Ankündigung: September ist Niederlande-Monat

Liebe Leser, flagge

zum Endspurt auf die Frankfurter Buchmesse werde ich einen weiteren Niederlande-Monat auf meinem Blog, im Rahmen meines nederlandstalig! -Projektes, einbauen. Aus der Fülle der Neuerscheinungen zur Buchmesse haben auch ein paar Werke den Weg in mein Regal gefunden, die ich gerne vorstellen möchte, ebenso wie einige ältere Bücher, als Appetithäppchen sozusagen.

Es erwarten Euch Bespechungen zu

nina

 

Nina Weijers – Die Konsequenzen

 

 

 

 

 

 

willem

 

Willem Frederik Hermans – Die Dunkelkammer des Damokles

 

 

 

 

 

leon

 

Leon de Winter – Geronimo

 

 

 

 

Im Wald von Marcel Moering

 

Im Wald von Marcel Moering

 

 

 

 

 

Mal sehen, wie weit ich komme, es stehen noch ein paar weitere Bücher im Regal. Ich hoffe, ich wecke Interesse oder Vorfreude, und kann schon einmal soviel versprechen: Einen Schatz habe ich schon geborgen!

Buch #63: Nadine Gordimer – July`s Leute

„Warum kommen sie hierher? Warum zu uns?“ (S. 29)

Diese Frage stellt July`s Frau Martha ihm, als er in seinem Heimatdorf auftaucht und seine „weiße Familie“ mit sich bringt. Diese Familie ist die Familie Smales, bestehend aus Bam und Maureen, mit ihren drei Kindern Gina, Royce und Victor. Sie mussten aus der Stadt fliehen, da die Rassenunruhen, bei denen die Schwarzen die Macht übernehmen sollten, zu nahe kamen.julys leute

July, ihr Boy (so bezeichnet er sich selbst) hat sie in ihren Geländewagen gepackt und ist mit ihnen in sein Heimatdorf geflohen. Er hat ihnen die Hütte seiner Mutter gegeben und ein paar Sachen fürs tägliche Leben. Er hilft ihnen aus, bringt ihnen Tee oder Feuerholz. Er ist immer noch ihr Diener.

Nun ist die Familie Smales im Niemandsland gelandet, ein kleines Dorf mit ein paar Hütten, in dem sich die Menschen von dem kargen Land ernähren und mit dem, was sie haben, zurechtkommen. Sie jedoch sind völlig aufgeschmissen. Sie kennen die Pflanzen nicht, die Tiere nicht, haben kein Immunsystem, das das Flusswasser abwehren kann, und einer ihrer größten Besitztümer ist eine hastig auf der Flucht eingesteckte Rolle Toilettenpapier.

Doch sie richten sich ein. Ein Radio liefert spärliche Informationen über den Zustand in der Stadt, doch stets bleibt die Hoffnung bestehen, wieder zurückgehen zu können, dass dies nur ein vorübergehender Zustand ist, den man aussitzen kann. Doch es zieht Tag um Tag, Nacht um Nacht an ihnen vorbei, ohne, dass sich etwas an ihrer Situation ändert, ohne, dass es Neuigkeiten gibt.

Was sich ändert, sind die Personen. Die Kinder passen sich schnell an, freunden sich mit den Kindern des Stammes an und werden zu ihresgleichen. Anfangs noch mit Händen und Füßen, sprechen sie bald in einer Sprache, die sie alle verstehen, übersetzen auch für die Eltern. Sie verwildern, nehmen dieses neue Leben jedoch großenteils einfach hin.

Für ihre Eltern ist es schwieriger. Sie hatten immer von sich gedacht, tolerante Menschen zu sein, gut für ihre Angestellten zu sorgen. Keine abfälligen Worte fielen in ihrem Haus, sie „zeigten jedem Respekt“, gaben July Freiheiten und vertrauten ihm. Und nun vertrauen sie ihm ihr Leben an, sind vollkommen von ihm abhängig.

Am Anfang bleibt das Arbeitgeber-Arbeitnehmer- oder das Herr-und-Boy-Verhältnis noch einigermaßen bestehen. Doch je weiter die Zeit schreitet, desto weniger bleibt davon übrig. July übernimmt Aufgaben, Verantwortung und schließlich das Auto der Familie. Die Smales finden sich all dessen beraubt, was sie einst ausgemacht hat, und versinken in einer tiefen Sprachlosigkeit. Es gibt nichts zu besprechen, sie bleiben stumm, das Leben ist auf das Körperliche reduziert, und sie nehmen sich ganz anders wahr in der Welt.

Aber auch für Julys Familie bedeuten die Geschehnisse einen tiefen Umschwung. Er ist auf einmal immer da, wo er zuvor nur alle zwei Jahre zu Besuch kam. Er schickte Geld, das nun nicht mehr kommt, und seine Frau, die vorher an ihren Briefen feilte und nur die wirklich wichtigen Sachen mit ihm teilte, ist nun täglich mit ihm konfrontiert.

