Buch #31: J.R.R. Tolkien – Der kleine Hobbit

Endlich habe auch ich den Hobbit gelesen. Vor über zehn Jahren hatte ich das Vergnügen mit dem Herrn der Ringe, aber der Hobbit hat mich nie so gereizt. Doch in der momentanen Hobbit-Mania bin auch ich nicht darum herumgekommen (zugegeben, ein wenig neugierig war ich ja schon).

Der kleine Hobbit (im Original übrigens nur The Hobbit, im Deutschen ist es eine Verdopplung, da Hobbits nun einmal klein sind und dies somit überflüssig ist zu erwähnen) ist die Vorgängergeschichte zum Herrn der Ringe. Der Hobbit erschien 1937 und baute sich rasch eine große Fangemeinde auf. Für den Herrn der Ringe brauchte Tolkien dann etwas länger, dessen drei Teile wurden 1954 und 1955 veröffentlicht.

Im Herrn der Ringe wird am Anfang grob auf die Geschichte des Hobbits eingegangen, vor allem auf den Aspekt des Ringfunds. Doch dies ist nur ein kleiner Teil der Geschichte, fast schon nebensächlich. In der Hauptsache geht es um Bilbo Beutlin, einen Hobbit, der eines Tages Besuch vom Zauberer Gandalf bekommt und von ihm dazu ausersehen wird, zusammen mit dreizehn Zwergen einen Schatz zurückzuerobern, der vom Drachen Smaug geraubt wurde. Nun sind Hobbits ein sehr friedliebendes und gemütliches Völkchen, und „Abenteuer“ sind äußerst verpönt… es ist also etwas Besonderes, dass Bilbo diese Reise auf sich nimmt.

Und diese Reise hat es in sich. Wir begegnen zusammen mit Bilbo, den Zwergen und Gandalf unter anderem Trollen, der Kreatur Smeagol, dem er einen Ring „abgewinnt“und die immer „Gollum“ macht, Wölfen, Adlern, Elben und Menschen, und nicht alle dieser Begegnungen sind erfreulich. Natürlich schließt Bilbo auch einige Freundschaften, und mit dem Ring, der ihn unsichtbar machen kann, hilft er seinen Freunden oft genug aus misslichen Situationen.

Schließlich gelangen sie zu dem Berg, in dem der Drache mit dem Schatz haust, und stellen fest, dass der Drache vielleicht nicht das größte Hindernis im Zusammenhang mit dem Schatz ist, sondern dass das eigene Verlangen vielleicht auch eine Rolle spielt… Aber als dann ein mächtiger Feind auftaucht, müssen die zerstrittenen Parteien zusammen arbeiten oder den Schatz verloren geben…

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Bedenkt man, dass man den Hobbit schon als Kinder- oder zumindest Jugendbuch bezeichnen kann, hat er mir gut gefallen. Er ist natürlich nicht anspruchsvoll zu lesen, die Geschichte und die phantasievoll beschriebenen Wesen und Abenteuer entschädigen jedoch dafür. Es ist nicht unbedingt nötig, den Hobbit vor dem Herrn der Ringe zu lesen, aber jetzt ist mir schon einiges klarer, das ich bei der ersten HdR-Lektüre anders interpretiert hatte.

Was mich ein wenig gestört hat beim Hobbit ist die Erzählweise. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob quasi Bilbo erzählt, jedoch verfasst er am Ende des Buches einen Bericht bzw. seine Memoiren. Das würde auch den allwissenden Erzähler erklären, der sich manchmal mit Kommentaren nicht zurückhalten kann oder solche Einschübe à la „hier passierte jetzt nichts Aufregendes, deswegen erzähle ich hier weiter… ach, doch, da muss ich aber noch eine Bemerkung zu machen“ und Ähnliches macht. Das habe ich persönlich nicht so gerne, aber das ist mein Geschmack.

Alles in Allem muss ich sagen, dass mir die Lektüre Spaß gemacht hat, obwohl es bei Weitem nicht an das Niveau des Herrn der Ringe heranreicht. Was im Herrn der Ringe ausformuliert, beschrieben, im Detail erklärt wird, fällt hier oft der Kürze zum Opfer. Vieles hätte ich mir detaillierter gewünscht, und mein einziger Trost war das Wissen darum, dass dies ja im Herrn der Ringe der Fall ist (weswegen ich auch nicht umhin konnte, diese Bände noch einmal zu lesen:-) ).

Ich kann den kleinen Hobbit also empfehlen, es ist eine schöne Lektüre für zwischendurch und unbedingt als Vorbereitung auf das Hauptwerk ebenfalls. Grundsätzlich hat Tolkien eine unglaublich tolle Welt erschaffen, mit grandiosen Figuren, und der kleine Hobbit gehört auf jeden Fall dazu. Ich wünsche also allen viel Vergnügen, die sich auch durch den Hype haben beeinflussen lassen oder einfach neugierig sind, denn die Lektüre von beiden Werken sollte man einmal im Leben in Angriff genommen haben!

J.R.R. Tolkien – Der kleine Hobbit. Deutsch von Walter Scherf. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012

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7 Gedanken zu „Buch #31: J.R.R. Tolkien – Der kleine Hobbit

  1. Sowas in der Art hatte ich auch gedacht: Der erste Film läuft gerade, eine hervorragende Gelegenheit, den Hobbit (diesmal auf Englisch) zu lesen. Ja, es ist ein Jugendbuch und irgendwie hatte ich es… spannender in Erinnerung. Aktuell bin ich in etwa am Ende des ersten Films und wie du schon sagtest: Manchmal hätte man sich ausführlichere Beschreibungen gewünscht. Aus dem Grund sind mir im Moment die „Filmzwerge“ wesentlich präsenter und näher als ihre literarischen Pendants.

    Interessant fand ich die Abweichungen zwischen der Vorlage und dem Film bzw. die Übereinstimmungen. Die Szene mit Gollum wurde so z.B. etwas abgeändert, ich fand sie dennoch wirklich großartig.
    Einzig die Tatsache, dass es bis zum Dezember dauern wird, bis der zweite Teil in die Kinos kommt, gefällt mir ganz und gar nicht.
    Hast du den Film auch schon gesehen?

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    • Ich wollte das Buch lesen, bevor ich den Film gucke. Ich hab aber schon gehört, dass das zum Teil ziemlich abweicht – aber wenn man aus dem Bändchen drei Filme machen will, muss das wohl auch so sein. Beim Herrn der Ringe war ich sehr enttäuscht von den Filmen, weil so viel weggelassen wurde, aber hier ist es vielleicht genau andersrum. Mal sehen, ob und wann ich den Film gucke 🙂

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  2. Ich weiß, ich bin mit der Ansicht wohl ziemlich alleine, aber Tolkien hat mich noch nie gereizt, weder Herr der Ringe (okay, ich kenne auch nur die Filme zum Teil, und die fand ich schrecklich) als auch der Hobbit. Manchmal denke ich mir, ich verpasse etwas weil wenn so viele Leute mir immer wieder von den Büchern vorschwärmen MUSS doch etwas dran gut sein. Aber andererseits ist mein Stapel an ungelesenen Büchern so auch schon groß genug und das Leben ist sowieso viel zu kurz als dass ich alles, was ich noch lesen möchte schaffen könnte. Mal sehen…

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    • Ich kann Tolkien zwar nur empfehlen, kenne das aber auch, dass alle etwas gut finden, das mich so gar nicht reizt. Aber das ist doch okay, Geschmäcker sind nun mal verschieden. Dementsprechend: viel Vergnügen beim weglesen Deines Stapels! 🙂

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