Adrian McKinty – Der Katholische Bulle (Zusammenarbeit)

Dieses Wochenende gab es für mich Bücherwurm, die normalerweise ausschließlich Bücher aus Papier liest, etwas Neues: Ich habe ein Hörbuch ausprobiert. Ich hatte so meine Bedenken – wie aufmerksam muss man sein, da ja alles Ablenkung ist von einer Stimme, die schlimmstenfalls monoton einen Text herunterleiert, was für ein Text soll es überhaupt sein – etwas Anspruchsvolles, etwas absolut nicht Anspruchsvolles, kurz, lang, oder sogar ein Hörspiel?

Also setzte ich mich vor die audible.de -Seite und sah mir die Titel an. Super, aus 200.000 einen auswählen? Ich, die ich doch immer so unentschlossen bin? Hm, dachte ich mir, Du willst am Ball bleiben können, also nimmst Du vielleicht am besten einen Thriller, spannend ist immer gut. Was haben denn die ganzen Crime-Blogs für gut befunden? Ah, Adrian McKinty war letztes Jahr ziemlich angesagt, Sean-Duffy-Reihe, na fein, versuch ich es also einmal damit.

Ich löse also meinen Gutschein ein, was problemlos verläuft, klicke auf play und der Sprecher, Peter Lontzek, beginnt. Er erzählt mir von Sean Duffy, der Der Katholische Bulle ist, was im Nordirland Anfang der 80er Jahre nicht gerade einfach ist. Er muss sich inmitten der Troubles als einziger Katholik zwischen seinen protestantischen Kollegen behaupten. Während seines Doktorandenstudiums wurde er unmittelbarer Zeuge des Konflikts, hängte das Studium an den Nagel und wurde Polizist. Seine Bildung macht es ihm unter den Kollegen auch nicht einfacher, doch er weiß sich durchzusetzen.

Einer seiner ersten Fälle ist nun der vorliegende. Eine Leiche wird gefunden, nicht sehr gut versteckt, mit abgetrennter Hand, doch durch Kopfschuss getötet. Niemand erkennt den Mann, die Fingerabdrücke geben keinen Aufschluss, die Recherche dauert. Dann geschieht ein zweiter Mord, und Sean Duffy ahnt Böses – sollte es etwa einen Serienkiller in Nordirland geben? Zusätzlich zur Arbeitslosigkeit, den ganzen Bomben, den Straßenkämpfen, den Hungerstreiks? Und was ist mit der jungen Frau, die sich umgebracht hat? Gehört die etwa auch noch ins Bild?

Adrian McKinty hat mit Sean Duffy einen mir sehr sympathischen Detective geschaffen. Noch recht jung, etwas schroff, mit einem Musik- und Kleidungsgeschmack, der mir zusagt… Und das ist eine große Stärke des Romans: die Atmosphäre wird so eingefangen, dass man sich mitten in der Thatcher-Ära wähnt, in der einem in Nordirland die Bomben um die Ohren fliegen und das große Thema die IRA-Märtyrer im Hungerstreik sind. Sean Duffy ist keiner dieser vollkommen unnahbaren, weltfremden Detectives, die es so häufig gibt, aber auch sein Privatleben läuft nicht unkompliziert.

Und so ist Der Katholische Bulle eine zwar komplexe, doch auch im Hörbuch, wo man nicht kurz mal nachschlagen kann, wie etwas war, nachvollziehbare Story. Das Ende ließ mich leicht unbefriedigt zurück, aber da es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, wird dies vielleicht noch im Laufe der Zeit ins rechte Licht gerückt.

Peter Lontzeck liest ganz hervorragend, gibt den verschiedenen Charakteren unterschiedliche „Stimmen“ und wird zu keiner Zeit meiner Befürchtung der Monotonie und Langeweile gerecht. Ich habe das Hörbuch gerne gehört, und mit gut zehn Stunden war es das Richtige für ein Wochenende. Doch auch wenn ich vielleicht in Zukunft bestimmt gerne mal wieder ein Hörbuch hören werde, bleibe ich doch bei meinen papiernen Exemplaren – da liest man, und beim Hören braucht man doch noch eine andere Beschäftigung, es sei denn, man liegt krank im Bett.

Bild: adrianmckinty.com

 

Insgesamt empfehle ich Der Katholische Bulle, und ich werde den Detective auf jeden Fall weiter verfolgen.

Adrian McKinty: Der Katholische Bulle. Aus dem Englischen von Peter Torberg. ©2014 Suhrkamp Verlag AG (P)2016 Audible GmbH. OA: The Cold Cold Ground, Serpent`s Tail, London.

Adrian McKinty führt auch einen Blog.

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit audible.de.

