Christine Féret-Fleury: Das Mädchen, das in der Metro las (mit Gewinnspiel) **Werbung**

Wer dem DuMont Buchverlag auf Instagram folgt, hat diese Woche bestimmt von der Instagram-Challenge #DieWochederBücher gelesen. Die Tagesaufgaben haben sich an dem Roman „Das Mädchen, das in der Metro las“ von Christine Féret-Fleury orientiert.

Juliette fährt jeden Tag mit der Metro zur Arbeit und beobachtet die Menschen um sich herum, hierbei vor allem deren Lektüre. Oder sie taucht in ihre eigene Lektüre ein. Sie lebt allein und hat Schwierigkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Eines Tages steigt sie aus einer Laune heraus zwei Stationen früher aus der Metro und findet sich in einem Haus voller Bücher wieder.

Hier lebt Soliman mit seiner Tochter Zaïde, inmitten von Unmengen an Büchern, Regale voller Bücher, Bücherstapel, Bücher über Bücher. Sie unterhalten sich und Juliette findet heraus, dass Soliman daran glaubt, dass jedes Buch das Potential hat, das Leben eines Menschen zu verändern.

Er sendet Bücherboten aus, die die Menschen beobachten und ihnen das für sie geeignete Buch geben sollen. Auch Juliette wird zur Bücherbotin und ihr Leben verändert sich daraufhin sehr…

Als ich von der Aktion erfuhr, war ich neugierig und habe mich um einen Job als Bücherbotin beworben. Ich las den Roman, der einen Hauch vom Flair der Amelie mit sich bringt, sehr gerne. Leider geht er mit aber nicht genug in die Tiefe, die Geschichte flattert luftig-leicht vor sich hin, hat bei mir aber leider nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Daher habe ich beschlossen, nicht nur das Bücherboten-Exemplar zu verlosen, sondern auch meine (allerdings nun schon gelesene) Kopie ebenfalls herauszusenden, in der Hoffnung, dass ich zwei Menschen eine Freude mit diesem Buch machen kann.

Was Ihr dafür tun müsst? Beantwortet einfach bis zum 8.6.2018 folgende Frage in den Kommentaren:

Welches Buch hat zuletzt Euer Leben „verändert“? 

 

  • Teilnahme- und Datenschutzbedingungen
    Durch die Teilnahme an diesem Gewinnspiel bestätigt der Teilnehmer, dass er sich mit diesen Teilnahmebestimmungen sowie insbesondere der Erhebung, Speicherung und Verwendung personenbezogener Daten zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels einverstanden erklärt. Diese Daten werden nach Durchführung des Gewinnspiels gelöscht.
    (1) Der Gewinnspielzeitraum beschränkt sich auf den Zeitraum vom 3.6.2018 bis zum 8.6.2018. (2) Der bzw. die Gewinnerin wird aus den Teilnehmern, die sich mit einem Beitrag an der Aktion beteiligt haben, per Los bestimmt.
    (3) Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt und sind mit der Veröffentlichung ihrer Namen einverstanden. (4) Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. (5) Der Gewinner ist verpflichtet, sich innerhalb einer angemessenen Frist (spätestens jedoch innerhalb von 2 Wochen) nach dem Absenden der Gewinnbenachrichtigung via Mail bei mir zu melden. Anderenfalls verfällt der Anspruch auf den Gewinn. (6) Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre, wohnhaft in Deutschland, Österreich und / oder der Schweiz. (7) Jeder Haushalt darf nur einmal teilnehmen. (8) Der Veranstalter ist berechtigt, Teilnehmer, die gegen diese Teilnahmebedingungen verstoßen, von der Teilnahme auszuschließen. (9) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
    Bitte beachtet meine Datenschutzhinweise.

Ich danke dem DuMont Buchverlag für die Bereitstellung der Bücher.

Christine Féret-Fleury: Das Mädchen, das in der Metro las. Aus dem Französischen von Sylvia Spatz. DuMont Buchverlag, Köln, 2017. OA: La fille qui lisait dans le métro. Éditions Denoel, 2017. 175 Seiten.