Nadine Gordimer hat mit ihrem schmalen Roman Julys`s Leute eine eindringliche Charakterstudie verfasst. Er handelt zwar von einer großen Revolution, einem großen Umbruch, aber das eigentliche Thema sind die Menschen, die davon betroffen sind. Sie nimmt Personen von beiden Seiten, die sich plötzlich mit einer umgekehrten Situation konfrontiert sehen und sich also mehr oder weniger in der Welt des jeweils anderen einrichten müssen.

Das geht nicht konfliktfrei über die Bühne, und diese Konflikte schildert Gordimer hier. Aber mehr noch schildert sie eine große Sprachlosigkeit, einen Zustand, der geprägt ist von Angst und Hoffnungslosigkeit, und wie auf einmal alles anders wird, alles anders wahrgenommen wird. July`s Leute ist ein karges Buch, ein Roman, der ganz dicht bei den Menschen ist, in dem nicht viel und doch alles geschieht. Ein Buch, das sich zu lesen lohnt.

Nadine Gordimer: July`s Leute. Aus dem Englischen von Margaret Carroux. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, 1994. OA: July`s People. Jonathan Cape Ltd., London, 1981. 207 Seiten.

Photo: nobelprize.org

Photo: nobelprize.org

Nadine Gordimer wurde am 20. November 1923 in Springs, Transvaal, heute Gauteng (Südafrika), geboren. Ihre Romane, Erzählungen und Essays machten sie zu einer Autorin von Weltruf. Diese behandeln vor allem die südafrikanische Apartheidspolitik und deren Folgen für sowohl die schwarze als auch die weiße Bevölkerung. Sowohl in öffentlichen Auftritten als auch in ihren Werken setzte sie sich beharrlich für die Emanzipation der Schwarzen in ihrem Heimatland ein. Nadine Gordimer gilt als eine der wenigen modernen Autorinnen, denen es gelungen ist, politische Themen ohne ästhetische Einbuße in ihrem Werk zu verarbeiten. 1974 erhielt sie den Booker Prize, 1991 den Nobelpreis für Literatur. Sie starb am 13. Juli 2014 in Johannesburg.

Don Winslow – Tage der Toten

Adán erklärt ihr, vor welchen logistischen Herausforderungen er steht, und sie hört ihm aufmerksam zu. Er weiß nicht, wo er die Menge an Waffen hernehmen soll, die er braucht, um mit Tirofio ins Geschäft zu kommen. Es ist kein Problem, hier und da Gewehre zu bekommen – die USA sind ein einziger Waffenmarkt, wenn man so will-, aber die Stückzahlen, die er im Lauf der nächsten Monate braucht, gibt selbst der amerikanische Schwarzmarkt nicht her.

Und sie müssen über die USA geschmuggelt werden. Die Yankees sind zwar wie wild hinter Drogen her, aber die Mexikaner sind noch wilder, wenn es um Waffen geht. Beklagt sich Washington über den Zustrom von Drogen aus Mexiko, reagiert Mexiko mit Beschwerden über die Waffen, die aus den USA ins Land geschmuggelt werden. Dass die Mexikaner Feuerwaffen gefährlicher zu finden scheinen als Drogen, sorgt immer wieder für Zündstoff in den Beziehungen beider Länder. Die Mexikaner verstehen einfach nicht, warum in den USA die Kleindealer längere Haftstrafen bekommen als die großen Waffenschieber. (531)

Bild: suhrkamp.de

Tage der Toten ist die Geschichte eines 25-jährigen Krieges zwischen Art Keller, Drogenfahnder bei der DEA, und dem Barrera-Clan, den Königen des mexikanischen Drogenhandels. Der „Tag der Toten“ ist ein hoher mexikanischer Feiertag, an welchem die Mexikaner ihrer Toten gedenken, der Originaltitel „The Power of the Dog“ bezieht sich auf Kerberos, den Höllenhund, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht, auf dass kein Toter heraus und kein Lebender hineingelange. Beide Titel sind durchaus angemessen.

Als junger Mann, gerade bei der DEA, bekommt Arthur Keller die Gelegenheit, sich in das mexikanische Drogenkartell der Barreras einzuschleusen. Er wird praktisch als Familienmitglied behandelt, das Oberhaupt lässt sich von ihm tío, Onkel, nennen. Mit seinen Informationen erringt Keller erste kleine Siege, kann aber nichts gegen das riesige Unternehmen erreichen, das den Drogenhandel halb Mittel- und Südamerikas unter seiner Fittiche hat.