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Don Winslow – Tage der Toten

Adán erklärt ihr, vor welchen logistischen Herausforderungen er steht, und sie hört ihm aufmerksam zu. Er weiß nicht, wo er die Menge an Waffen hernehmen soll, die er braucht, um mit Tirofio ins Geschäft zu kommen. Es ist kein Problem, hier und da Gewehre zu bekommen – die USA sind ein einziger Waffenmarkt, wenn man so will-, aber die Stückzahlen, die er im Lauf der nächsten Monate braucht, gibt selbst der amerikanische Schwarzmarkt nicht her.

Und sie müssen über die USA geschmuggelt werden. Die Yankees sind zwar wie wild hinter Drogen her, aber die Mexikaner sind noch wilder, wenn es um Waffen geht. Beklagt sich Washington über den Zustrom von Drogen aus Mexiko, reagiert Mexiko mit Beschwerden über die Waffen, die aus den USA ins Land geschmuggelt werden. Dass die Mexikaner Feuerwaffen gefährlicher zu finden scheinen als Drogen, sorgt immer wieder für Zündstoff in den Beziehungen beider Länder. Die Mexikaner verstehen einfach nicht, warum in den USA die Kleindealer längere Haftstrafen bekommen als die großen Waffenschieber. (531)

Bild: suhrkamp.de

Tage der Toten ist die Geschichte eines 25-jährigen Krieges zwischen Art Keller, Drogenfahnder bei der DEA, und dem Barrera-Clan, den Königen des mexikanischen Drogenhandels. Der „Tag der Toten“ ist ein hoher mexikanischer Feiertag, an welchem die Mexikaner ihrer Toten gedenken, der Originaltitel „The Power of the Dog“ bezieht sich auf Kerberos, den Höllenhund, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht, auf dass kein Toter heraus und kein Lebender hineingelange. Beide Titel sind durchaus angemessen.

Als junger Mann, gerade bei der DEA, bekommt Arthur Keller die Gelegenheit, sich in das mexikanische Drogenkartell der Barreras einzuschleusen. Er wird praktisch als Familienmitglied behandelt, das Oberhaupt lässt sich von ihm tío, Onkel, nennen. Mit seinen Informationen erringt Keller erste kleine Siege, kann aber nichts gegen das riesige Unternehmen erreichen, das den Drogenhandel halb Mittel- und Südamerikas unter seiner Fittiche hat.

Die beiden jungen Barreras, Adán und Raúl, steigen langsam in der Hierarchie auf, sollen sie doch einst das Geschäft übernehmen. Sie sind sehr unterschiedlich, schnell kristallisiert sich heraus, dass Adán für das Geschäft und Raúl für das Grobe zuständig ist. Sie sollen gut zurechtkommen auf diese Weise.

Dann wird einer von Kellers Männern entführt und gefoltert, und dieses Ereignis lässt den Krieg ausbrechen. Von nun an ist es eine blutige Schlacht, die vor nichts und niemandem Halt macht, die Schuldige und Unschuldige gleichermaßen mit sich reißt, so dass am Ende niemand mehr von sich behaupten kann, unschuldig zu sein.

Einige der Personen, die in diesen Strudel gerissen werden, sind die Prostituierte Nora, der Killer Callan, und der Priester Parada. Sie alle spielen wichtige Rollen in diesem Krieg, und sie sind sich im Klaren, welch tödliche Ausmaße dieser annehmen kann…

Don Winslow hat für Tage der Toten sechs Jahre recherchiert, was man dem Buch durchaus anmerkt. Es ist mit Fakten vollgestopft, und viele Nebenschauplätze, wie die Partisanen in Südamerika, die Mafia in New York, die immerwährende Angst vor den Kommunisten, reich gegen arm, Macht gegen Hilflosigkeit, Glauben gegen Rücksichtslosigkeit, werden ausführlich behandelt. Manche Kritiker haben dies bemängelt, fanden den Haupthandlungsstrang nicht ausgegoren, die Charaktere nicht gut entwickelt, die Story überlastet. Das kann man so sehen.

Man kann aber auch sehen, wie sich ein Panorama entfaltet, ein Panorama der Unterwelt, von Schauplätzen, von denen man nichts wusste, von Kriegen, die man nicht täglich im Fernsehen sieht (ja, in letzter Zeit war Mexiko häufig in den Schlagzeilen), ein großes Puzzle aus einzelnen Teilen, die sich ineinanderfügen um tatsächlich ein Bild der Schlechtigkeit, fast der Hölle auf Erden zu liefern. Und hätte Winslow sich nur auf den einen Schauplatz beschränkt, wäre dieses Bild um einiges schwächer ausgefallen.

Seine Figuren sind abwechselnd Handelnde und Ohnmächtige, sie teilen aus und müssen die Ergebnisse machtlos mitansehen. Genauso wie der Leser Erschütterung empfindet ob dieser Welt, die sich da vor ihm auftut und die ihn wohl nicht mehr verlassen wird, und eine Hilflosigkeit, die sehr traurig, aber auch wütend macht.