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David Mitchell – Die Knochenuhren

Meine Lieben,

mir ist etwas passiert, das schon einigen von Euch auch geschehen zu sein scheint, das ich bisher aber immer als „Ich-doch-nicht!“ abgetan habe: Ich habe eine Lese- und vor allen Dingen Schreibflaute gehabt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob sich das jetzt wieder gelegt hat, aber ich habe meinen Blog und somit auch Euch schon ziemlich vermisst. Ich habe trotzdem in der Zeit ein paar, wenn auch nicht viele, Bücher gelesen und beabsichtige, diese in den nächsten Wochen zu resensieren. Das erste davon hat mir eine liebe Kollegin geliehen, und es zog mich einigermaßen aus der Flaute heraus. Here we go.

Ich habe damals David Mitchells Wolkenatlas sehr geliebt, und auch sein Roman „Der dreizehnte Monat“ hat mir sehr gut gefallen. Nun bekam ich also die „Knochenuhren“ in die Finger und einmal mehr bin ich überrascht von Mitchells vielschichtiger Schreibe.

Wie der Wolkenatlas auch ist dieser Roman in mehrere Geschichten unterteilt, die in den 1980ern beginnen und bis in die Zukunft im Jahr 2043 reichen. Jede Geschichte wird von einer anderen Person erzählt, ist aber mit den anderen verknüpft. Es beginnt nun also in den 80ern, als ein wütender Teenager namens Holly Sykes von zu Hause wegläuft, weil die Eltern ihren Freund nicht gutheißen. Warum dies so ist, wird Holly schnell herausfinden, und sie läuft einfach weiter. Unterwegs trifft sie einen Bekannten aus der Schule, der ihr weiterhilft, und eine geheimnisvolle ältere Frau, die sie um etwas bittet. Am nächsten Tag jedoch bekommt sie eine schreckliche Nachricht, die ihr für den Rest ihres Lebens Schuldgefühle vermitteln wird…

Hugo Lamb ist College-Student, Schnösel und Schmarotzer. Er hat es in eine Gruppe von reichen Studenten geschafft und ist nun das Anhängsel mitten drin. In den Ferien in den Schweizer Alpen im Haus eines dieser „Freunde“ erlebt er sonderbare Dinge, die sein Leben komplett verändern werden…

Der Kriegsreporter Ed Brubeck war an den gefährlichsten Orten der Welt und hat unglaublich viel Schlimmes gesehen und erlebt. Dennoch kann er nicht von seiner Aufgabe, seiner Berufung lassen. Frau und Kind müssen zurückstecken, doch eines Tages erlebt er etwas, das ihn vollkommen aus der Bahn wirft…

Crispin Hershey ist Schriftsteller, er hatte in jungen Jahren einen Riesenerfolg und jagt diesem Ruhm seitdem hinterher. Er ist kein angenehmer Mensch, was ihn in eine ziemliche Isolation getrieben hat. Nur ein paar Bekannte hat er, die ihm weiterhelfen, aber Schuld und Sühne kann auch er nicht entkommen…

Zwischen all diesen Geschichten bestehen Zusammenhänge, unerklärliche Dinge geschehen, Menschen verschwinden spurlos, andere tauchen auf einmal wieder auf. Marinus, die Figur in der nächsten Geschichte, weiß einiges darüber, und über den großen Kampf, der ihnen bevorsteht…

Das letzte Kapitel schließt dann im Jahr 2043 an und ist etwas anders als die anderen. Zuerst war ich etwas irritiert, aber im Nachhinein hat mich dieses Kapitel am meisten beeindruckt. Tatsächlich gibt es mir immer noch zu denken und macht mich etwas paranoid, was ich unbedingt auf David Mitchells mitreißende Schreibe zurückführe. Dieses Kapitel ist, wie der ganze Roman, mitreißend und spannend geschrieben. Auch, wenn das Thema nicht unbedingt meins ist und ich vieles davon als, sagen wir einmal, „esoterisches Geschwurbel“ ansehe, war es ein spannender und unterhaltsamer Schmöker, der sich rasant weglesen ließ und mit einem Knallerkapitel endete.

Wieder einmal hat David Mitchell mir große Unterhaltung gegeben und gezeigt, dass er schreiben kann. Ich bin gespannt auf seine weiteren Bücher, und weiß, was ich bei einer eventuellen neuerlichen Leseflaute zu tun habe.

David Mitchell: Die Knochenuhren. Aus dem Englischen von Volker Oldenburg.Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, September 2017. OT: The Bone Clocks. Sceptre, London, 2014. 812 Seiten.