Die beiden jungen Barreras, Adán und Raúl, steigen langsam in der Hierarchie auf, sollen sie doch einst das Geschäft übernehmen. Sie sind sehr unterschiedlich, schnell kristallisiert sich heraus, dass Adán für das Geschäft und Raúl für das Grobe zuständig ist. Sie sollen gut zurechtkommen auf diese Weise.

Dann wird einer von Kellers Männern entführt und gefoltert, und dieses Ereignis lässt den Krieg ausbrechen. Von nun an ist es eine blutige Schlacht, die vor nichts und niemandem Halt macht, die Schuldige und Unschuldige gleichermaßen mit sich reißt, so dass am Ende niemand mehr von sich behaupten kann, unschuldig zu sein.

Einige der Personen, die in diesen Strudel gerissen werden, sind die Prostituierte Nora, der Killer Callan, und der Priester Parada. Sie alle spielen wichtige Rollen in diesem Krieg, und sie sind sich im Klaren, welch tödliche Ausmaße dieser annehmen kann…

Don Winslow hat für Tage der Toten sechs Jahre recherchiert, was man dem Buch durchaus anmerkt. Es ist mit Fakten vollgestopft, und viele Nebenschauplätze, wie die Partisanen in Südamerika, die Mafia in New York, die immerwährende Angst vor den Kommunisten, reich gegen arm, Macht gegen Hilflosigkeit, Glauben gegen Rücksichtslosigkeit, werden ausführlich behandelt. Manche Kritiker haben dies bemängelt, fanden den Haupthandlungsstrang nicht ausgegoren, die Charaktere nicht gut entwickelt, die Story überlastet. Das kann man so sehen.

Man kann aber auch sehen, wie sich ein Panorama entfaltet, ein Panorama der Unterwelt, von Schauplätzen, von denen man nichts wusste, von Kriegen, die man nicht täglich im Fernsehen sieht (ja, in letzter Zeit war Mexiko häufig in den Schlagzeilen), ein großes Puzzle aus einzelnen Teilen, die sich ineinanderfügen um tatsächlich ein Bild der Schlechtigkeit, fast der Hölle auf Erden zu liefern. Und hätte Winslow sich nur auf den einen Schauplatz beschränkt, wäre dieses Bild um einiges schwächer ausgefallen.

Seine Figuren sind abwechselnd Handelnde und Ohnmächtige, sie teilen aus und müssen die Ergebnisse machtlos mitansehen. Genauso wie der Leser Erschütterung empfindet ob dieser Welt, die sich da vor ihm auftut und die ihn wohl nicht mehr verlassen wird, und eine Hilflosigkeit, die sehr traurig, aber auch wütend macht.

Tage der Toten ist ein wichtiges Buch, ein eindringliches Buch, man merkt, wie sehr dieses Thema Don Winslow am Herzen liegt (das liest man übrigens auch immer noch, wenn man seinem Twitteraccount @donwinslow folgt, dieses Thema ist immer noch sehr präsent, er hört nicht auf, aufmerksam zu machen). Vielen dürfte nicht klar sein, was in Mexiko seit Jahrzehnten passiert; dieser Roman ändert das. Und, ganz nebenbei, ist er auch noch spannend, er lässt den Leser mit Figuren sympathisieren, die er vielleicht nicht so auf der Rechnung hatte, und mit ihnen mitfiebern. Nicht umsonst gewann er so viele Preise.

Don Winslow: Tage der Toten. Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. Suhrkamp Verlag Berlin 2010. OA: The Power of the Dog. Alfred A Knopf, a division of Random House, Inc., New York, 2005. 689 Seiten.

Weitere Meinungen gibt es bei Der Schneemann und Kriminalakte.

© Susie Knoll

Don Winslow wurde am 31. Oktober 1953 in New York City geboren. Er studierte afrikanische Geschichte und Militärgeschichte. Seit Ende der 1980er Jahre schreibt er die inzwischen fünf Teile umfassende Neal Carey-Reihe. Seinen ersten großen Erfolg hatte er 1997 mit dem Roman The Death an Life of Bobby Z.  Tage der Toten aus dem Jahr 2005 gilt als sein Meisterwerk. 2012 verfilmte Oliver Stone Savages, Winslow schrieb das Drehbuch. Dies brachte ihn in die Spitze der amerikanischen Krimiautoren. 2015 schrieb er mit dem Dokumentarroman Das Kartell die Fortsetzung von Tage der Toten, welches er drei Dutzend ermordeten Journalisten widmete. Er macht weiterhin auf die Drogenprobleme an der mexikanischen Grenze aufmerksam. Er gewann zahlreiche Preise, unter anderem den Maltese Falcon Award und Deutschen Krimipreis 2011 und 2012. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn in Kalifornien.

Jonathan Franzen über… Artenschutz und Überbevölkerung

Anhand der Figur des Walter Berglund in seinem Roman Freiheit.