Tage der Toten ist ein wichtiges Buch, ein eindringliches Buch, man merkt, wie sehr dieses Thema Don Winslow am Herzen liegt (das liest man übrigens auch immer noch, wenn man seinem Twitteraccount @donwinslow folgt, dieses Thema ist immer noch sehr präsent, er hört nicht auf, aufmerksam zu machen). Vielen dürfte nicht klar sein, was in Mexiko seit Jahrzehnten passiert; dieser Roman ändert das. Und, ganz nebenbei, ist er auch noch spannend, er lässt den Leser mit Figuren sympathisieren, die er vielleicht nicht so auf der Rechnung hatte, und mit ihnen mitfiebern. Nicht umsonst gewann er so viele Preise.

Don Winslow: Tage der Toten. Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. Suhrkamp Verlag Berlin 2010. OA: The Power of the Dog. Alfred A Knopf, a division of Random House, Inc., New York, 2005. 689 Seiten.

Weitere Meinungen gibt es bei Der Schneemann und Kriminalakte.

© Susie Knoll

Don Winslow wurde am 31. Oktober 1953 in New York City geboren. Er studierte afrikanische Geschichte und Militärgeschichte. Seit Ende der 1980er Jahre schreibt er die inzwischen fünf Teile umfassende Neal Carey-Reihe. Seinen ersten großen Erfolg hatte er 1997 mit dem Roman The Death an Life of Bobby Z.  Tage der Toten aus dem Jahr 2005 gilt als sein Meisterwerk. 2012 verfilmte Oliver Stone Savages, Winslow schrieb das Drehbuch. Dies brachte ihn in die Spitze der amerikanischen Krimiautoren. 2015 schrieb er mit dem Dokumentarroman Das Kartell die Fortsetzung von Tage der Toten, welches er drei Dutzend ermordeten Journalisten widmete. Er macht weiterhin auf die Drogenprobleme an der mexikanischen Grenze aufmerksam. Er gewann zahlreiche Preise, unter anderem den Maltese Falcon Award und Deutschen Krimipreis 2011 und 2012. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn in Kalifornien.

Buch #62: Truman Capote – Kaltblütig

„Das Material zu diesem Buch stammt, sofern es nicht auf meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen beruht, aus offiziellen Berichten oder es ist das Ergebnis von zahlreichen Interviews mit den unmittelbar beteiligten Personen, von Interviews, die sich oft über eine ziemlich lange Zeit erstreckten.“

Kalt wie Stein. Foto:mg

So lautet der erste Satz des Vorwortes zu Kaltblütig. Diese unmittelbar beteiligten Personen sind Angehöre, Freunde und Bekannte der Familie Clutter, von der vier Mitglieder ermordet wurden. Die Mörder, Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock, genannt Dick, kommen selbst zu Wort, aber auch die Menschen aus ihrem Umfeld. Und dann gibt es noch den ganzen Apparat, den solch ein Verbrechen in Bewegung setzt, von der Polizei über die Presse bis hin zu den Gerichtsangehörigen. Ja, es kommen viele Menschen zu Wort, und was sie zu sagen haben, lässt dem Leser manchmal den Atem stocken.

Perry und Dick, beide vorbestraft, treffen sich, nachdem sie sich im Gefängnis kennengelernt haben, eines Tages wieder. Obwohl keiner der beiden das vorhatte, führen die Ereignisse doch dahin. Sie haben von der Clutter-Farm gehört, die angeblich einen Tresor mit viel Geld beherbergt und machen sich auf, diesen auszuräumen. Es ist ihnen klar, dass dabei keine Zeugen zurückbleiben sollen.

Die Polizei steht vor einem Rätsel, außer zwei Fußspuren gibt es keine Anhaltspunkte, über das Motiv der Täter ganz zu schweigen. Die Clutters waren angesehen und wurden gemocht, und warum jemand Vater, Mutter, eine Teenage-Tocher und einen Teenage-Sohn ermorden wollen könnte, ist ihnen nicht ersichtlich.

Während die Polizei rätselt, vergnügen sich Perry und Dick auf einer Tour durch die Staaten bis hin nach Mexiko; als ihnen jedoch das Geld ausgeht, kehren sie zurück. Zu keinem Zeitpunkt denken sie, dass man ihnen etwas nachweisen könnte, denn auch sie wissen, dass das Motiv nicht ersichtlich ist und ja, sie haben ja keine Zeugen zurückgelassen.

Warum die Polizei dennoch auf ihre Spur kommt und wie sie erwischt und verurteilt werden, das erzählt Capote in Kaltblütig. Es ist zu keinem Zeitpunkt ein whodunnit, die einzige Spannung ist im Grunde genommen, ob und wie die Täter gefasst werden. Und Capote versteht es, diese Spannung aufzubauen. Er entwickelt die Geschichte von Standpunkt zu Standpunkt, erzählt zuerst von der Familie Clutter und der Tat, um dann überzuschwenken zu den Tätern.

