Buch #58: Stephen King – Shining

King+ShiningJack Torrance ist einer dieser Menschen, die wohl gemeinhin als „Loser“ bezeichnet werden könnten. Nach einer unschönen Kindheit mit einem ständig alkoholisierten Vater, der gerne Prügel verteilte, und einer duckmäuserischen Mutter, die sich und ihre Kinder nicht verteidigen konnte, entfloh er seinem Elternhaus. Er wurde Lehrer, heiratete die schöne Wendy und bekam einen Sohn, Danny. Doch er konnte sein Leben nicht zusammenhalten, verfiel ebenfalls dem Alkohol, verlor seinen Job und beinahe seine Familie.

Er sieht sich eigentlich als Schriftsteller, doch auch dies läuft nicht so, wie er es sich wünscht. Eines Tages kommt er hinzu, als Danny die beschriebenen Seiten seines Stücks bemalt, sieht rot und bricht ihm den Arm. Ab diesem Punkt traut Wendy ihm nie mehr so recht, auch als er den Alkohol aufgibt und unter größten Mühen ein neues Leben beginnen will. Und hier kommt die letzte Chance ins Spiel: Jacks letzte Chance ist ein Hausmeisterjob, als Hausmeister in einem Hotel, dem Overlook, das er über den Winter, wenn es eingeschneit ist, hüten soll.

Und so packt er seine Frau und seinen Sohn ein und nimmt den Job an. Er freut sich auf die Ruhe und Einsamkeit, hofft er doch, sein Stück zu Ende schreiben und seiner Frau beweisen zu können, dass er doch etwas wert ist. Doch sein Sohn Danny hat ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache. Er ist hellsichtig, und die Dinge, die er sieht, oder die ihm sein „imaginärer“ Freund Tony zeigt, machen ihm große Angst.

Er will seine Eltern warnen, den Winter nicht im Hotel zu verbringen, denn dort seien sie nicht sicher. Doch er weiß auch, dass seinem Vater dann nichts übrig bleiben würde als Jobs anzunehmen, die dieser für unter seiner Würde hält, und das würde ihn zerstören. So vertraut er seine Ängste nur dem Koch des Hotels, Dick Halloran, an, der auch ein wenig hellsichtig ist und Danny versichert, er werde ihm helfen, wenn dieser in Schwierigkeiten sei.

Und dann ist der Tag da, an dem sie alleine im Overlook zurückbleiben. Zuerst ist es sehr idyllisch und alles, was Jack sich gewünscht hat. Doch sein Sohn gerät nach und nach in den Bann des Hotel, das ihm Dinge und Menschen zeigt, die vor Jahren und Jahrzehnten geschehen sind. Und dann bleibt es nicht mehr bei Bildern, und nicht nur Danny sieht und erfährt Dinge. Als es zu schneien beginnt und das Overlook eingeschneit ist, beginnt ein Kampf um Leben und Tod, den nicht alle gewinnen werden…

Soweit ganz grob die Zusammenfassung des ersten Horrorromans meines Leselebens. Dies ist eigentlich gar nicht mein Genre, weder im Buch noch als Film, und so habe ich es bis jetzt gemieden. Aber ich muss sagen, Shining hat mich in seinen Bann gezogen. Stephen Kings Art zu schreiben entwickelt einen Sog, dem man nicht entfliehen kann, bis er den Bann selber bricht und seine Leser atemlos entlässt. Nicht, dass die Geschichte sonderlich komplex wäre, und meiner Meinung nach hätte er auch ein paar Seiten weniger darauf verwenden können. Aber: die Art, wie er eine Welt erschafft und dann kleine Details so verändert, dass die Situation eine komplett andere wird und man nie weiß, wie weit er es jetzt ernst meint, und was nur im Kopf der Figuren passiert, hat mich sehr für ihn eingenommen.

Und so kann ich Shining auch Leuten empfehlen, die wie ich nicht viel mit Horrorgeschichten anfangen können, aber sich gerne in eine rasante Geschichte hineinziehen lassen. So gruselig ist es nicht, ich fand manche Aspekte dann auch eher etwas lächerlich. Aber ob, zum Beispiel, zum Leben erwachte Heckentiere nun Jedermanns Sache sind oder nicht, King macht sie zu einem Aspekt der Geschichte, der einem den Atem dann doch ein wenig verschlägt.

Grundsätzlich habe ich Der Anschlag lieber gelesen, da mich dieses Thema mehr interessiert. Aber als Einstieg oder als Versuch, einen Blick ins Horrorgenre zu werfen, kann ich Shining gut empfehlen.

Weitere Infos zu Stephen King gibt es hier. Shining ist von Stanley Kubrick mit Jack Nicholson als Jack Torrance verfilmt worden.

Stephen King: Shining. Aus dem Englischen übersetzt von Harro Christensen. OA: 1977, Deutsche Lizenzausgabe 1982, Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe. 397 Seiten.

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4 Gedanken zu „Buch #58: Stephen King – Shining

  1. Pingback: [1001 Bücher] Buch #58: Stephen King – Shining – #Literatur

  2. Wenn der Roman deinen ersten (und einzigen?) Ausflug ins Horror-Genre offenbar recht zufriedenstellend gestaltet hat, hat er ja seinen Sinn nicht verfehlt. Ich hätte dir als Leserin großer Romane für den Einstieg in die moderne Horror-Literatur jedoch wesentlich bessere Bücher empfohlen:

    – Shirley Jackson, Spuk in Hill House
    – Fritz Leiber, Herrin der Dunkelheit
    – Richard Adams, Das Mädchen auf der Schaukel
    – Jonathan Carroll, Das Land des Lachens
    – T. E. D. Klein, Verschwörung der Götter

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    • Vielen Dank für diese Vorschläge, es stimmt, ich hätte vorher mal rundfragen können 🙂 Aber ich befürchte, dass ich so schnell keinen Horror-Roman mehr lesen werde, ausgenommen wohl die Anfänge des Genres, wie Frankenstein oder dergleichen. Trotzdem, vielleicht sind die Vorschläge ja auch für jemand anderes interessant.
      Viele Grüße und eine schöne Woche!

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      • „Shining“ ist ja doch schon eher Brachial-Horror. Kann ich gut verstehen, wenn du etwas in dieser Richtung nicht mehr lesen willst. Die Bücher, die ich genannt habe, bieten allesamt eher stimmungsvollen, subtilen Grusel, sind aber literarisch so anspruchsvoll und emotional so aufwühlend, dass sie – im Gegensatz zu „Shining – in jedem Literaturkanon qualitativ problemlos bestehen könnten.

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