Rebecca Gablé – Die Fremde Königin

Der neue Roman von Rebecca Gablé, Die Fremde Königin, ist der zweite Teil zur deutschen Geschichte, nach Das Haupt der Welt. Er schließt im Jahre 951 an, ca. zwanzig Jahre nach den Geschehnissen des vorherigen Romans.

„Wenn Ihr leben wollt, müsst Ihr graben“, raunte der Mönch in dem ausgefransten, staubigen Habit.

Adelheid blickte nicht auf und ging weiter zur Kapelle, ohne ihren Schritt zu verlangsamen. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass der Mönch seinen Weg in entgegengesetzter Richtung fortsetzte – nicht hastig, nicht gemächlich, aber würdevoll, so wie Mönche eben gingen. Sie wusste trotzdem, dass dieser Mann nicht war, was er zu sein vorgab.

So wie alle Männer in ihrem Leben.“ (13)

Dies sind die ersten Sätze. Adelheid von Burgund, Königin von Italien, wird von einem Widersacher festgehalten, der sie zwingen will, seinen Sohn zu heiraten, um diesen so zum König zu machen. Adelheid weigert sich, weiß jedoch nicht, wie lange sie noch durchhält, ist doch ihre Tochter mitgefangen. Und so nimmt sie den Rat des Mönches an und gräbt. Es folgt eine abenteuerliche Flucht, die sie schließlich an den Hof König Ottos führt. Sie wird seine Frau.

 

Gaidemar, Adelheids Fluchthelfer, ist als Bastard aufgewachsen und weiß nicht, wer seine Eltern waren. Er genoß eine gute Ausbildung und ist nun Mitglied der Panzerreiter, einer Elitetruppe im Heer König Ottos. Ihre gemeinsame Flucht schweißt die beiden zusammen, und er wird Adelheids wichtigster Berater. Doch seine Liebe zu ihr muss er verbergen.

Es ist eine unruhige Zeit, immer wieder versuchen innere und äußere Feinde, König Otto vom Thron zu stoßen oder ihm Teile seines Königreichs abzujagen. Die Ungarn fallen von außen über das Reich her, doch auch im Inneren brodelt es, auch in König Ottos engstem Umfeld werden Intrigen gegen ihn und die seinen gesponnen, die nicht selten mit dem Leben bezahlt werden…

Rebecca Gablé hat mit Die Fremde Königin ein weiteres Mal bewiesen, dass sie ihr Handwerk versteht. Die von meiner Seite lang erwartete Fortsetzung zur deutschen Geschichte (der vorige Roman war ja wieder ein Waringham), schließt nicht unmittelbar an, wo die Geschichte aufhörte, und auch die Personen kommen nur am Rande vor. Wieder entwirft sie jedoch ein opulentes Bild davon, wie es gewesen sein mag, und man kann sich die Welt von damals durchaus so vorstellen.

Und was kann die Frau Schlachten schreiben! Auch hier liest man wieder atemlos, wie die Heere aufeinandertreffen, wie eng Sieg und Niederlage beieinanderliegen und oft gar nicht zu unterscheiden sind. Szenen wie diese haben mich aber diesmal dafür entschädigen müssen, dass ich nie so richtig Zugang zu den Figuren fand. Ich fieberte und litt nicht mit wie damals mit Tugomir, hoffte nicht so, bangte nicht so. Das tut mir immer sehr leid bei einem großen Unterhaltungsroman, der meiner Ansicht nach ja genau davon lebt.

Aber wie immer hat Rebecca Gablé natürlich genau das hingelegt: einen weiteren großen historischen Unterhaltungsroman, der Geschichte so schreibt, wie sie gewesen sein könnte. Sie recherchiert ihre Romane akribisch und die Beschreibungen der Gegebenheiten – sei es Landschaft, sei es Gebäude – vermag sie immer in die damalige Zeit zu transferieren.

Diese historischen Romane sind in meiner Familie so etwas wie Wanderpokale, jeder Gablé wird ebenso wie jeder Follett von einer Hand in die nächste gereicht. Ich belasse es normalerweise bei diesen beiden, habe dieses Jahr aber somit den Jackpot von insgesamt ca. 2000 Seiten gezogen (die Besprechung vom Follett folgt in Kürze). Und auch wenn Die Fremde Königin bei mir nicht so punkten konnte wie Das Haupt der Welt, habe ich mich doch gerne wieder auf ihre Sicht der damaligen Zeit eingelassen und angenehme Lesestunden verbracht. Ich hoffe, sie wird die Reihe weiterführen, denn es folgt ja noch einiges an interessanten Dingen – ich sage nur Barbarossa.