Männchen des Pappelwaldsängers (Setophaga cerulea) Bild: de.wikipedia.org

Jonathans Franzens Roman Freiheit ist nicht nur eine epische Abhandlung über die Freiheit, die der Mensch hat oder eben nicht hat, nicht nur ein Familienroman, nicht nur ein Entwicklungsroman. Franzen macht auch einige Ansichten deutlich, oder doch zumindest auf einige Dinge aufmerksam.

Seine Figur des Walter Berglund ist das, was auf (Nichtgut)Neudeutsch wohl als „Gutmensch“ bezeichnet wird. Er ist ein liebevoller, unterstützender, verständnisvoller und eben auch sehr, sehr idealistischer Mensch.

Aus diesem Idealismus heraus nimmt er einen Job an, der es ihm ermöglicht, ein Reservat für den Pappelwaldsänger zu erreichen, eine kurz vor der Bedrohung des Aussterbens stehende Vogelart. Da das Interesse der Menschen eher nicht so groß ist, wurde eine Stiftung gegründet, die reiche Menschen dazu bringen soll, sich durch großzügige Spenden wie gute reiche Menschen zu fühlen.

Um den Pappelwaldsänger zu retten, sagte Walter, beabsichtige die Stiftung nun, im Wyoming County, West Virginia, ein zweihundertfünfzig Quadratkilometer großes Areal ohne Straße zu schaffen – momentan werde es noch „Haven Gefilde“ genannt -, das von einer größeren „Pufferzone“ umgeben sei, in der gejagt und Motorsport betrieben werden dürfe. Um sich die Oberflächen- wie auch die Mineralrechte an einer so großen einzelnen Parzelle leisten zu können, müsse die Stiftung zunächst den Abbau von Kohle auf nahezu einem Drittel davon gestatten, und zwar per Gipfelabbau. Und genau diese Aussicht habe die anderen Bewerber abgeschreckt. Der Gipfelabbau, wie er gegenwärtig praktiziert werde, sei ökologisch beklagenswert – Gipfelgestein werde weggesprengt, um die darunterliegenden Kohleflöze freizulegen, umliegende Täler würden mit Geröll aufgefüllt, biologisch wertvolle Bäche zugeschüttet. (282)

Doch, wie so oft auf dieser Welt, ist es nicht so einfach, Gutes zu tun. Man muss Kompromisse schließen, und so ist Walter bereit, den Pakt mit dem Teufel einzugehen. Völlige Zerstörung, um danach für immer ungehindert wieder aufbauen zu können. Denn:

Er hingegen glaube, dass ordentlich durchgeführte Renaturierungsmaßnahmen den Schaden weit stärker in Grenzen halten könnten, als man es für möglich halte, und der große Vorteil eines völlig leergeförderten Bodens sei, dass niemand ihn noch einmal aufreißen werde. (282)

und

„Na, in aller Kürze, der Gipfelabbau hat deshalb so einen schlechten Ruf, weil die wenigsten Inhaber von Oberflächenrechten auf einer richtigen Form der Renaturierung bestehen. Bevor ein Kohleunternehmen seine Mineralrechte wahrnehmen und einen Berg abtragen kann, muss es eine Sicherheit hinterlegen, die erst zurückerstattet wird, wenn das Land wiederhergestellt ist. Das Problem dabei ist, dass diese Inhaber sich mit kahlen, flachen Weiden zufriedengeben, die oft auch noch absacken, weil sie hoffen, dass ein Bauunternehmer des Weges kommt und Luxuswohnungen darauf baut, obwohl es eine gottverlassene Gegend ist. Dabei erhält man tatsächlich einen sehr üppigen und artenreichen Wald, wenn man die Renaturierung richtig macht.“(285)

Ein Teil seiner Bereitschaft, diesen deal with the devil einzugehen, scheint daraus zu resultieren, dass die Umweltzerstörung und das Artensterben nur Symptome einer ganz anderen Krankheit sind. Und dies ist Walters Hauptanliegen.

„Ich habe die Sache zurückverfolgt“, sagte er (Walter, eig.Anm.), „weil ich weiterhin nicht schlafen konnte. Erinnerst du dich an Aristoteles und seine Ursachenlehre? Die Wirk-, die Form- und die Finalursache? Also, Nestraub durch Krähen und Wildkatzen ist eine Wirkursache für den Rückgang des Waldsängers. Und Fragmentierung des Lebensraumes ist eine Formursache davon. Was aber ist die Finalursache? Die Finalursache ist die Wurzel von so ziemlich jedem Problem, das wir haben. Die Finalursache ist: verdammt nochmal zu viele Menschen auf der Erde. Das wird besonders klar, wenn wir nach Südamerika fahren. Ja, der Pro-Kopf-Verbrauch steigt. Ja, die Chinesen räumen dort illegal Rohstoffe ab. Aber das wahre Problem ist der Bevölkerungsdruck. Sechs Kinder pro Familie gegenüber eins Komma fünf. Die Leute versuchen verzweifelt, die Kinder zu ernähren, die ihnen der Papst in seiner unendlichen Weisheit abverlangt, also ruinieren sie die Umwelt.“ (292)