Zu diesen entstehen zwei ausführliche Täterprofile, die sich aus ihren eigenen Erzählungen in Kombination mit denen der Menschen, die sie zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben begleitet haben, zusammensetzen. Und so bekommt der Leser Einblick in die Entwicklung der „kaltblütigen“ Mörder, wie sie dorthin gekommen sind, und dies macht diesen „Tatsachenroman“ spannender als so manchen Thriller. Genau dies wollte Truman Capote schaffen, und er bereitete damit den Weg für ein neues Genre, den New Journalism.

Ich schiebe die Besprechung des Buches nun schon seit einigen Tagen vor mir her, da ich geteilter Meinung darüber bin. Es stimmt, dass Capote mit seinem wahrheitsgemäßen Bericht einen wirklich spannenden Roman, ja fast schon Thriller, geschrieben hat. Jetzt ist es aber so, dass die Entwicklung des Täterprofils heutzutage nichts Neues mehr ist, dass z.B. Serien wie Criminal Minds diese Art der Erzählung regelmäßig benutzen und man weiß, dass nicht alles einfach schwarz und weiß ist.

Die Geschichte der Tat und der Jagd nach den Tätern, ebenso wie die Einschübe der verschiedenen Perspektiven der Personen, die die Täter oder die Opfer gekannt haben, hat Capote wirklich meisterhaft verwoben, an keiner Stelle wird es langweilig. Aber der Part, als es an die Gerichtsverhandlung geht, mit den Verhandlungs“pannen“ und dem Gefängnisaufenthalt, hat einen etwas schalen Geschmack hinterlassen. Auf einmal erzählt Capote von den Zellengenossen im Todestrakt und führt deren Verbrechen aus, und wie sie alle interagieren, was jedoch für die Geschichte und den Bericht völlig unerheblich ist.

Als letzter Teil des Buches ist dies im Gedächtnis geblieben, und es stört mich immer noch ein wenig. Aber dennoch habe ich Kaltblütig schnell und gern gelesen, es ist im Grunde dann doch ein „wahrer Thriller“, und diese Realität lässt den Leser schlucken und mitfiebern. Ich empfehle es also doch jedem als einen außergewöhnlich gebauten „realen“ Roman, ein Konzept, das spannend ist und funktioniert und wünsche mir, dass nicht alle schon so „abgebrüht“ sind wie ich, um einige Stellen besser würdigen zu können.

Truman Capote: Kaltblütig. Deutsch von Kurt Heinrich Hansen. Deutsche Buch-Gemeinschaft Berlin-Darmstadt-Wien, 1967. OA: In Cold Blood. Random House, New York, 1966. 408 Seiten.

Bild: Wikipedia

Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren. Er hatte mit Breakfast at Tiffany’s weltweiten Erfolg. Danach recherchierte er mit seiner Jugendfreundin Harper Lee sechs Jahre lang die Morde an der Familie Clutter und verarbeitete dies zu Kaltblütig. Dieser Roman wurde zu einem Bestseller, der eine Medienlawine auslöste, die darin endete, dass Capote die 500 berühmtesten Persönlichkeiten der USA zu seinem legendären Black und White Ball einlud, einer Mega-Party.

Danach ging es bergab mit Capote, er hatte eine Schaffenskrise und verfiel Drogen und Alkohol. Nach acht Jahren ohne Veröffentlichung wurde 1975 das erste Kapitel von Answered Prayers im Esquire-Magazin abgedruckt. Hier beschrieb er intimste Geheimnisse der High Society, was in einem Selbstmord und zahlreichen gekündigten Freundschaften und Capotes gesellschaftlicher Ächtung endete. Er verfiel in Depressionen. Am 25. August 1984 starb er vereinsamt in Los Angeles. (Quelle: Wikipedia)

Nederlandstalig! Simone van der Vlugt – Klassentreffen

flagge„Warum bin ich hergekommen? Was wollte ich damit erreichen? Habe ich etwa geglaubt, es könnte reinigend oder befreiend sein?

Beides ist nicht der Fall. Es ist verwirrend, eine schmerzliche Konfrontation, ein einziger großer Irrtum.

Vielleicht bringt es mir wenigstens etwas mehr Klarheit. Ich weiß aber nicht, ob ich dafür schon bereit bin.“ (11/12)

Ein Aufruf zum Ehemaligentreffen ihres Gymnasiums bringt alte Erinnerungen, oder besser Erinnerungsfetzen, in Sabine hoch. Als sie fünfzehn war, ist ein Mädchen ihrer Stufe, ihre Kinderfreundin Isabel, spurlos verschwunden. Sie selbst hat keinerlei Erinnerungen an diese Zeit. Normal, wenn man etwas so Schreckliches erlebt hat, dass das Gehirn es einfach ausblendet, so ihr Psychotherapeut.

