Nederlandstalig! Simone van der Vlugt – Klassentreffen

flagge„Warum bin ich hergekommen? Was wollte ich damit erreichen? Habe ich etwa geglaubt, es könnte reinigend oder befreiend sein?

Beides ist nicht der Fall. Es ist verwirrend, eine schmerzliche Konfrontation, ein einziger großer Irrtum.

Vielleicht bringt es mir wenigstens etwas mehr Klarheit. Ich weiß aber nicht, ob ich dafür schon bereit bin.“ (11/12)

Ein Aufruf zum Ehemaligentreffen ihres Gymnasiums bringt alte Erinnerungen, oder besser Erinnerungsfetzen, in Sabine hoch. Als sie fünfzehn war, ist ein Mädchen ihrer Stufe, ihre Kinderfreundin Isabel, spurlos verschwunden. Sie selbst hat keinerlei Erinnerungen an diese Zeit. Normal, wenn man etwas so Schreckliches erlebt hat, dass das Gehirn es einfach ausblendet, so ihr Psychotherapeut.

Diesen konsultierte sie wegen eines Burn Outs vor einem Jahr, als ihr die Sekretariatsarbeit über den Kopf wuchs. Nun ist sie auf dem Weg der Besserung und fängt wieder an, halbtags zu arbeiten. Sie ist jedoch alles andere als willkommen, ihr Job wurde übernommen und nicht wieder hergegeben. Immer noch sehr schlapp und lustlos, manövriert Sabine sich durch die Tage.

Dann trifft sie Olaf wieder, ein ehemaliger Freund und Klassenkamerad ihres Bruders. Es funkt zwischen den beiden, und langsam bekommt Sabine wieder mehr Lebensfreude, alles scheint etwas einfacher zu werden. Doch damit beginnen auch die Erinnerungen wiederzukommen. Stückchenweise, Häppchen für Häppchen, Fetzen für Fetzen begibt sich in ihr Gedächtnis zurück. Nur weiß sie nicht, wo sie die einzelnen Stücke einordnen soll.

Ihre Freundschaft zu Isabel bekam irgendwann einen Knacks, ihre beste Freundin wandte sich gegen sie und schikanierte sie nur noch. Das blieb nicht unbemerkt, auch wenn Sabine schwere Zeiten hatte, halfen ihr doch diverse Personen. Ihr Bruder zum Beispiel, der nach der Schule auf sie wartete, damit sie sicher nach Hause kam. Oder der Hausmeister, der ihr in den Pausen half, oder wenn ihr Rad platt war.

Und dann war da noch Bart, ihre große Liebe, der ihre Beziehung vor allen geheim hielt. Ganz wie Olaf, der nun vor ihr verheimlicht, dass er Isabel gekannt hat, gut sogar. Und der ein sehr eifersüchtiger und besitzergreifender Mensch ist.

So kommt ein Puzzlestück nach dem anderen zurück in Sabines Leben, und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Niemand scheint ihr Glauben zu schenken, alle meinen, sie solle die alten Geschichten ruhen lassen. Aber wenn der Damm einmal gebrochen ist, dann gibt es kein Zurück mehr…Klassentreffen

Klassentreffen ist einer der spannendsten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Am Ende entwickelte er sich regelrecht zum Pageturner, ich habe ihn nicht mehr aus der Hand gelegt. Simone van der Vlugt versteht es hervorragend, ihre Leser gemeinsam mit der Protagonistin aufs Glatteis zu führen, immer nur kleine Hinweise zu geben und somit die Hände an die Seiten zu schweißen.

Es handelt sich hier nicht um große Literatur, aber die braucht man ja auch nicht immer. Manchmal braucht man einfach eine Geschichte, die den Leser in ihren Bann zieht, die spannend ist und unterhält. Und all dies erhält man hier. Wer also spannende und „süffige“ Unterhaltungsliteratur braucht, der möge sich getrost diesen Roman zulegen. Ich habe es nicht bereut und werde ihn weiterreichen.

Simone van der Vlugt wurde am 15. Dezember 1966 in Hoorn geboren. Erfolgreich wurde sie als Autorin von historischen Jugendromanen. Klassentreffen war ihr Debütroman, er stand wochenlang an der Spitze der niederländischen Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman, Schattenschwestern, eroberte ebenfalls die Bestsellerliste. Simone van der Vlugt lebt mit Mann und zwei Kindern in Alkmaar.

Simone van der Vlugt: Klassentreffen. Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. Diana Verlag München, 2006. OA: De reünie, Anthos Amsterdam, 2004. 384 Seiten.

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