Walter hat die Zahlen parat, er verbringt schlaflose Nächte darüber, verzweifelt, und ist doch weiterhin bemüht, auf das Problem aufmerksam zu machen, hinzuweisen, Krawall zu schlagen, nicht locker zu lassen. Ja, Walter ist kein Philanthrop, seine Welt könnte durchaus auch nur von Pappelwaldsängern und ihren Gefährten bevölkert sein.

„Allein in Amerika“, sagte er, „wird die Bevölkerung in den nächsten vier Jahrzehnten um fünfzig Prozent anwachsen. Überleg dir mal, wie dicht besiedelt die Speckgürtel jetzt schon sind, denk an den Verkehr und die Zersiedelung und die Umweltzerstörung und die Abhängigkeit von ausländischem Öl. Und dann rechne noch fünfzig Prozent dazu. Und das ist nur Amerika, was theoretisch eine viel größere Bevölkerung ernähren kann. Und dann denk an die CO²-Emissionen weltweit, an Völkermord und Hunger in Afrika und an die radikalisierte, chancenlose Unterschicht in der arabischen Welt, an die Überfischung  der Weltmeere, an illegale Siedlungen in Israel und an die Han-Chinesen, die Tibet überrennen, an Hundertmillionen Arme im Atomstaat Pakistan: Es gibt kaum ein Problem auf der Welt, das nicht dadurch gelöst oder wenigstens gewaltig gelindert würde, wenn es weniger Menschen gäbe.“ (293)

Nun, das ist recht schlecht möglich. Eine Lösung ist wohl nicht in Sicht, weswegen er hingeht und wenigstens das Wenige zu tun versucht, das er zu tun vermag. Auch wenn dies hoffnungs- und sinnlos erscheint:

„„Was wir in unserem kleinen Rahmen jetzt tun könnten, um ein wenig Natur zu retten und eine gewisse Lebensqualität zu bewahren, wird von den schieren Zahlen erdrückt werden, denn die Menschen können zwar ihre Verbrauchergewohnheiten ändern – das kostet Zeit und Mühe, aber es geht -, doch wenn die Bevölkerung weiterwächst, wird nichts von dem, was wir tun, etwas ausrichten können. Und trotzdem spricht niemand öffentlich über das Problem. Obwohl es auf der Hand liegt und uns umbringt. (293)

Da es sich bei Freiheit um einen Roman handelt und bei Walter um eine fiktive Figur, kann man natürlich wieder hervorragend die Frage stellen, inwiefern die Meinung des Autors eingeflossen ist. Ob er wirklich so extreme Ansichten hat. Ob er genauso denkt wie seine Figur. Ob er gar mit seiner Figur identisch ist.

Cover Credit: PHOTOGRAPH BY DAN WINTERS FOR TIME

Aber all dies würde nirgendwohin führen. Denn Franzens persönliche Meinung kennen wir nicht, wir wissen nur, was er getan hat: er hat aufmerksam gemacht. Er hat alle seine Leser auf der ganzen Welt auf die Problematik hingewiesen. Keiner der Leser des Romans konnte sich dem entziehen, es ist unmöglich, die Stellen kurz zu überfliegen, sind sie doch eng in einem der Protagonisten angelegt.

Und so hat Jonathan Franzen nicht nur einen „großen amerikanischen Roman“ geschrieben, er hat noch mehr getan. Er hat seine Leser gezwungen, sich mit Umweltthemen und der Überbevölkerung auseinander zu setzen, was wohl gerade in den USA nicht immer gern gesehen worden sein dürfte. Aber auch mich hat es sehr, sehr nachdenklich gemacht. Nicht, dass ich Lösungen hätte. Nicht, dass Walter und somit wohl auch Jonathan Lösungen hätten. Aber vielleicht gibt es ja jemanden. Der sich Gedanken macht und Vorschläge hat. Das wäre großartig.

Jonathan Franzen: Freiheit. Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, April 2012. OA: Freedom. Farrar, Straus and Giroux, New York 2010. 731 Seiten.