Diesen konsultierte sie wegen eines Burn Outs vor einem Jahr, als ihr die Sekretariatsarbeit über den Kopf wuchs. Nun ist sie auf dem Weg der Besserung und fängt wieder an, halbtags zu arbeiten. Sie ist jedoch alles andere als willkommen, ihr Job wurde übernommen und nicht wieder hergegeben. Immer noch sehr schlapp und lustlos, manövriert Sabine sich durch die Tage.

Dann trifft sie Olaf wieder, ein ehemaliger Freund und Klassenkamerad ihres Bruders. Es funkt zwischen den beiden, und langsam bekommt Sabine wieder mehr Lebensfreude, alles scheint etwas einfacher zu werden. Doch damit beginnen auch die Erinnerungen wiederzukommen. Stückchenweise, Häppchen für Häppchen, Fetzen für Fetzen begibt sich in ihr Gedächtnis zurück. Nur weiß sie nicht, wo sie die einzelnen Stücke einordnen soll.

Ihre Freundschaft zu Isabel bekam irgendwann einen Knacks, ihre beste Freundin wandte sich gegen sie und schikanierte sie nur noch. Das blieb nicht unbemerkt, auch wenn Sabine schwere Zeiten hatte, halfen ihr doch diverse Personen. Ihr Bruder zum Beispiel, der nach der Schule auf sie wartete, damit sie sicher nach Hause kam. Oder der Hausmeister, der ihr in den Pausen half, oder wenn ihr Rad platt war.

Und dann war da noch Bart, ihre große Liebe, der ihre Beziehung vor allen geheim hielt. Ganz wie Olaf, der nun vor ihr verheimlicht, dass er Isabel gekannt hat, gut sogar. Und der ein sehr eifersüchtiger und besitzergreifender Mensch ist.

So kommt ein Puzzlestück nach dem anderen zurück in Sabines Leben, und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Niemand scheint ihr Glauben zu schenken, alle meinen, sie solle die alten Geschichten ruhen lassen. Aber wenn der Damm einmal gebrochen ist, dann gibt es kein Zurück mehr…Klassentreffen

Klassentreffen ist einer der spannendsten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Am Ende entwickelte er sich regelrecht zum Pageturner, ich habe ihn nicht mehr aus der Hand gelegt. Simone van der Vlugt versteht es hervorragend, ihre Leser gemeinsam mit der Protagonistin aufs Glatteis zu führen, immer nur kleine Hinweise zu geben und somit die Hände an die Seiten zu schweißen.

Es handelt sich hier nicht um große Literatur, aber die braucht man ja auch nicht immer. Manchmal braucht man einfach eine Geschichte, die den Leser in ihren Bann zieht, die spannend ist und unterhält. Und all dies erhält man hier. Wer also spannende und „süffige“ Unterhaltungsliteratur braucht, der möge sich getrost diesen Roman zulegen. Ich habe es nicht bereut und werde ihn weiterreichen.

Simone van der Vlugt wurde am 15. Dezember 1966 in Hoorn geboren. Erfolgreich wurde sie als Autorin von historischen Jugendromanen. Klassentreffen war ihr Debütroman, er stand wochenlang an der Spitze der niederländischen Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman, Schattenschwestern, eroberte ebenfalls die Bestsellerliste. Simone van der Vlugt lebt mit Mann und zwei Kindern in Alkmaar.

Simone van der Vlugt: Klassentreffen. Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. Diana Verlag München, 2006. OA: De reünie, Anthos Amsterdam, 2004. 384 Seiten.

Buch #59: Dashiell Hammett – Der Malteser Falke

Privatdetektiv Sam Spade nimmt eines Morgens mit seinem Partner den Auftrag einer jungen Dame, Miss Wonderly, an, die den Mann sucht, der ihre Schwester verführt hat. Spades Partner beginnt mit der Beschattung des Mannes, Floyd Thursby, und um zwei Uhr nachts klingelt Spades Telefon: Beide sind tot.

Die Polizei ist schnell involviert, es scheint, Thursby habe Spades Partner erschossen, aber wer für Thursbys Tod verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel. Spade kooperiert nicht mit der Polizei und unternimmt seine eigene Untersuchung, die zuerst zu Miss Wonderly führt. Diese bittet ihn um Hilfe und Schutz, sei sie doch bestimmt die nächste, hinter der der Killer her ist. Und so nimmt eine Kriminalgeschichte den Anfang, die viele Wendungen macht.

Miss Wonderly ist nicht Miss Wonderly, aber tatsächlich wird sie gesucht. Denn sie weiß etwas, das sie nicht preisgibt, auch nicht Spade gegenüber. Sie weiß von dem schwarzen Vogel, dem Malteser Falken. Dieser ist eine wertvolle Statuette, und keiner von denen, die ihn jagen, weiß, wo er ist. Auch Miss Wonderly will von Spade, dass er den Vogel für sie findet. Ebenso wie die anderen Jäger der Statuette.