Eines ist mir jedoch bitter aufgestoßen, und das ist das Nachwort. Ich finde es erschreckend und verstörend, dass eine Autorin historischer Romane sich davon distanzieren muss, von bestimmten Gruppen vereinnahmt zu werden. Sie schreibt über einen König, der ein großes Reich unter sich hatte, was anscheinend von nationalistischen Wirrköpfen dazu missbraucht wird, als Beleg für die Überlegenheit des deutschen Volkes zu dienen. Mir wäre dieser Gedanke mal wieder nicht im entferntesten gekommen, dienen solche Romane für mich doch zur Unterhaltung, die mir ein paar historische Fakten liefert zusammen mit einem Bild, wie es gewesen sein könnte. Nicht mehr und nicht weniger. Ich hoffe, Frau Gablé lässt sich sich nicht davon abschrecken und schreibt diese Reihe weiter, damit sich um so mehr Menschen ein eigenes Bild machen und eine eigene Meinung bilden können – oder zumindest einen Ansatz dazu finden.

Rebecca Gablé: Die Fremde Königin. Bastei Lübbe AG, Köln, 2017. 763 Seiten.

Hier geht es zu der Besprechung von Der Palast der Meere von Rebecca Gablé.

Bernhard Blöchl – Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint

Wenn im Leben mal viel los ist, was den Kopf nicht so ganz in Ruhe lässt, ist es manchmal etwas schwierig mit sperriger Lektüre. Dann kann eines dieser Feel-Good-Bücher helfen, eine Story, die mit Irrungen und Wirrungen spielt, bei der man aber doch immer weiß, wohin sie führen wird, ein Pendant zu einer RomCom.

Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint ist eines dieser Bücher. Die Story handelt von Knoppke, einem Mann in seinen Vierzigern, der sich und sein Leben aufgegeben hat. Er arbeitet bei einer Security-Firma, was bedeutet, dass er Fußballspiele mit dem Rücken sieht. Seine Freundin sieht er auf dem Rücken liegen, aber unter jemand anderem. Und da platzt ihm der Kragen. Er setzt sich in seinen Fast-Bulli, lässt sein Fast-Leben hinter sich und fährt los. Sein Ziel: die Highlands, wo er auf Ruhe hofft.

Er ist noch nicht weit gekommen, als sich Sam, Anfang zwanzig, von ihm absolut ungewollt zu ihm gesellt. Doch alles Sträuben nützt Knoppke nichts, Sam ist da und bleibt. Und so machen sich die beiden auf den Weg, Richtung Schottland. Und eine Geschichte mit buchstäblich vielen Höhen und Tiefen nimmt ihren Lauf. Ob der knorrige Knoppke und die lebenslustige Sam sich am Ende zusammenraufen und welche Erkenntnisse auf ihrem Weg auf die beiden warten, das mag jeder für sich herausfinden.

Als ich bei Birgit von Sätze&Schätze von diesem Roman las, dachte ich mir schon, dass er was für mich sein könnte, wenn ich meine Gedanken nicht ganz so fokussiert bekomme. Ein Unterhaltungsroman, ein Road Movie, jemand, der nach Antworten sucht? Aber bitte, her damit!

Und ich bin gut unterhalten worden. Es waren vielleicht einige Hin- und Hers zu viel, und auch die Sprache war nicht ganz meine Kragenweite in dem Sinne, dass es manchmal vielleicht etwas zu ausschweifend für mich persönlich war – aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, abschalten zu können, in einen Roman einzutauchen, der einen schmunzeln lässt und vielleicht sogar das ein oder andere Mal zum Nachdenken anregt. Das ist Bernhard Blöchl hier gelungen. Und manchmal ist das ja auch genau richtig bzw. das, was man gerade braucht. Wer also etwas gute Unterhaltung braucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Bernhard Blöchl: Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint. Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017. 272 Seiten.

Ich danke dem Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Bild: Alexandra Pilz via piper.de

Bernhard Blöchl, Jahrgang 1976, ist Autor und Journalist aus München. Als Redakteur der Süddeutschen Zeitung befasst er sich mit Kultur in München und Bayern, seine Themen sind Film, Literatur und Pop- Blöchl schreibt Unterhaltungsromane und betreibt unter lieblingssaetze.de ein virtuelles Museum der schönen Sätze. (Klappentext)