Jonathan Franzen – Freiheit

„Warum die Konservativen, die doch immerhin alle drei Gewalten der Bundesregierung dominierten, noch immer so in Rage waren – auf respektvolle Zweifler am Irakkrieg, auf schwule Paare, die heiraten wollten, auf den faden Al Gore und die vorsichtige Hillary Clinton, auf gefährdete Arten und deren Fürsprecher, auf Steuern und Benzinpreise, die so niedrig wie in kaum einem anderen Industrieland waren, auf die Massenmedien, deren Besitzer doch selbst zu den Konservativen gehörten, auf die Mexikaner, die ihnen den Rasen mähten und ihr Geschirr spülten -, war für Walter ein Rätsel.“ (S.642/643)

freiheitWalter ist eine Seele von Mann. Er ist friedfertig, hat Verständnis, hört zu, hilft, vermittelt. Aber auch ihn bringen Dinge in Rage: die Überbevölkerung und die daraus resultierende Zerstörung des Lebensraums. Aber bis Walter anfängt, seiner Wut entsprechend zu handeln, geht viel Zeit ins Land.

Er hat keine glückliche Kindheit gehabt, Walter, aber als er ans College kommt, wendet sich sein Glück. Er findet einen Freund fürs Leben – den Musiker Richard Katz. Und er findet seine große Liebe – die Basketballspielerin Patty Emerson. Auch diese beiden hatten keine glückliche Kindheit, und erhoffen sich von der Zukunft Großes. Allerdings sieht dieses sehr unterschiedlich bei den Dreien aus.

Nachdem Patty einige Zeit zwischen Walter und Richard hin- und hergerissen ist, heiratet sie schließlich Walter und erfüllt sich ihren Traum: die perfekte Vorstadtfamilie, in der alles harmonisch abläuft und das Zusammenleben erstrebenswert ist. Sie haben zwei Kinder, Jessica und Joey. Und eben dieser Joey wird so gar nicht, wie Patty ihn brauchen kann: er weiß immer alles besser, stellt alles in Frage, ist wahnsinnig intelligent und zieht zu den Nachbarn, um mit deren Tochter zusammenzuleben. Als er auf der Highschool ist.

Patty kommt mit dieser Situation nicht zurecht, alles, was sie sich erträumt hatte, löst sich in Luft auf. So leidet auch ihre Ehe zu Walter. Dieser wiederum vergräbt sich in seiner Arbeit, versucht, Gutes zu tun und sieht sich mit gigantischen Hürden konfrontiert. Und Richard wird lange brauchen, bis er Erfolg hat, aber dieser Erfolg basiert auf ganz besonderen Freunden: Walter und Patty. Und so umkreisen sich die drei in immer anderen Konstellationen, kollidieren, streben voneinander weg und wieder aufeinander zu.

Freiheit kreist um die Freiheit der Individuen, und die Frage, inwiefern sie tatsächlich existiert oder ein reines Gedankenkonstrukt ist. Franzen gibt seinen Figuren „Freiheit“ – an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben haben sie die Möglichkeit, genau das zu tun, was sie sich immer gewünscht haben, und dies mit Erfolg. Lauter glückliche Menschen, sollte man annehmen.

Doch eine Entscheidung für etwas ist gleichzeitig auch immer eine Entscheidung gegen etwas, und dies ist doch im Grunde genommen die einzige Freiheit, die es gibt: Entscheidungen zu treffen. Denn genau dann hört die Freiheit auf, wenn man die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen muss. Auch dies lässt Franzen seine Figuren spüren, er führt sie geradezu vor auf ihrem Höhenflug mit der anschließenden Talfahrt.

Aber auch hier spielt das Leben, wie es nun einmal spielt: Nach dem tiefen Fall fährt die Achterbahn wieder aufwärts, damit der Sturz abgebremst wird, und auch wenn die Bahn in den Kurven arg hin- und hergeschüttelt wird, kommt sie doch am Ende am Ziel an.

Wie zerzaust die Mitfahrenden danach sind, ist eine andere Geschichte. Und eine dieser Geschichten erzählt Jonathan Franzen in seinem Roman, und man sollte ihn unbedingt lesen. Und sich vor einem schlechten Gewissen, einigen Wutanfällen und ständigen Hinterfragungen wappnen. Die gibt Franzen einem nämlich immer mal wieder mit auf den Weg. Wie kleine Schläge auf den Hinterkopf oder mitten in die Fresse rein. Es kommt auf jeden Fall an.

© Beowulf Sheehan

Jonathan Franzen: Freiheit. Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, April 2012. OA: Freedom. Farrar, Straus and Giroux, New York 2010. 731 Seiten.

Jonathan Franzens Die Korrekturen wurden schon rezensiert.

Warum ich lese

Ein Gespenst geht um in der Bloggerwelt, und das ist die von Sandro vom Blog novelero gestellte Frage, warum man liest. Nachdem ich diverse Antworten gelesen habe, möchte auch ich gerne meinen Beitrag hinzufügen.