Und so hängt Sam Spade sein Fähnchen nach dem Wind. Mal kooperiert er hier, um einen Hinweis zu erhalten, mal macht er dort einen Schritt auf seine Kontrahenten zu, um die Wahrheit zu finden. Aber noch öfter macht er das, was ihm den schnellsten Vorteil bringt: er wendet Gewalt an. Und so kommt er Stückchen um Stückchen weiter, und der Leser mit ihm, aber der Leser weiß nie, worum es Sam Spade wirklich geht: Der Auflösung des Falls oder dem Besitz des Falken?

Er handelt immer opportunistisch, man kann ihn nie einschätzen. Und das ist der heutige Krimileser eher nicht gewohnt, hat man doch immer einen Ermittler, der ganz klar „gut“ ist, und einen Mörder, der ganz klar „schlecht“ ist. Bei Hammett gibt es das nicht. Man weiß nie, woran man ist, und welche Wendung die Geschichte als nächstes nehmen wird.

Das macht den Roman sehr spannend bis zum (unerwarteten?) Schluss, aber es hat auch eine negative Seite: Man bleibt der Hauptfigur fern, immer wieder windet sie sich aus des Lesers Griff, und es ist nicht möglich, Sympathie aufzubauen. Das ist verwirrend, weiß man irgendwann doch nicht mehr, zu wem man halten und wer den Vogel finden soll. Aber es ist auch realistisch, denn so sind die Menschen: Keine Schablonen, sondern sowohl „gut“ als auch „böse“.

Die Geschichte wird durch die vielen Wendungen spannend und hält diese Spannung bis zum Schluss. Interessanter ist an dem Roman aber die widersprüchliche Hauptfigur, die man nicht so oft geliefert bekommt. Und so kann ich jedem empfehlen, dieser Geschichte ein wenig Zeit zu schenken, ist die Erzählweise doch eine nicht alltägliche. Hammetts realistische Art zu schreiben bewirkt darüber hinaus, dass sich der Leser sehr gut in die jeweilige Kulisse hineinversetzen kann, es ist beinahe, als sehe man einen Film.

Der Malteser Falke gilt als einer der ersten Kriminalromane des Realismus, und Raymond Chandler sagte über ihn: „Hammett gab den Mord den Leuten zurück, die Grund haben, zu morden, und nicht nur da sind, um eine Leiche zu liefern.“ Man höre also auf Raymond Chandler und mich und lese diesen ungewöhnlichen Kriminalroman.

Quelle: Wikipedia

Samuel Dashiell Hammett wurde am 27. Mai 1894 in Maryland geboren. Nachdem er mit 13 die Schule verließ, wurde er Angestellter in der Detektivagentur Pinkerton. Diese Arbeit floss in seine Bücher ein. Seine Figuren sind aber zumeist Antihelden, allen voran Sam Spade. Noch vor Raymond Chandler gilt er als Begründer der hardboiled novel. Er war verheiratet und hatte zwei Töchter, seine große Liebe jedoch war die Dramatikerin Lillian Hellman. Er nahm an beiden Weltkriegen teil, aber aufgrund seiner Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei geriet er in die Mühlen der McCarthy-Ära. Er war im Gefängnis, und sein Vermögen wurde beschlagnahmt. 1953 musste er vor der McCarthy-Kommission aussagen, was im Fernsehen übertragen wurde. Seine Rundfunkbeiträge wurden gestoppt, seine Geschichten nicht mehr gedruckt. 1955 hatte er einen Herzanfall und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er starb 1961 verarmt und wurde in Arlington beigesetzt.

Dashiell Hammett: Der Malteser Falke. Neu übersetzt von Peter Naujack. OA: The Maltese Falcon, 1930, Alfred A. Knopf, Inc., New York. DA: Diogenes Verlag AG Zürich, 1974. 235 Seiten.

Simon Beckett – Der Hof

Südfrankreich. Es ist Sommer, und glühende Hitze umfängt Sean. Er lässt das Auto, in dem er hierher fuhr, irgendwo stehen und geht zu Fuß weiter. Immer mit einem Blick über die Schulter. Auf einmal umfängt ihn ein grauenvoller Schmerz: er ist in eine Falle getreten. Und kann sich nicht befreien.

Als Sean wieder zu sich kommt, liegt er mit dick einbandagiertem Fuß in einer Scheune. Er weiß nicht, wo er ist und was geschehen ist. Mathilde, die ältere Tochter des Hofbesitzers, bringt ihm Nahrung und kümmert sich um seinen Fuß, und nach und nach bekommt er einige Details zusammen. Nur erfährt er nichts über seine ‚Gastgeber‘, Mathilde, ihre Schwester Gretchen, und ihr Vater Arnaud.

Es dauert, bis er sich wieder einigermaßen fortbewegen kann. Dann macht Arnaud ihm das Angebot, den maroden Hof wieder ein wenig auf Vordermann zu bringen, Wände neu zu mauern und ihm zur Hand zu gehen. Sean nimmt das Angebot an.

