Nederlandstalig! Connie Palmen – Die Gesetze

flagge„Ich war nicht auf der Suche nach Liebe. Ich suchte die Gesetze.“ (236)

Das realisiert Marie, die in diesem Roman die Geschichte ihres Studiums und damit die Geschichte von sieben Männern erzählt, die in dieser Zeit wichtig in ihrem Leben waren. Sie stammt aus einem kleinen Dorf, ist katholisch aufgewachsen, und als sie herausfand, dass man auch nicht an Gott glauben kann, und sie – als Mädchen – intelligenter als die meisten Anderen ist, ändert sich ihre Weltsicht drastisch. Von nun an versucht sie herauszufinden, wie die Welt funktioniert und was ihr Platz in ihr ist.die gesetze

Als erstes begegnet sie dem Astrologen, der ihr Horoskop erstellt und versucht, über die Konstellation der Sterne Aussagen über ihre Persönlichkeit und ihr Leben zu machen. Er selbst hat sein ganzes Leben den Sternen untergeordnet, was ihn meistens wahnsinnig erscheinen lässt, auch für Marie, aber eine gewisse Faszination kann sie nicht absprechen, scheint er doch genau zu wissen, was er zu tun und zu glauben hat. Aber sie versteht nie so ganz, worauf er hinaus will, und ihre anfängliche Hoffnung, einen Plan fürs Leben zu erfahren, löst sich in Luft auf.

Dann trifft sie den Epileptiker, den Philosophen, den Priester, den Physiker, den Künstler und den Psychiater. All diese Männer sind grundverschieden. Aber jeder dieser Männer hat sich seine besondere Weltsicht aufgebaut, und lässt sie daran teilhaben, und sie hört zu und lernt. Aber auch wenn die Männer glauben, die Antworten gefunden zu haben, ist es doch immer etwas anderes für Marie.

Der Roman besteht aus sieben Kapiteln, jedes Kapitel ist einem dieser Männer zugeordnet und erzählt von der Begegnung mit ihm und seiner „Wahrheit“. Marie ist unsicher, aber wissensdurstig, und so sind diese Begegnungen meist sehr intensiv. Sie geben Stückchen für Stückchen Maries Persönlichkeit wider, und zeigen ihre Entwicklung auf. Ist es da nur konsequent, dass der letzte der Psychiater ist? Das möge jeder selbst herausfinden.

Ich habe Die Gesetze schon einmal mit Anfang zwanzig gelesen, und war jetzt sehr gespannt, wie ich es heute empfinden würde. Damals hat der Roman mich nämlich aus den Socken gehauen. Und auch dieses mal hat er mich wieder beeindruckt, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Ich habe meine eigene Reise unternommen und Begegnungen gehabt, aber so wie ich damals hoffte, ähnliche Menschen kennenzulernen und ähnliche  Gespräche zu führen und eine Entwicklung zu machen, so muss ich heute sagen: in Ermangelung solcher Menschen habe ich meistens die Bücher zu Rate gezogen.

Und so ist dieses solch ein Buch für mich, das mich wie mit einem Holzhammer mit Erkenntnissen und Gedanken auf den Kopf haut.  Ja, es sind auch Banalitäten darunter, oder sie mögen so scheinen, da sie für mich offensichtlich sind, und für andere nicht, ebenso wie es andersherum sein mag. Es regt zum Nachdenken an, und das Checken und Überdenken seiner Weltsicht kann ja gerade dieser Tage nicht schaden. Wie dem auch sei, ich denke, ob man etwas daraus mitnimmt oder nicht, hängt sehr von der Persönlichkeit des Lesers ab.

Auf jeden Fall ist es äußerst amüsant geschrieben, denn nicht alle Begegnungen sind so, wie man es erwarten würde. Es ist ein Entwicklungsroman, und wie in jeder Entwicklung läuft nicht immer alles glatt, was manchmal zu sehr bizarren Situationen führt. Also, selbst wenn man sich nicht personifizieren kann, bereitet dieser Roman meiner Meinung nach viel Lesefreude. Und man setzt sich mit seinem eigenen Weg und Weltbild auseinander, was ja nie schaden kann. Und ist dann eine Station auf der Selbstwerdung, denn meiner Meinung nach hört dieser Weg erst auf, wenn man das Atmen drangibt.

Bild: diogenes.ch

Connie Palmen, kompletter Name Aldegonda Petronella Huberta Maria Palmen, wurde am 25. November 1955 in Sint Odilienberg in Limburg geboren. Sie studierte Philosophie und Niederländische Literatur, ihre Abschlussarbeit widmete sich dem Autor Cees Nooteboom. Ihr Debütroman De Wetten – Die Gesetze war sehr erfolgreich, sowohl in den Niederlanden als auch international. Für den nächsten Roman, De Vriendschap – Die Freundschaft, erhielt sie den AKO Literatuurprijs. Von 1991 bis zu seinem Tod 1995 war sie mit Ischa Meijer, einem Journalisten, Schriftsteller und Talkmaster, liiert. Darüber schrieb sie I.M. – auf deutsch I.M Ischa Meijer – In Margine, In Memoriam, das die Beziehung und den plötzlichen Tod verarbeitet. Connie Palmen lebt in Amsterdam.

Connie Palmen: Die Gesetze. Aus dem Niederländischen von Barbara Heller. Diogenes Verlag, 1993. OA: De Wetten. Prometheus, Amsterdam, 1991. 247 Seiten.

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