Ich war von jeher umgeben von Büchern, mir wurde als Kind vorgelesen, und ich war selten stolzer als zu dem Zeitpunkt, ab dem ich die Bücher endlich für mich allein entdecken konnte. Die Bücherei der nächsten Kleinstadt wurde über Jahre einer der wichtigsten Bezugspunkte in meinem Leben, die Kinder- und Jugendbibliothek habe ich leergelesen, um dann irgendwann auch den Rest der Bücher zu erobern.

Bild: cityofreaders.org

Habe ich erwähnt, dass ich Einzelkind bin? Hier kommt nämlich der berühmte Satz, Bücher seien wie Freunde, ins Spiel. Es gibt „niemanden“, mit dem ich mehr Zeit verbracht hätte. Jahrelang habe ich auf dem Bauch unter der Stehlampe gelegen und ein Buch nach dem anderen verschlungen. Meine Eltern hätten es wohl finanziell nicht überlebt, wäre die Bücherei nicht gewesen. Und was habe ich an Schätzen geborgen!

Diese Faszination hat sich gehalten. Das Aufschlagen des Buches, das hektische Überfliegen der ersten Sätze, um dann langsam in eine ruhigere Atmung und ein ruhigeres Lesetempo zu verfallen: Ja, hier bin ich richtig, ich möchte wissen, was der Autor mir erzählen will, ich möchte an seinen Erfahrungen teilhaben, seine Gedankenwelt kennenlernen, meine Gedanken an seinen reiben. Ich möchte herausgefordert werden, möchte innerlich und manchmal tatsächlich laut schreien, sowohl vor Zustimmung als auch vor Ablehnung. Ich möchte lachen, weinen, aber vor allem eines: Ich möchte andere Gedankengänge kennenlernen. Ich brauche dieses stete Selbsthinterfragen, diese stete Auseinandersetzung, dieses Entscheidungen-treffen, ja, nein, und vor allem: warum ja oder nein?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Leser empathischer sind. Dass Menschen, die sich mit den Figuren und Gedanken in Büchern auseinandersetzen, nicht einfach so Vorurteile bilden können, denn sie wissen, dass es so nicht funktioniert. Dass man sich auseinandersetzen muss.

Hier mein Tweet zu Sandros Aufruf:

Das ist das Erste, was mir dazu einfiel. Und ich glaube, dass, würden mehr Menschen sich ständig auseinandersetzen, viele Vorurteile in sich zusammenfallen würden, und die Welt ein klein wenig besser wäre. Bücher lassen einen am Leben anderer teilhaben, und so vieles verstehen.

Aber das ist natürlich nicht alles. Ich lese auch, weil ich es liebe, bestens unterhalten zu werden. Und weil ich mit attraktiven und potthässlichen Menschen Abenteuer bestehen möchte. Und weil ich Mörder fassen, verzwickte Rätsel lösen, spektakuläre Roadtrips machen, Zusammenhänge austüfteln, Familiengeschichten verfolgen, im Sommer frieren, im Winter schwitzen, mit Zwergen, Zauberern, Elben, Aliens, und ganz normalen Menschen die Welt retten, mir Bürsten zum Putzen an die Füße binden, Quidditch spielen, einen Baseball treffen, durch die Zeit reisen, unwirkliche und wirkliche Wesen kennenlernen und noch so, so vieles mehr will. Und: Ich kann. Wenn ich lese.

Und wenn es mal nicht so klappt mit einem Buch und mir: Kein Problem, zurück ins Regal, irgendwann kommt die richtige Zeit. Und dann wird es hervorgeholt und wir unternehmen wundervolle Dinge miteinander. Vielleicht ja sogar etwas, dass noch nicht vorkam. Oder besser: Hoffentlich!

Nederlandstalig! Tessa de Loo – Die Zwillinge

22052016155[1]Lotte bekommt von ihren Kindern einen Aufenthalt in Spa geschenkt, um ihre Arthrose zu lindern. Dort trifft sie unverhofft auf Anna – ihre Zwillingsschwester, die sie fast ein Leben lang nicht mehr gesehen hat. Anna ist glücklich, sie zu sehen, Lotte jedoch sträubt sich, die Vergangenheit heraufzubeschwören. Doch Anna bleibt konsequent, und unerbittlich entrollen sich zwei Lebensläufe, die vom gleichen Ursprung aus zwei vollkommen verschiedene Richtungen nehmen, einer in Deutschland, einer in den Niederlanden, einer unter den Nazis, einer im Widerstand, einer mit vielen Wunden, einer mit vielen Wunden.

Nachdem Annas und Lottes Vater verstorben ist, die Mutter war schon länger tot, werden die beiden Mädchen getrennt bei Verwandten untergebracht. Anna kommt in ein kleines katholisches Dorf zum Bruder ihres Vaters, Onkel Heinrich, der einen kleinen Bauernhof hat und froh ist, die Hilfe zu bekommen. Lotte, die wie ihr Vater unter Tuberkolose leidet, wird zu holländischen Verwandten gebracht, die sie pflegen können. Die Mädchen warten auf ein Wiedersehen, doch ihre Leben schieben sich vor ihre immer verschwommener werdenden Erinnerungen.