Denn es gibt noch eine Geschichte, die parallel erzählt wird. Die Geschichte, warum Sean überhaupt in Südfrankreich ist. Und warum er einiges darum gibt, dass niemand seinen Aufenthaltsort kennt. Und so scheint eine Hand die andere zu waschen, Sean hilft den Hofbewohnern im Gegenzug zu einem abgeschiedenen Rückzugsort.

Doch mit der Zeit fallen Sean einige Ungereimtheiten auf… Wem hat der Arbeitsanzug gehört, den er nun trägt? Warum reagieren die Leute im Dorf so aggressiv auf den Namen Arnaud? Wer ist der Vater von Mathildes Kind? Sean ist nicht mehr sicher, ob das Angebot eine so gute Lösung seiner Probleme ist…

Es ist schon einige Jahre her, als ich die David-Hunter-Reihe von Beckett las, aber ich habe mich damals sehr gut unterhalten gefühlt, die Romane waren spannend und anscheinend gut recherchiert, mit interessanten Plots und Figuren. Deshalb bekam ich nun „Der Hof“, als ich krank war und mich nicht so gut konzentrieren konnte, quasi ein Tröste- und Ablenkungsbuch.

Und als solches hat es seinen Zweck ganz hervorragend erfüllt. Wenn man nun aber ganz bei sich ist, bin ich mir nicht so sicher. Beckett schreibt in seiner Danksagung, er habe für diesen Roman unverhältnismäßig lange gebraucht, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Grundsätzlich hätte die Story auf die Hälfte eingestampft besser funktioniert, da die Spannung wohl größer und die Handlung schneller gewesen wären. So aber ist man in einer klebrigen Hitze auf einem abbruchreifen Hof in Südfrankreich gefangen, wo etwas passiert sein könnte oder nicht.

Die Hitze und die damit einhergehende Trägheit überträgt sich auf die Handlung. Sie geht nur sparsam voran, und wenn ich normal gelesen hätte, hätte ich wahrscheinlich nicht die Geduld dazu gehabt, zu Ende zu lesen. Auch die häppchenweise Anordnung des zweiten Handlungsstrangs macht dies nicht besser, im Gegenteil, das Gefühl der Zähigkeit verstärkt sich eher noch. Am Ende wird man dann mit einem für mich nicht unbedingt überraschenden Ergebnis abgespeist.

Sie sehen schon, dieses Buch hat mich ziemlich unbeeindruckt zurückgelassen. Ich halte Simon Beckett für einen durchaus guten Krimi-Schriftsteller, aber hier hat er voll daneben gehauen. Eine äußerst zähe Geschichte mit blass bleibenden Figuren und einem nicht überraschenden Ende. Hervorragend, wenn man krank ist oder sich nicht so gut konzentrieren kann, ansonsten würde ich jemandem, der einen spannenden Kriminalroman von Beckett lesen möchte, doch zu seiner David-Hunter-Reihe raten.

Bild: rowohlt.de

Simon Beckett wurde am 20. April 1968 in Sheffield, Großbritannien, geboren. Er hat nach seinem Master-Abschluss in verschiedenen Berufen gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Bei den Recherchen für seine Romane hat er die Polizeiarbeit genau kennengelernt. Ebenso hat er intensiv auf der Body Farm der University of Tennessee recherchiert, was in seine David-Hunter-Reihe eingeflossen ist, die von einem Forensiker handelt. Er hat den Marlowe-Award erhalten und war für den Dagger-Award nominiert. Er lebt mit seiner Frau in Sheffield.

Simon Beckett: Der Hof. Aus dem Englischen von Juliane Oahnke. OA: „Stone Bruises“, 2014. DA: Rowohlt Taschenbuchverlag, 2015

David Peace – 1974

Es ist Freitag, der 13. Dezember 1974. Der Tag, an dem Edward Dunfords Vater begraben wird. Und der Tag, an dem er seinen neuen Job antritt, die heißersehnte Stelle als Gerichtsreporter. Er wird als erstes zu einer Pressekonferenz der Polizei beordert, die bekannt gibt, dass die 10jährige Clare Kemplay auf dem Heimweg von der Schule verschwunden ist. Es gibt keinerlei Hinweise, wo sie sein könnte. Alle machen sich Sorgen, niemand macht sich große Hoffnungen.

Nach der Beerdigung seines Vaters geht Edward seine Recherchen an. Es ist eine andere Atmosphäre, als man sie aus heutigen englischen Krimiserien kennt, es gibt nicht viel O1974rdnung, der Preis für Informationen ist hoch, Befragungen finden unter Ausschluss jeder Öffentlichkeit, dafür unter Anwendung jeglicher Gewalt statt. Große Teile der Arbeit laufen in dreckigen Spelunken ab, überhaupt ist der Alkoholkonsum immens. Natürlich ist immer eine Kippe zwischen den Lippen. Edward findet also bei seinen Recherchen heraus, dass Clare nicht das erste Mädchen ist, das in den letzten Jahren verschwand. Es gab mehr, im Abstand von ein paar Jahren.

