre. Bücher lassen einen am Leben anderer teilhaben, und so vieles verstehen.

Aber das ist natürlich nicht alles. Ich lese auch, weil ich es liebe, bestens unterhalten zu werden. Und weil ich mit attraktiven und potthässlichen Menschen Abenteuer bestehen möchte. Und weil ich Mörder fassen, verzwickte Rätsel lösen, spektakuläre Roadtrips machen, Zusammenhänge austüfteln, Familiengeschichten verfolgen, im Sommer frieren, im Winter schwitzen, mit Zwergen, Zauberern, Elben, Aliens, und ganz normalen Menschen die Welt retten, mir Bürsten zum Putzen an die Füße binden, Quidditch spielen, einen Baseball treffen, durch die Zeit reisen, unwirkliche und wirkliche Wesen kennenlernen und noch so, so vieles mehr will. Und: Ich kann. Wenn ich lese.

Und wenn es mal nicht so klappt mit einem Buch und mir: Kein Problem, zurück ins Regal, irgendwann kommt die richtige Zeit. Und dann wird es hervorgeholt und wir unternehmen wundervolle Dinge miteinander. Vielleicht ja sogar etwas, das noch nicht vorkam. Oder besser: Hoffentlich!