Anna, ein kluges und aufgewecktes Kind, bekommt keine Schulbildung, sie soll von früh bis spät auf dem Hof schuften. Unter der neuen Frau Onkel Heinrichs wird es richtig schlimm, so schlimm, dass irgendwann der Dorfpfarrer einschreitet und sie mitnimmt. Von hier an entspinnt sich ein Lebenslauf, der sie durch ganz Deutschland und nach Österreich führt, immer unter dem Eindruck vom Krieg und den Nazis, wovon sie im Grunde nichts versteht und immer versucht zu helfen.

Lotte hingegen wächst bei Sozialisten auf, und nach dem Überwinden ihrer Krankheit hat sie ein recht normales Leben, zwar mit einem sehr exzentrischen Vater, aber auch einer liebevollen Familie. Ihr Vater, Musikliebhaber, lässt alle möglichen Menschen, die seine Leidenschaft teilen, in ihrem Haus ein- und ausgehen, und so wächst Lotte unter Menschen auf, die etwas gemeinsam haben, das nichts mit Rasse oder Vorurteilen zu tun hat. Bis auch in den Niederlanden der Krieg ankommt und Leute anfangen zu verschwinden, und man sich für eine Seite entscheiden muss.

Vor der Kulisse Spas erzählen sich die Schwestern ihre Lebensläufe, Anna versucht, Lotte verstehen zu lassen, wie es für sie war, aber Lotte gibt sich blind. Für sie ist alleine die Tatsache, dass Anna Deutsche ist, genug, sie zu verurteilen. Aber nach und nach zeigt sich, dass Anna teuer dafür bezahlt hat und vielleicht nicht alles so einfach ist, wie es nach außen hin scheint…

Dies nur ein kurzer Einblick in einen Roman, der zwei komplexe Lebensläufe erzählt, anhand dessen zwei Länder im Krieg dargestellt werden. Das eine sieht sich ausschließlich als Opfer, das andere will die Täterrolle nicht komplett übernehmen, und in langen Gesprächen wird offenbar, dass das Urteil nicht ganz so leicht auszusprechen ist, wie man das gerne hätte.

Tessa de Loo hat mit Die Zwillinge einen wundervollen und wichtigen Roman über Schuld und Vergebung geschrieben, über Aufarbeitung, über Macht und Machtlosigkeit, und wie sehr man Kind der Umstände ist. Was man mit dieser Erkenntnis anstellt, bleibt einem selbst überlassen, aber das Nachdenken ist angestoßen.

Wer nicht nachdenken möchte, bekommt auf jeden Fall einen interessanten und spannenden Roman, in der die Zeit des Zweiten Weltkriegs anschaulich und in interessante Lebensgeschichten verpackt dargestellt wird. Tessa de Loo schildert zwei glaubhafte Lebensläufe, die, obwohl sie sich kaum berühren, doch immer wieder ineinander verschränkt werden. Durch die mehr oder weniger abwechselnde Erzählweise bleibt die Spannung erhalten, man möchte mehr erfahren, und zwar von beiden Geschichten.

Ich kann mir vorstellen, dass dies bei Erscheinen des Buches nicht jedem Leser gepasst haben mag, denn die Vorurteile der beiden Völker sind (oder vielleicht bald waren?) so, wie sie die beiden Figuren verkörpern. Tatsächlich hat der Roman in den Niederlanden viel Aufsehen erregt, und die Reaktionen waren durchaus zwiegespalten.

Dennoch: Nach der Lektüre hat sich vielleicht die eine oder andere Ansicht geändert. Und deshalb möchte ich diesen Roman jedem empfehlen, und sei es auch nur, weil es eine tolle Geschichte ist. Alles weitere möge jeder für sich selbst entdecken.Bild: ad.nl

Tessa de Loo: Die Zwillinge. Deutsch von Waltraud Hüsmert. btb, München. 1997. OA: De Tweeling. Uitgeverij De Arbeiderspers, Amsterdam. 1993. 478 Seiten.

Tessa de Loo wurde als Johanna Tineke Duyvené de Wit am 15. Oktober 1946 in Bussum, Niederlande, geboren. Sie war Lehrerin, bis sie 1983 die Erzählungen Die Mädchen von der Süßwarenfabrik veröffentlichte. Die Zwillinge bekam 1994 den Von-der-Gablentz-Preis und den Publieksprijs. Er wurde 2002 unter der Regie von Ben Sombogaart verfilmt, mit Thekla Reuten, Ellen Vogel, Nadja Uhl und Gudrun Okras in den Hauptrollen. Tessa de Loo lebt heute in Portugal.