Wem immer er dies sagt, reagiert skeptisch. Niemand geht darauf ein, aber er scheint gehört zu werden. Er bekommt neue Hinweise, für die er in dunkler Nacht an zwielichtige Orte bestellt wird, er wird Zeuge grausamer Ablenkungsmanöver, und nicht zuletzt bezahlt er einen hohen körperlichen Preis für seine Informationen. Und er ist nicht der einzige, der bezahlt. Jeder, der involviert ist, der seine Nase zu tief in die Angelegenheit steckt, bezahlt einen hohen Preis.

Langsam wird die Gewalt immer mehr, der Preis immer höher. Das bedeutet wohl, dass er auf der richtigen Spur ist… doch was ist der ultimative Preis, den Edward bezahlen muss, um die Wahrheit herauszufinden? Und will er sie überhaupt noch wissen?  Denn er hat schon so vieles geopfert – seine körperliche Unversehrtheit, seine geistige Gesundheit, und dann sind da auch noch seine Familie und nicht zuletzt zwei Frauen…

„1974“ ist einer der härtesten Romane, die ich je gelesen habe. Das war auch so angekündigt, und ich nehme an, deswegen ist Peace‘ Quartett so erfolgreich gewesen: er erzählt schonungslos eine grausame Geschichte. Die Polizeistrukturen im England der 70er und 80er Jahre werden bloßgelegt, die Korruption, die Gewalt, dieses „alles-tun-um-ein-Ergebnis-zu-erzielen“, und trifft es einen Unschuldigen – Pech gehabt. Nicht nur das, um von sich abzulenken, werden andere Personengruppen beschuldigt. Was hier passiert, hat mich doch sehr schlucken lassen. Und dies war nicht das einzige Mal, dass mir ein wenig schlecht wurde. Alle Aspekte dieser grausamen Geschichte werden im Detail dargestellt. Das ist für geübtere Krimileser als ich einer bin wahrscheinlich nicht so ungewöhnlich, für mich jedoch war es das.

Dennoch muss ich sagen, dass dieser Roman einen Sog entwickelt. Wie eine Schlingpflanze hält er den Leser fest und zieht ihn in den Abgrund. Man kann sich winden, so sehr man möchte, doch sie hält nur an, um ein weiteres Detail vorzuzeigen. Und dann geht es weiter, immer tiefer und immer tiefer, bis man nicht mehr weiß, wem man noch trauen kann und wem nicht. Ich hatte den Eindruck, dass Edward Dunford ein recht unzuverlässiger Erzähler ist, mit fortschreitendem Alkoholkonsum und fortschreitender körperlicher Degeneration werden die Aussagen unzuverlässiger, verschwimmen. Bis man am Ende da sitzt und nach Luft schnappt, froh, die letzte Seite umblättern und dem Sog entkommen zu können, aber auch im Bewusstsein, ein mächtiges Stück Literatur konsumiert zu haben, das man so schnell nicht vergisst.

Teil 2, „1977“, liegt seit dieser Woche bereit. Wenn mein Magen sich richtig anfühlt, geht es weiter.

Auch hier habe ich einen TV-Tipp, der die Polizeiarbeit im England der 1970er und 1980er Jahre anschaulich macht: es ist „Life on Mars“ und der daran anschließende Nachfolger „Ashes to Ashes“. Diese beiden Serien habe ich auch atemlos verfolgt, wobei das Buch um einiges härter war. Wer aber Interesse an einer Serie hat, die ebenfalls mit einem großem Clou endet, möge sie sich anschauen, aber nicht zu viel Wikipedia lesen, das verdirbt die Überraschung.

David Peace wurde 1967 in Ossett, West Yorkshire, geboren. Er studierte in Manchester und lebte nach seinem Studium viele Jahre in Istanbul und Tokio, bevor er nach England zurückging. Er hat eine japanische Frau und zwei Söhne. „1974“ ist der erste Teil des „Red Riding Quartett“, das aus den Teilen „1974“, „1977“, „1980“ und „1983“ besteht. Hier entwickelt er eine Geschichte um Polizeikorruption, die er vor dem Hintergrund der realen Morde des „Yorkshire Rippers“ Peter William Sutcliffe entwickelt. Peace‘ Romane basieren fast alle auf realen Ereignissen. Im Moment schreibt er an einer Kriminalromanserie, die in Tokio angesiedelt ist. Er hat zahlreiche Preise gewonnen.

 David Peace. Foto: Eamonn McCabe

David Peace. Foto: Eamonn McCabe

In meiner Liste steht tatsächlich nur „1977“, aber natürlich möchte ich alle Teile lesen, und diese in der richtigen Reihenfolge. Dementsprechend stelle ich hier den ersten Teil vor.

David Peace: 1974. Aus dem Englischen von Peter Torberg. OA 1999. DA Wilhelm Heyne Verlag, München, 2006. 384 Seiten.